Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 44.1919

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PROFESSOR FRANZ METZNER f. »ELEINPLAST1K* VORDER- D. SEITENANSICHT.

BILDERSTURM.

Kurt Hiller brachte das Schlagwort vom
„Tätigen Geist" : Geist, der tätig ist — im
Gegensatze wozu? Zum Geiste, der untätig ist?
Ein Wort von hartem Klang. Geist — wofern
man dieses Wort nicht als leeren Blankobegriff
nimmt — ist doch wohl immer und überall Tätig-
keit. Geist ist entweder Geist: Hort der Werte,
schaffendes Feuer — und dann ist er von Natur
tätig. Oder er ist nicht tätig, dann ist er nicht
Geist. „Tätiger Geist" ist also entweder eine
Tautologie oder ein Begriff, in dem die Sucht
steckt, den Geist mit irgend einem fremden,
nicht zuihmgehörigen Bestandteil zu vermengen.
Die aktivistische Gesinnung, die in vielen La-
gern lebt, geht vom Geiste aus. Sie geht aus
von den Wertsetzungen des Geistes und hat zum
Inhalt die Forderung, diesen Wertsetzungen im

wirklichen Leben zu klarerem Ausdruck zu ver-
helfen. Durch diese Forderung begegnet der
tatlüsterne Geist der Wirklichkeit und muß be-
kennen: Um die Wirklichkeit umzugestalten,
müssen wir Geistigen zunächst einmal aufhören,
geistig zu sein; müssen wir unsere hohen Wert-
setzungen, für die wir zu Felde gezogen sind,
Punkt für Punkt verraten. Ist dies nicht eine
sonderbare Kampfesweise? Ist dies nicht gerade
so, als wollte ein Heer die Bekämpfung eines
feindlichenHeeres damitbeginnen, daß es diesem
seine Waffen ausliefert und zu ihm übergeht?

Aus der geistig gedachten Zusammensetzung
„Tätiger Geist" eliminiert die Tatlust den Be-
standteil „Geist" und es bleibt nur die Tätig-
keit, geistfeindlich, materiell, menschheitsver-
räterisch, wie es alle Wirksamkeit im Nurstoff-
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