Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 56.1925

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ARCHITEKT OSKAR KAUFMANN.

»TREPPE ZUM I. RANG«

OSKAR KAUFMANNS „OPER AM KÖNIGSPLATZ" BERLIN.

VON FRANZ SERVAES.

Seit vielen Jahrzehnten stand in Berlin die
weltberühmte Kroll - Oper. Ausgesucht
schöne Lage am Tiergarten. In der Mitte des
von Rundstraßen durchschnittenen riesigen
Schmuckplatzes die Siegessäule; gegenüber
Wallots Reichstagsgebäude. Aber die Kroll-
Oper konnte als Theater-Etablissement nur
veralteten Ansprüchen genügen. Sie mußte, um
einem modernen Publikum und modernen Büh-
nenbetriebe dienstbar zu werden, einen völligen
Umbau über sich ergehen lassen. Einen Umbau
nur im Inneren. Denn die gleichsam historisch
sanktionierte Fassade sollte die alte bleiben.
Und ebenso waren die Grundmauern unver-
rückbar. Trotzdem aber sollte etwas gänzlich
Neues und Repräsentatives hier entstehen. Und
alles mit den denkbar geringsten Mitteln —
denn es war nirgends Geld vorhanden.

Als daher die Staatsbühnen jenes Gebäude
übernahmen, um für die breiten kunstfreudigen
Massen der deutschen Reichshauptstadt eine

Volksoper daraus zu gestalten, konnte man nur
den besten und im Theaterwesen erfahrensten
Mann nehmen, sofern man vor einer anspruchs-
vollen Mitwelt in Ehren bestehen wollte. Des-
halb fiel die Wahl auf Oskar Kaufmann, den
Erbauer der Volksbühne am Bülowplatz, der
durch das aus den ehemaligen Sezessionsräu-
men erwachsene „Theater am Kurfürstendamm"
überdies bereits bewiesen hatte, daß er auch
unter sehr bedrängten Umständen etwas Ele-
gantes und zugleich Praktisches hervorzaubern
konnte. Er erhielt hier Gelegenheit, diesen
Nachweis in erheblich vergrößertem Maßstabe
noch einmal zu führen.

Ein Theater sollte geschaffen werden mit
einem Fassungsraum für 2400 Zuschauer, mit
einem Orchester für 120 Musiker und mit sehr
großen Bühnenräumen, die ein schnelles und
reibungsloses Arbeiten bei den von Akt zu Akt
nötigen Umbauten ermöglichten. Außerdem
war Unterkunft für die denkbar modernsten

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XXVIII. April 1925. 4
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