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Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 61.1927-1928

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Michel, Wilhelm: Die Münchener Neue Secession 1927
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https://doi.org/10.11588/diglit.9249#0019

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Die Münchencr Nexie Secession 1927

ringende Farbe sehr schön fortentwickelt, bei
Josef Eberz, der in Landschaften und Stilleben
neue Wege geht, bei Ernst Fritsch, der aus
dem Trockenen, Harten und Sonderbaren zu
einer lebensvollen, schön organisierten Welt-
erfassung weiterschreitet („Dame im Cape").
Lauterburg entwickelt zugleich mit einer gei-
stigen Konsolidierung immer kräftigere Mittel
des malerischen Ausdrucks, aber noch schädigt
die humoristische Motivwahl (Anzeichen einer
nicht ganz überwundenen Befangenheit in einer
betont jugendlichen Welt) seine volle Wirkung.
Sehr erfreulich ist der Weg, den W. Thöny
geht; gebärdenlos stellt sich in seinen Land-
schaften eine feine, tiefe Lebenstrauer dar; eine
verborgene Lyrik lebt in ihnen. Famos hält
sich Hans Gött, ein kräftiges, warmblütiges
Malertemperament voll Schwung und Männlich-
keit. Walter Teutschs „Mädchen ins Tal
blickend", Willi Nowaks „Schreitende Frau",
Jos. Pilartz' „Blick aus dem Fenster", Hermann
Eulers „Straße in Cannes", Max Peiffer-
Watenphuls „Stilleben" — dies alles sind
Leistungen auf dergleichen Linie von Besonnen-

heit und Solidität, Zeugnisse eines frischen Pro-
dtizierens, das noch Zukunft hat. Neben dieser
Gruppe, die zum Teil schon Nachwuchs ist, muß
mit Ehren Max Pechsteins „Obstbauer" ge-
nannt werden; auch hier ist Erfrischung und
Aufraffung, im Äußerlichen vielleicht eine An-
knüpfung an Van Gogh, aber im Vergleich zu
Pechsteins Anfängen ein volleres Auffassen der
Wirklichkeit, eine reichere Welt. Bemerkens-
wert scheint mir, was sich in Wilhelm Malys
überlebensgroßer Holzplastik „Mann und Frau"
ankündigt. Die Gemälde dieses Künstlers
ringen zwar auch um den schlagendsten, ein-
fachsten Ausdruck eines optischen Grunder-
lebens: Gestalt! Form! Aber sie bleiben häufig
unzugänglich, weil Vision und Ausdruck zu sehr
im Primitiven und Unbeholfenen befangen sind,
fn der erwähnten Holzplastik nähert er sich
mehr den Voraussetzungen des uns geläufigen
Weltbildes. Zwar sind diese zwei Holzgestalten
noch weitgehend Baum und Astwerk, aber die
Form wird der organischen Materie doch ent-
schieden Herr, man sieht sie gleichsam aus
Muttererde aufsteigen zu einer verschwiegenen

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