Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 67.1930-1931

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brellochs
—stuttgart
kleinplastik
terrakotta

ZU DEN ARBEITEN VON H.W. BRELLOCHS

A rchitektur und Plastik haben eine gemein-
XX same Anforderung als Voraussetzung an
den Ausübenden: Die Beherrschung des mate-
rial-gerechten Aufbaues. Das Künstlerische
schließt nun nicht an diese Voraussetzung an,
es lebt schon unmittelbar in ihr selbst, es würde
aber ohne den gekonnten Materialaufbau in der
Lage eines Lebenskräftekomplexes sein, dem
zur irdischen Formwerdung der tragende Ma-
terialgrund mangelte. Der Architekt ruft das
Material auf, um Raum-gestaltend und -umhül-
lend zu schaffen, der Bildhauer packt es un-
mittelbar an und holt aus ihm eine gewisse Pola-
rität zum Räumlichen heraus: die Körperform.

Man kann eine mathematisch-geometrische
Ableitungsreihe in den künstlerischen Vergleich
übersetzen und bekommt: Die dreidimensionale
Körperlichkeit als gestaltetes Ergebnis der

nächst-niederen Dimension der Fläche. Die
Kontur, als eindimensionale Ableitung der
Fläche, wird nur dann plastisch richtig sein,
wenn sie sich aus dem gegenseitigen Ansatz der
einzelnen Flächen für das Sehen und Tasten
motiviert. Es kommt für den Gesamteindruck
einer Plastik wesentlich darauf an, welche
Spannungen, Verdichtungen und Lösungen die
formende Hand den Flächen, derem Ansatz,
deren Weiterleitung und Einordnung in das Ge-
samte des plastischen Körpers zu geben vermag.
Entscheidend sind die Grundelemente der pla-
stischen Kunst; das Motiv unterliegt der Wahl.
H. W. Brellochs wählt, seiner Anlage gemäß,
vorwiegend das Porträt, ohne sich jedoch ein-
seitig darauf zu „spezialisieren". Sein Schaffen
umfaßt vielmehr den gesamten Umkreis bild-
hauerischer Aufgabenstellung, dr. felix durach.

XXXIV. Dezember 1930. 5
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