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GEHRDEN

Bedingt durch seine topographische Lage
wurde der Gehrdener Berg schon frühzeitig
besiedelt, wie die vorgeschichtlichen Hü-
gelgräber auf dem Süerser Berg und die
Fluchtburg aus der Römerzeit auf dem
Burgberg belegen. In dem Ringwall der
Burg, BURGBERG 5, wurde 1897/98 ein
Aussichtsturm in Bruchsteinmauerwerk von
dem Mauermeister Krull aus Gehrden er-
richtet. Der Turm wurde 1899 für gastro-
nomische Nutzung erweitert. Im 9.-12. Jh.
entstand um die Burg ein Siedlungskranz
von den vier Ortschaften Gehrden, Spehr,
Südersen und Stehr. Die Bewohner dieser
Siedlungen verließen in der Zeit zwischen
dem 12. und dem 15. Jh. ihre Ortschaften
und siedelten in dem befestigten Gehrden
neu. Eine erste urkundliche Erwähnung er-
fuhr Gehrden im Jahre 1153. 1298 erhielten
die Bewohner des Fleckens Gehrden das
Privileg des freien Bürgers.
Nähert man sich von Osten über Empelde
oder Ronnenberg der Stadt Gehrden, er-
kennt man den spitzen Dachreiter der
St. Margarethen Kirche KIRCHSTRASSE 2
über den roten Satteldächern inmitten des
alten Siedlungskernes. Der geostete Bau
liegt am Markt und am ehemaligen Friedhof,
der noch Teile des alten Baumbestandes
und der wertvollen alten Grabsteine aus
dem 16. und 17. Jh. aufweist. Ältester Bau-
teil ist der Westturm aus dem ersten Drittel
des 13. Jh. Er ist aus mächtigen Quadern
auf reich profiliertem Sockel errichtet. Zwi-
schen Lisenen spannen sich zwei Bogen-
friese, die das untere Turmgeschoß in der
Höhe gliedern. Auf der Ost- und Westseite
sind gekuppelte Schallöffnungen mit Tei-
lungspfeilern eingelassen. Der Westturm er-
hielt seinen charakteristischen Treppengie-
bel vermutlich Ende des 15. Jh., 1674 einen
neuen Glockenstuhl und 1677 einen Dach-
reiter, der 1925/26 erneuert werden mußte.
Das aus Bruchstein gebaute gotische Schiff
unter Satteldach wird von kurzen Strebe-
pfeilern gestützt. Im Süden wird das Schiff
durch einen querarmähnlichen Anbau und
im Norden durch die Sakristei unter Pult-
dach erweitert. Das Langhaus öffnet sich
unter einem Spitzbogen auf Kämpfern zur
rippenlos gewölbten Turmhalle. Es wurde
vermutlich durch den großen Brand von
1467 beschädigt. Unklar ist, ob das heutige
Langhaus aus dem letzten Drittel des
15.Jh. stammt oder zusammen mit der
Sakristei bereits um 1400 errichtet wurde.
Von der Ausstattung besonders zu erwäh-
nen sind der Altar mit dem Holzkruzifix des
Meisters Blume (Blome) aus Hannover aus
dem Jahre 1653 und das alte Taufbecken,
das aus der Zeit zwischen 1000-1200
stammt.

Im Osten Gehrdens wurde außerhalb des
alten Siedlungsbereiches die kath. St. Boni-
fatius Kirche in der GARTENSTRASSE 45
1910/11 von dem Architekten Jagielski in
Nord-Süd-Ausrichtung an der Einmündung
der Gartenstraße in den Stadtweg auf
einem heckenumfriedeten Rasengrund-
stück erbaut. Das Kirchenschiff ist ein mas-
siver, verputzter Hallenbau auf Quadersok-
kel. In die nördliche Fassade des Kirchen-

Gehrden, Verkoppelungskarte 1853-55,
Amt für Agrarstruktur, Hannover


Gehrden, Kirchstraße 2, Kirche St. Margarethen


Gehrden, Kirchstraße,



Gehrden, Gartenstraße 45, Kirche
St. Bonifatii, 1910/11, Architekt Jagielski


201
 
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