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Friedländer, Ernst
Ostfriesisches Urkundenbuch (Band 1): 787 - 1470 — Emden, 1878

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https://doi.org/10.11588/diglit.1950#0016
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Vorwort. \

oder auch diese oder jene ungedruckte Urkunde übersehen sei! Wenn man sich be-
wusst ist, aufrichtig dem Ziele zugestrebt und die vorgenommene Arbeit durch emsiges
Sammeln des vorhandenen Materials thunlichst brauchbar gemacht zu haben, wird man
getrost den Ausspruch Böhmers l) anführen dürfen, da er sagt, die Beantwortung der
Frage, ob eine Urkunde gedruckt ist oder nicht, sei zuweilen nicht sowohl Sache mensch-
licher Kenntniss, als göttlicher Allwissenheit. Und dazu mag berücksichtigt werden,
dass der Herausgeber dieses Heftes im kleinen Orte, fern von jeder grösseren Bibliothek,
und durch amtliche Thätigkeit nicht unbedeutend in Anspruch genommen, gearbeitet hat,
so dass er billig um Nachsicht bittet, wenn ihm die Nachweisung einer gedruckten oder
die Aufnahme einer ungedruckten Urkunde entgangen sein sollte.

Ich komme nun zu einigen kurzen Bemerkungen über die Entstehung des Urkunden-
buches und die Herkunft des Materials.

Als ich beim Antritt meiner amtlichen Stellung am Archive zu Aurich begann
mich mit der Ostfriesischen Geschichte eingehend zu beschäftigen und die betreffende
Literatur kennen zu lernen, fiel es in die Augen, dass es an gesammeltem Quellenmaterial
fast durchaus mangelte. Zwar hat der Kanzler Enno Rudolf Brenneysen in seiner Ost-
friesischen Geschichte und Landesverfassung, Aurich 1720, in Folio, einem, wie alle
Schriften dieses Verfassers, vom entschiedensten Parteistandpunkte aus geschriebenen und
gegen den verdienstvollen und bedeutenden Friesischen Geschichtsschreiber Ubbo Emmius
von Hass überquellenden Buche, einen Theil dem Abdrucke von Urkunden gewidmet
und auf etwa hundert Seiten eine nicht unerhebliche Reihe von dem 15. Jahrhundert
angehörenden Diplomen des Fürstlich Ostfriesischen Archives veröffentlicht, doch sind
die Abdrücke durch übergrosse Sorglosigkeit und Laienhaftigkeit in so hohem Maasse
incorrect, dass sie kaum den geringsten Anspruch auf Authenticität erheben können;
und nicht viel besser sind die vom Amtmann Hemmo Smir. im Anhange zur „Geschichte
der ehem. Klöster in der Provinz Ostfriesland, Emden 1838" mitgetheilten Urkunden
abgedruckt; auch sie sind keineswegs frei von Fehlern der sonderbarsten Art, und leider
enthalten diejenigen Abdrücke die meisten Lesemängel, welche „diplomatisch genau"
dem Originale entnommen sind. Die übrigen Ostfriesischen Schriftsteller führen Ur-
kunden nur ganz gelegentlich und aus anderen Büchern an, die beiden genannten Werke
sind die einzigen, in denen urkundliches Material gesammelt, aber, wie bemerkt, in einer
Weise veröffentlicht ist, die den heutigen Ansprüchen nicht im Entferntesten genügen
kann. Und dazu kommt, dass die Mehrzahl der abgedruckten Urkunden dem 15. Jahr-
hundert angehört. Mein Bestreben war daher sofort darauf gerichtet, hier Hülfe zu
schaffen, die fühlbare Lücke besonders auch für die ältere Zeit zu füllen und der Ost-

») llegesta, 1831, Vorrede S. VI.
 
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