Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 67.1930-1931

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DER „DRUCK AUF DEN KNOPF" UND DAS ANDERE

.......Ich stimme Ihnen zu: der „Druck auf

den Knopf", jenes Minimum an Kraftleistung, mit
dem irgend ein Mechanismus ausgelöst wird,
der nun flink, sauber und präzis Verrichtungen
abwickelt, zu denen es sonst unserer Hände,
unserer Kraft bedürfte, ist etwas Ideales. Und
doch habe ich meine Gründe, wenn ich vorhin
von der „zu praktischen Wohnung" sprach.

Sie dürfen mich nicht mißverstehen: auf der
einen Seite kann die Wohnung überhaupt gar nicht
praktisch genug angelegt werden, für die tech-
nische Vervollkommnung gibt es keine Grenzen,
— schon deshalb nicht, weil die Erfüllung jener
Ansprüche, die wir an die Technik stellen,
immer steigernd auf die Ansprüche selbst zu-
rückwirkt; alles das, was in der Wohnung etwa
der Beleuchtung, der Beheizung, der Lüftung,
Reinigung usw. dient oder diese notwendigen
Maßnahmen unterstützt, erleichtert, vereinfacht:

Lampe, Heizkörper, Fenster, Fensterverschluß,
Türen, Fußbodenmaterial, Reinigungsgerät und
alles andere Hierhergehörige muß im Zeichen
einer sich ständig vervollkommnenden Konstruk-
tion stehen, — alles das kann gar nicht praktisch
genug funktionieren. Der „Druck auf den
Knopf", das Minimum an Kraftaufwand, mit
dem ein Höchstmaß an zweckdienlicher Wir-
kung ausgelöst werden kann, schließlich noch
die möglichste Unauffälligkeit der Geräte, die
alles das tun sollen, — das ist unser Ideal vom
„Praktischen" j in dieser Hinsicht gibt es keine
Grenzen, keinen vorzuschiebenden Riegel, mit
einem Wort: keine „zu praktische" Wohnung.

Aber beachten Sie, bitte, was wir hier mit
dem „Praktischen" meinen! Man könnte es —
wenn auch nicht besonders wohlklingend, so
doch prägnanter — mit einem deutschen Worte
ausdrücken: die Entumständlichung.

XXXIV. Januar 1931. 7*
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