Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 43.1918-1919

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Arbeiten von Professor R. A. Zutt-Budapest.

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IV KRROLY

PROF. R. A. ZUTT. »SCHREIN EINER HULDIGUNGS-ADRESSE«

des Kultusministers Grafen Johann Zichy,
in welchem er Zutt für seine langjährige er-
folgreiche Tätigkeit an der Königl. ungar.
Landeskunstgewerbeschule dankte, ja daß
er einer der Wenigen war, die den .Weg
zeigten, auf welchem ein Erblühen des un-
garischen Kunstgewerbes zu erreichen ist.

Der neue Kreis der Tätigkeit Zutts er-
streckt sich auf alle hauptsächlichen Zweige
des Kunstgewerbes. Derzeit ruhen zwar —
wegen der Schwierigkeit der Beschaffung
der Rohmaterialien — einzelne der Werk-
stätten, die Keramik, Glas usw. Es wurde
aber vor kurzem unter seiner künstlerischen
Leitung ein bedeutendes Unternehmen ge-
gründet zur Erzeugung von Holzspielwaren
und kunstgewerbliche Holzarbeiten.

In seine Erziehungspläne ist auch das
Laienpublikum einbezogen. Das Ziel seiner
Schule ist — sagt er an einer Stelle — nicht
nur künstlerisch Schaffende auszubilden. Er
will ein sich an der Kunst erfreuendes, die
Kunst genießendes Geschlecht erziehen, und
damit die Aufnahmefähigkeit für die Werke
der künstlerischen Produktion erhöhen. . . .

DR. ELEMER V. RADISICS.

DAS BEKENNTNIS IN DEE AECHITEKTUE.

Diejenige Tätigkeit, bei der die Menschen
am allerwenigsten heucheln, weil sie
am allerwenigsten heucheln können, ist die
bauliche Tätigkeit.

Jede Kunstübung ist wohl ein Bekennen,
sogar die Kunst des Schauspielers, denn auch
die Darsteller fremder Gedanken sind ge-
zwungen, das eigene Selbst in der Verkleidung
zu geben. Aber hier wie auch auf anderen Ge-
bieten erreicht uns das Selbst des Ausüben-
den nie so naiv unmittelbar wie bei der Archi-
tektur. Wort, Farbeund Ton sindzwar beinä-
herem Eingehen aufrichtig genug, aber viel
aufrichtiger sind Stein, Mörtel und Richtscheit.

Mit vollkommener Deutlichkeit ruft die
Bauweise eines Volks zu bestimmten Zeiten
weit hinaus und setzt auf ewig fest, was
dieses Volk liebt, glaubt und hofft. Auf kei-
nem Gebiet ist schlechte Kunst so schreck-
lich, so niederdrückend, so gemein.

Goethe sagt, man darf Dummheiten im
Leben machen, aber keine bauen. Denn die
anderen Dummheiten können mehr oder we-
niger verbessert und vergessen werden, die
gebauten ragen weit über die Zeit hinaus
und klagen uns auf lange an.

Gebaute Dummheiten sind schlimm genug,
aber es gibt gebaute Schlechtigkeiten, Be-
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