Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 33.1913-1914

Seite: 374
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Schwanktingen und Entscheidungen.

daß die Trägen aufgerüttelt, die Stumpfen er- Grunde, als weil nicht sie selbst es war, die
schreckt wurden. Ja, wir selbst, gestehen wir es sie schuf. So auch die Jugend in der Kunst,
doch ruhig: wir möchten im Grund unseres Laßt sie sich einleben, die Neuerer, in Lust und
Herzens den Hexensabbath nicht missen, der Leid des Schaffens. Laßt sie am eigenen Leibe
gegenwärtig durch die Ateliers braust. Und erfahren, was dem Menschen in der Kunst mög-
wäre es nur um der heftigen, brennenden Neu- lieh ist, laßt sie die mühevolle Wanderung vom
gier willen, die er in uns erregt : Wie wird das Ausgangspunkte des ungebändigten Strebens
enden? Wie wird die neue Erde aussehen, die durch die Straße der Widerstände bis zum Ziel-
sich nach dem Ablaufen der Sintflut jungfräu- punkte demütig erkannter Bedingtheit selbst
lieh und fruchttragend aus dem Schlamme er- zurücklegen. Es wird nicht die Anarchie sein,
heben wird? Schwankungen haben Entschei- die daraus hervorgeht. Ein junger Kunstge-
dungen im Schöße. Schwankungen sind Ent- lehrter unserer Tage schließt sein jüngst er-
scheidungen. Neue Kräfte sind stets auch junge schienenes Werk über die Entwicklungsreihe
Kräfte. In ihnen steckt stets etwas Destruktion. Monet bis Picasso mit einem begeisterten Hin-
Jede Jugend möchte am liebsten die ganze weise auf — Nicolas Poussin! Darin liegt für
seiende Welt zerstören, aus keinem anderen alle Ängstlichen eine Fülle an Trost. — w. m.

pablo picasso—paris. gemälde »pierrot« bes: galerie alfred flechtheim g.m.b.h. düsseldorf.
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