Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 36.1915

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Große Berliner KitnstausstelliLng igiß-

PROF. CARL HOLZAPFEL BERLIN.

GEMÄLDE »FISCHKUTTER AUF DER ELBE«

Sprüchen an diese unter den schwierigsten Um-
ständen zustandegekommeneAusstellung heran-
zutreten. Er wird weder überragende Lei-
stungen, noch kühne Experimente erwarten und
schon zufrieden sein, daß man ihm die Un-
annehmlichkeit erspart, Darbietungen jener Be-
triebsamen zu sehen, denen alle Dinge, also
auch der Krieg, dazu dienen, sich auf der Höhe
der Zeit zu zeigen.

Erlebt man nun auch keine Überraschungen
in dieser Ausstellung — wie außerordentlich
müßten sie schon sein, um jetzt als solche zu
wirken! — so ist der Gesamteindruck doch
durchaus würdig und immerhin ein recht acht-
bares künstlerisches Niveau gewahrt. Bei ein-
gehender Betrachtung findet der ohne vor-
gesetzte Meinung herantretende Besucher so-
gar eine stattliche Zahl von Arbeiten, an denen
er seine Freude haben kann. Oder macht es
nicht Freude, wenn man ein so sympathisches
Talent, wie den Berliner Maler Paul Plontke,
sich immer zielsicherer entwickeln sieht; wenn
man einen bisher unbekannten Landschafter —
er heißt Karl Hennemann — entdeckt, der das
fast triviale Motiv einer Vorortsiedelung in ein
poetisches Erlebnis verwandelte; wenn man
einem so frischen Naturschilderer begegnet, wie

es Hans Klohss in seinem Bilde „Im Mai" ist,
oder wenn man bemerkt, daß ein bisher nicht
besonders beachteter Landschafter, wie Alfred
Scherres, sich mit einem „Kanal in Flandern"
auf einer gewissen Höhe zeigt? Paul Plontke
stellt das lebensgroße Bildnis einer blonden
jungen Frau aus, die in einem graugestreiften
hellen Morgenkleide mit blauem Gürtel, eine
illustrierte Zeitung in den Händen, vor einem
blauen Vorhang sitzt. Sichere Zeichnung,
lockere Pinselführung und eine feine Empfin-
dung in der Darstellung des Frauenhaft-Mütter-
lichen sind die Vorzüge dieser neuen Leistung
des begabten Malers.

Es gibt auch bekanntere ältere Maler, die
hier durch ihre Leistungen überraschen. In
erster Reihe Otto H. Engel, der seit langem
nicht eine so vortreffliche, in sich abgeschlossene
und malerisch reizvolle Arbeit an die Öffent-
lichkeit gebracht hat, wie diese „Friesische
Braut", die im Schatten eines Baumes vor einer
hellen Luft sitzt. Das Ganze ist mit einer Sorg-
falt und Liebe gemalt, die man heut als selten
empfindet. Daß Raffael Schuster-Woldan ein
Eklektiker ist und seine Arbeiten immer an die
Schöpfungen Größerer erinnern, darf nicht hin-
dern anzuerkennen, daß er in der „Dame in

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