Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 68.1931

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Ist Kunst Luxus ?

von der Wirtschaft i M :' Kunst sei nur Um-
betrifft, so ist sie — Schreibung der „Wirk-
banal ausgedrückt— |l|pM|fHUHHoffijj| lichkeit", so wäre da-
keine andere, als daß gegen wenig zu sagen,
der Künstler Geld wenn sie der Zeitnot-
braucht, um arbeiten H wendigkeit Rechnung
zu können. Natürlich trüge, die Zeit und
bestehen bestimmte ihre komplizierte Pro-
wechselseitige Ab- blematik zu erkennen,
hängigkeiten zwi- Ii denn ohne Zweifel
sehen demwirtschaft- muß dem Anspruch
liehen und künstle- H auf künstlerische Ge-
rischen Lebensstand staltunggeradeheute,
eines Volkes, und M JßK Sgl da die mechanischen
der Absatz moder- | IßSp „Tatbestände" ein
ner Kunst, ihre wirt- mächtiger Schick-
schaftliche Verwert- salsfaktor geworden
barkeit ist ja gegen- sind, eine totale Zeit-
wärtig durch die wirt- jüfe. IM kenntnis und Zeit-
schaftliche Dauer- M''WF^" I'I Erkenntnis voran-
krise auf das emp- s gehen. Aber wich-
findlichstc gefährdet. «Bk^P^ I tiger ist in diesem
Aber daß der Drang ^ ;' Zusammenhange die
nach künstlerischer Gleichsetzung von
Betätigung trotz wirt- ^■s^^^^W Wirklichkeitsdarstel-
schaftlicherUnsicher- lung und Kunst, wo
heit zunimmt, ist > ff. doch jedes Kunst-
schon ein deutlicher fls& werk, das überdies
Beweis für die Un- fast stets in Spannung
haltbarkeil der obi- # oder Gegensatz zur
gen These. Oft bedarf B^tifl -'J W% jfl Wirklichkeit steht,
sogar der Künstler H immer noch etwas
äußererWiderstände, m Jp5»''^-/jjipi ~J^m& über die Wirklich-
um die Echtheit sei- A r""^ I keit Hinausgehendes
ner Begabung zu le- ■ ML ^^äT^B I meint. Das Kunst-
gitimieren; damit soll -j^t» fjfe werk ist nicht Um-
jedoch keineswegs H Schreibung, noch Ver-
der Philister - Auf fas- schleierung der Wirk-
sung zugestimmt wer- lichkeit. Im Kunst-
den, daß materielle werk formt sich eine
Entbehrung das unmittelbare, direkte
Schaffen günstig be- WILH- nagel-elbkrfeld. »Bauern und Händler« Lebensäußerung, ein
einflusse. — Die Kunst sinnlich - übersinn-
ist ihrem Wesen nach ein instinktives und not- licher Trieb, der mit Umschreibung oder Ab-
wendiges Ausdrucksmittel der Menschheit. schreiben irgendeiner Wirklichkeit nichts zu
Die Wirtschaft kann die Kunst fördern, indem tun hat. Was Tieck 1804 an Philipp Otto Runge
sie sich der Begabungen bedient, sie kann aber schrieb, gilt auch für unsere, und besonders
auch der Meinung sein, Kunst „brauche" man für unsere wirtschaftlich hypnotisierte Zeit:
nicht. Sofern heute diese Auffassung vertreten „Alle echte Kunst ist nur Armierung unseres
wird, ist das kein Beweis gegen die Kunst, son- Geistes, ein Fernrohr unserer inneren Sinne,
dern gegen die Wirtschaft und die Wirtschafts- durch welches wir neue Sterne am Firmament
gesinnung. Wer die Kunst als etwas Über- unseres Gemütes entdecken wollen: das ge-
flüssiges, als Luxus bezeichnet, müßte mit heimste Wunder in uns, welches wir nicht aus-
derselben Folgerichtigkeit Blüte und Frucht sprechen, nicht denken und nicht fühlenkönnen,
des Baumes als überflüssig ansehen. — Wenn diese innerste Liebe sucht ja eben nach dem
in der zweiten These behauptet wird, es magisch-symbolischen Zeichen der Kunst, stellt
käme heute auf die „Tatsachen" an, die sie anders und will sie neu gebrauchen." dr. f. n.

XXXIV. August 1931. 5
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