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Ness, Wolfgang [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 10, Teil 1): Stadt Hannover — Braunschweig, 1983

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https://doi.org/10.11588/diglit.44751#0065

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rißbildungen und individuellen Fassadenge-
staltungen geführt, ohne das einheitliche
Erscheinungsbild der Wohnsiedlung zu beein-
trächtigen (Bauten an der Marstallstraße:
Architekt Georg Seewald; Burgstraße: Erwin
Töllner; Knochenhauerstraße: Ernst Zinsser;
Goldener Winkel: Hans-C. Jaeckel; Gesamt-
planung: K. Gutschow u.a.).
AEGIDIENKIRCHE
Die 1333 fertiggestellte Kreuzkirche, Pfarr-
kirche des dritten und jüngsten hannover-
schen Kirchspiels, war in der 2. Hälfte des
14. Jh. das älteste Kirchengebäude der Stadt.
1335 war mit dem Backsteinbau der goti-
schen Marktkirche begonnen worden, der
noch nicht abgeschlossen war, als in der süd-
lichen Altstadt die romanische Aegidienkir-
che durch einen Neubau ersetzt wurde. Die
dreischiffige, gewölbte Hallenkirche von fünf
Jochen Länge mit eingezogenem Polygon-
chor aus Kalkbruchstein war kaum größer
als der Vorgängerbau, von dem der West-
turm erhalten blieb (bis 1671) und einzelne
Bauteile wiederverwendet wurden. Die Aegi-
dienkirche unterschied sich von den beiden
anderen Altstadtkirchen besonders durch die
Quergiebeldächer über den Seitenschiffjo-
chen und über dem Chor, deren dichte Rei-
hung die strenge Wandgliederung des Außen-
baus in der Dachzone aufhebt. Die Umfas-
sungsmauern mit den hohen, tief einge-
schnittenen Spitzbogenfenstern, dreifach ge-
stuften Strebepfeilern und umlaufendem
Kaffgesims blieben mit der Giebelreihe der
Seitenschiffe nach der Zerstörung 1943 er-
halten.
Der viergeschossige Westturm aus Sandstein-
quadern wurde nach Entwurf von Sudfeld
Vick 1703—1717 in Einheit mit der West-
fassade des Kirchenschiffs gebaut. Auf das
Sockelgeschoß mit Ecklisenen, dorischem
Portikus, seitlichen Rundbogenöffnungen
und Figurennischen der eingebundenen Fas-
sade (Sandsteinfiguren Luthers und Me-
lanchthons von Täger d. J., 1880) folgen
zwei sich leicht verjüngende Geschosse mit
klassischer Pilastergliederung, die durch weit
ausladende Gesimse abgeschlossen sind. Das
niedrigere oberste Geschoß endet stumpf mit
einer Balustrade. Die zerstörte oktogonale
Turmbekrönung mit doppelter Laterne wur-
de 1952 durch ein Glockenspiel ersetzt.
Die Ruine der Aegidienkirche ist heute Ge-
denkstätte für die Kriegsopfer.
Der kleine, von einer Mauer umgebene
Kirchhof wurde im Jahr 1800 aufgelöst und
verkauft.
DIE STÄDTISCHEN MÜHLEN
Die Neubauten der drei altstädtischen Kir-
chen, die Vollendung des Stadtmauerbaus
und die Anlage einer Landwehr mit Wacht-
türmen im Vorfeld waren die bedeutendsten
Bauvorhaben im Laufe des 14. Jh., die die
Entwicklung Hannovers zu einer unabhängi-
gen Bürgerstadt kennzeichneten. Zu den be-
stehenden Stadtrechten — Hude- und Weide-
recht in den Feldmarken der umliegenden
Dörfer, Münzrecht (seit 1322) — kam um
die Mitte des 14. Jh. die Aneignung der Müh-

„Honovera Antiqua", um 1740, gez. v. E. E. Braun, Stadtarchiv K 3008



Aegidienkirche


Aegidienkirche, Westportal

Burgstraße 12, Hinterhaus, 1564


Burgstraße 12, 1566

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