Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 51.1922-1923

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Vom Segen der Bodenständigkeit.

historischen Notizen versehen, so kann leicht
eine kleine Lokalgeschichte entstehen, die kaum
etwas zu wünschen übrig läßt. Der Erfolg hat
auch die leider noch weitverbreitete Ansicht
von der geringeren Rentabilität der „teuren"
Kupferdruckkarte gegenüber dem elenden in-
dustriellen Schund glänzend widerlegt. Werden
doch die höheren Herstellungskosten durch die
entsprechend größere Zahl der von der Schön-
heit der Karte angelockten Besucher doppelt
und dreifach wieder eingebracht. Wie oft be-
gegnet man aber dem Einwand : in unserer wenig
besuchten Stadtistauf genügenden Absatz nicht
zu rechnen! Ja, warum kommen die Leute denn
nicht? Doch nur, weil sie garnicht wissen, was
sie zu erwarten haben. Die Postkarte muß zu-
vorkommen, nicht nachhinken. Hätte z. B. die

obengenannte Klosterkirche durch gute Karten-
aufnahmen vorgesorgt, sie wäre gewiß nicht so
lange verborgen geblieben. Wer also wirklich
etwas anzubieten hat, zögere nicht! Erfahrungs-
gemäß bleibt dann auch der Käufer nicht aus, und
wenn es auch nur der unbewegliche Sammler
wäre, dem die gute Nachbildung doch eine Art
Ersatz für die häufig versagte unmittelbare An-
schauung an die Hand gibt. Denn das ist ja der
Hauptwert der massenhaft hergestellten und
relativ billigen Ansichtskarte: dem wider Willen
seßhaft gewordenen Deutschen der Gegenwart
die Kunst seiner Heimat näher zubringen, indem
sie das vorhandene, oft noch ganz unbekannte
Kunstgut mobil macht und so mittelbar dazu
beiträgt, die Liebe zur deutschen Heimat und
das Verständnis ihrer Eigenart zu fördern. —

»TÜR EINES TABERNAKELSc

ENTWURF: OTTO HITZBERGER. AUSFÜHRUNG: KLASSE WILM. KUNSTGEWERBESCHULE—BERLIN.
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