Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 67.1930-1931

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geza angyal—kremn1t7.a

»st. johannis-kirche am berg« 11127

ZU DEN BILDERN VON GEZA ANGYAL

Geza Angyal lebt und arbeitet seit Jahren
in der Tschechoslowakei. Er begann seine
Studien in Budapest, setzte sie in München fort
und holte sich entscheidende Anregungen auf
wiederholten Studienreisen nach Paris und
Italien. Die Lust am graphischen Ausdruck
herrschte im Anfang vor. Es gibt von Angyal
eine Reihe von Radierungen, an denen er seine
stark modellierende Zeichentechnik entwickelt
hat. Später ging er zur Ölmalerei über, aber er
behielt unverwandt sein leidenschaftliches Inter-
esse für die Menschengestalt bei. Nur aus-
nahmsweise kommt er zu Landschaft und Still-
leben. Seine großen Figurenbilder, die immer
ins Lebensgroße, wenn nicht Überlebensgroße
streben, legen die Art und Richtung seines In-
teresses am Menschen dar: es handelt sich um
das Dämonische der einzelnen Existenz, um
das Besondere, Harte, Verknäulte des einzel-
nen Menschenwesens, in dem die Seele gleich-
sam gefangen ist, um Stärke der physiogno-
mischen Charakteristik; daher der tragisch-

dramatische Gesamtcharakter dieser Menschen-
schilderung, in der man die Abstammungs-Ge-
gebenheiten des Künstlers — Vater Magyar,
Mutter Slowakin — wirksam werden fühlt. Es
sind nicht nur „wirkliche" Menschen, die er in
diesen Kompositionen malt, sondern ausge-
suchte, d. h. besonders prägnante Typen. Nach
der malerischen Seite hin sucht Angyal stets
eine bestimmte Farbenidee durchzuführen, also
eine koloristische Entsprechung zur Strenge des
formalen Aufbaus zu geben. So liegen die „Berg-
arbeiter" (1920) ganz in Grün und Schwarz,
mit wenig Rot und Rostbraun. Freier sind im
Koloristischen die Landschaften aufgebaut. —
Angyal hat zu verschiedenen Malen in Paris
ausgestellt und bei der dortigen Kunstkritik
Zustimmung gefunden. Es ist im Ganzen eine
harte, finstere Welt, die seine Kunst aufbaut.
Nicht nur seine Menschenschilderung, sondern
auch seine Landschaftsschilderung hat diesen
dramatisch-finsteren Zug, in dem Unruhe, Be-
wegung, aber auch Kraft sich ankündigt, a. l.

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