Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 44.1919

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moriz melzer—berlin.

Ein Jahrtausend zurück! Alles im Bild ist
gebundene Form, Natur und Mensch, alles
düster, inbrünstig scheu, wie das Gebet es aus
dem Herzen geschält. Die Farben tot. Da
regt sich das Gekräusel des Lebens um diese
Schwere, wie Schmetterlinge, gelb und grün und
rot Hatterts lebendig herum. An die Stelle des
goldenen feierlichen Mosaikgrundes tritt das
Braun, das Grün und endlich das Blau, erst
dicht und verschlossen. Aul einmal, von innen
und außen erhellt und erlöst, dämmert in dem
Blau die Erkenntnis der azurnen Luft. Der
schwere Vorhang fällt. Mensch und Natur
gehen ineinander auf. Und nun folgen viele
Jahrhunderte des Wissens. Der Mensch strebt
nach Allwissenheit. Er faßt das Leben in seiner

»schwarzer eichbaum« ausschnitt.

völligen Lebendigkeit im Impressionismus. Der
Mensch wird mit Wissen gesättigt, übersättigt.

Da gebärt die Zeit, von Wettern durchwühlt,
in der Armut der Großstadt, das neue Kind,
von allen verachtet, heimatlos. Die neue Zeit
grinst, furchtbar wie der Tod und doch erfüllt
nach Liebe, dem alten Leben ins Gesicht. Dieses
weiß nicht, warum. Das All gibt ihm keine
Antwort. Längst vergangene Zeiten türmen sich
neu. Die Natur entgleitet dem Bild, alles ballt
sich zu neuen Symbolen. Aus dem Gefühl
unendlich drückender Last des Geschehens
tönen schwer, aber rein die Farben. Die Men-
schen flüchten zur Reinheit des Alls. Der An-
fang und das Ende eines Jahrtausends reichen
sich die Hände........... dr. weinmayer.
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