Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 46.1920

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Ausstellung Richard Teschner Wien.

KICIIARl) TESCHNER—WIEN. »DIE GELBE KULTURRASSE«

Kunst so süß einschläferte, ablenkte von der
Wirklichkeit des Lebens und dazu noch so
liebenswürdig und eigenartig war.

Nun zeigt die Wiener Ausstellung den neuen
Teschner. Er ringt sich durch zu höheren, rei-
neren Sphären. Er stößt in die Sphäre des
Geistes. Zunächst wird sie in Gedankenformen
künstlerisch erfaßt. Die drei Kulturrassen wer-
den hinausgestellt. Sie sind ein gewaltiger
Sprung aus seiner Romantik heraus. Sein altes
Grundproblem „Wie kann ich Leben gestalten"
sucht sich auch hierin, wie so oft in der Zeit
der Romantik die Antithese. Aber nun gilt es
der Lebenswirklichkeit. Teschner ist einer von
den Deutschen, die ihre Zeit nicht verschlafen

haben. Er schaut der Gegenwart geradezu ins
Gesicht. Am bewirkenden geistigen Leben der
braunen Rasse (Buddha), am regsamen gestal-
tenden, sozialen Leben der gelben Rasse (Kon-
fuzius), erlebt er als den Gegensatz, als die Er-
starrung,die geistig seelische Sterilität derweißen
Rasse der Jetztzeit, die ganz und gar in die
Mechanisierung, in Entseelung und Entgeisti-
gung geraten ist. Wohin wir geraten sind, kann
nicht eindringlicher gezeigt werden, als durch
den Repräsentanten der weißen Rasse mit seinen
leeren Augen. — Ich bin der Weg, das Leben
und die Wahrheit. — Dieses „Ich bin" ist nie
in schrecklicherer Weise ans Kreuz geschlagen
worden, als in der weißen Rasse. — „Die drei
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