Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 67.1930-1931

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ANDRE DUNOYER DE SEGONZAC

Woher kommt der schnelle Erfolg, der
Dunoyer de Segonzac beschieden war?
— Da ist es zuerst der Mensch, der Neigung
wachruft durch seine überschäumende, fröh-
liche Gesundheit, durch den Glanz eines klang-
vollen Namens in Verbindung mit einer weit-
herzigen, kameradschaftlichen Gesinnung. Dazu
gesellt sich ein echtes Künstlertemperament,
eine erstaunliche Mischung von Ungestüm und
Nüchternheit; dann die Sicherheit, die, gleich-
sam ohne sein Wissen, von ihm ausging in einer
Zeit, die eine Beute des unruhigen Suchens
und mancher Verwirrung war; und dann seine
siegreiche Behauptung der „Malerei" gegenüber
theoretischen Grübeleien. AU das lenkte die
Aufmerksamkeit auf sein Schaffen.

Die Sicherheit, die er brachte, bestand we-
sentlich darin: für einen Maler ist nichts wichtig
als mit Leidenschaft und Wahrheit zu malen.
Diese Sicherheit war um so fruchtbarer, als sie
sich bei ihm mit einer großen Freiheit verband.
In einer Zeit, die nichts so hoch schätzt als die
Unabhängigkeit, mußte gerade eine solche Ver-
bindung den Wert eines Vorbilds gewinnen.

Erst nach langen Reisen in Italien, Nordafrika
und Spanien, also nach vielem Sehen und Ver-

gleichen, trat er in die Ecole des Beaux-Arts
ein. Er wird Schüler von Luc-Olivier Merson,
dann von Jean-Paul Laurenz. Er verläßt auch
diesen bald und besucht die freie Akademie
La Palette, wo Charles Guerin, Desvallieres und
J.-E. Blanche als Lehrer wirkten.

Von diesen verschiedenen Lehrmeistern merkt
man in seinem Schaffen kaum eine Spur. Viel
eher möchte man glauben, der Einfluß Cezannes
sei für ihn der bestimmendste und heilsamste
gewesen. Er entnahm dem Meister von Aix
nicht ein rezepthaftes Verfahren (das sich selbst
Mittelmäßige aneignen können), sondern etwas
viel Besseres: den Antrieb zu Leidenschaft und
Wahrheit.

Nach dem Gesagten und nach den Bildern
selbst könnte man glauben, daß Dunoyer de
Segonzac leicht oder sogar flott und unge-
zwungen arbeite. Das trifft nicht zu. Er kennt
im Gegenteil sehr wohl die Schwierigkeiten der
Verwirklichung und bietet allen Eifer auf, um
zu bessern, was ihm ungenügend scheint. Die
schweren Farbmassen, die er verwendet und
die auf manchen seiner früheren Gemälde wie
ein Bewurf wirken, bezeugen den zähen Eifer,
mit dem er an diesen Bildern gearbeitet hat.

XXXIV. Februar 1931. 2
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