Ness, Wolfgang [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 10, Teil 1): Stadt Hannover — Braunschweig, 1983

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sehen Backsteinkirchen. Ihre Grenzlage wird
deutlich an Grundriß-, Chor- und Turmge-
staltung, die sowohl an westfälischen wie an
Lüneburger Vorbildern orientiert sind.
Die Marktkirche ist eine dreischiffige Hallen-
kirche von fünf Jochen mit drei nebenein-
ander angeordneten, polygonalen Apsiden
und monumentalem 97 m hohem Westturm.
Die Choranlage, durch ein schmales Vor-
joch vom Langhaus getrennt, besteht aus
einer Hauptapsis mit 7/10-Schluß und den
angrenzenden Seitenapsiden mit5/10-Schluß,
von denen am Außenbau nur fünf bzw. je-
weils drei Seiten sichtbar sind (Vorbild:
Soester Wiesenkirche). Der schlichte Außen-
bau ist gegliedert durch kräftige, zweimal
flach gestufte Strebepfeiler und die zwischen
ihnen liegenden hohen Lanzettfenster mit
schräg profilierten Laibungen (Maßwerk im
Chor z.T. erhalten, in den übrigen Fenstern
ersetzt). Der Übergang vom Langhaus zum
Chor ist markiert durch beiderseits an die
Seitenapsiden anschließende Treppentürm-
chen. Dasaufgehende Ziegelmauerwerk setzt
über einem niedrigen Sandsteinquadersockel
mit profiliertem Abschluß an; in Sohlbank-
höhe wird der Bau von einem gekehlten
Kaffgesims umzogen, das sich über den drei
Seitenportalen verkröpft.
Der mächtige Westturm auf quadratischem
Grundriß ist durch schmale, gekehlte Sand-
steingesimse in vier Geschosse gegliedert; die
Turmkanten bestehen in ganzer Höhe aus
unregelmäßig verzahnten Quadern. Die bei-
den mittleren Geschosse haben an jeder
Seite ein spitzbogiges, tief eingeschnittenes
Fenster, das dritte, niedrigere Obergeschoß
enthält jeweils drei schmale Schallöffnun-
gen. Der ursprünglich wohl als hohe pyra-
midale Spitze geplante Turmhelm (vgl. St.
Johannis, Lüneburg) kam nicht zur Ausfüh-
rung. Die vier hohen Giebel sind verbunden
durch zwei Satteldächer mit bekrönendem
Dacherker. Das große gotisierende Westpor-
tal wurde 1852—1855 durch Ernst Bandel
neu erstellt. Die Figur des Hl. Georg, heute
links des Wimpergs in fialenbekrönter Ni-
sche, blieb vom alten Portal erhalten.
Der Innenraum ist nach der Zerstörung im
Zweiten Weltkrieg puristisch wiederherge-
stellt worden (Erneuerung: 1948—52 durch
D. Oesterlen). Die vier Rundpfeilerpaare mit
schmalen, in die Rippen der Scheidbögen
und Gewölbe übergehenden Dienste tragen
die Kreuzrippengewölbe. Die hellen, starren
Betonrippen und „Kapitellpunkte" stehen in
deutlichem Gegensatz zum Rohziegel der
vielfach profilierten Scheidbögen und qlatten
Pfeiler.
In der Hauptapsis sind Reste der Glasfenster
des 14. Jh. erhalten. Der Passionsaltar von
1490, ein Schnitzaltar mit Kreuzigung,
Szenen aus der Leidensgeschichte und ge-
malten Szenen der Georgs- und Jakobusle-
gende, ist der ehemalige Hochaltar der
Marktkirche. In den Nebenapsiden befinden
sich jeweils ein Bronzetaufbecken (in der
südlichen das der Aegidienkirche), um 1500
und Anfang des 16. Jh. vermutlich in Hildes-
heim entstanden, beide mit vollplastischen
Apostel- und Heiligenfiguren. An den Au-
ßenwänden der Marktkirche sind mehrere

Marktkirche, Grundriß


Marktkirche, Innenraum nach Osten


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