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tet. Der Nordgiebel ist in Fachwerk mit
roten Ziegelausmauerungen ausgeführt.
Das Gebäude stammt vermutlich aus der
Mitte des 18. Jh.
Etwas zurückgesetzt vom Ortsmittelpunkt,
hinter einer Böschungsmauer aus Sand-
steinquadern, AM THIE liegt die kleine
Fachwerkkapelle aus dem Jahre 1748. Die
einfach abgezimmerte Kapelle auf Bruch-
steinunterbau mit dreiseitigem Chorschluß
ist auf der Süd- und der Westseite mit senk-
rechter dunkler Schalung verkleidet. Der
Westgiebel ist bekrönt von einem kleinen
quadratischen Glockenturm, der in der Spit-
ze ins Achteck geführt ist. Der Dachreiter
trägt die Jahreszahl 1883.
Ortskarte Seite 150/151

SPRINGE-ELDAGSEN

Eldagsen ist vermutlich identisch mit der als
Ealdeshusen schon 866 in den Urkunden
des Klosters Corvey genannten Ortschaft.
Später wurde es als Eldaghessen und El-
daghesen in den Akten geführt. Als Ende
des 13. Jh. die Grafen von Hallermund von
den Welfen aus dem südlichen Calenberger
Land verdrängt wurden, versuchten diese
mit der Anlage Eldagsens die ihnen verblie-
benen südcalenbergischen Besitzungen zu
festigen. Hierauf ist auch der Rang als
Stadt zurückzuführen, den Eldagsen schon
sehr früh durch die Grafen von Hallermund
verliehen bekam. 1255 wurden seine Be-
wohner bereits cives und 1282 Eldagsen
als villa bezeichnet. Die urkundliche Erwäh-
nung als oppidum im Jahre 1315 deutet auf
die zu diesem Zeitpunkt vorhandene Befe-
stigung hin. Die Benennung einer Münzstät-
te Eldagsen belegt die damalige Bedeu-
tung der Siedlung. Für die erste Hälfte des
14. Jh. ist bereits eine Ratsverfassung
urkundlich belegt und 1355 wird von der
Stadt Eldagsen gesprochen. Auch der Sitz
eines Archidiakonats befand sich in Eldag-
sen. Das Patronat über die St. Alexandri Kir-
che lag bei dem Domprobst von Hildes-
heim. Dieses Recht wurde 1324 an das Klo-
ster Wülfinghausen abgetreten. Im 14. Jh.
mußten die Hallermunder den Welfen wei-
chen. Sie verloren die von ihnen gegründe-
te Stadt. Im darauf folgenden Jahrhundert
stagnierte die Entwicklung der Ortschaft,
bis im 15. und 16. Jh., durch die kriegeri-
schen Unruhen verunsichert, zahlreiche
Bauern der umliegenden Dörfer in der befe-
stigten Stadt Schutz suchten. In den folgen-
den Jahrhunderten blieb Eldagsen eine
recht bedeutungslose Ackerbürgerstadt
ohne die Entwicklung, wie sie andere Städ-
te, die verkehrsgünstiger lagen, in dieser
Zeit nahmen. Noch 1939 lebten von 616
Haushaltungen 139 ausschließlich von der
Landwirtschaft.
Der ehemalige Kirchhof mit den für Eldag-
sen wichtigen Bauten bildet den Ortsmittel-
punkt. Leider befestigte man einen Teil der
Fläche in den vergangenen Jahren. Im Sü-
den wird dieser Platz, auf dem früher der
Burgmannshof stand, durch das zweistök-
kig abgezimmerte, siebenachsige Pfarrhaus
MARKTPLATZ 1 begrenzt. Der guterhalte-

ne Fachwerkbau mit verputzten Gefachen
ersetzte 1816 den Vorgängerbau von 1642.
Die tiefer gelegene Unterpfarre AM WÖHL-
BACH 13, ein auf hohem Untergeschoß
zweistöckig abgezimmerter Wandständer-
bau unter Halbwalmdach mit seitlichen, ein-
geschossigen Anbauten, ist im Kern eines
der ältesten Bauwerke Eldagsens, wie kon-
struktives Gefüge und die am Anbau erhal-
tenen Taustabknaggen belegen. 1779 wur-
de der Bau gründlich renoviert.
Der neue Friedhof liegt mit seinem z. T.
alten Grabsteinbestand südlich der Ort-
schaft an der KIRCHHOFSTRASSE. Ein
kleiner jüdischer Friedhof in der KNICK-
STRASSE wurde 1929 erstmals belegt.
Die ev. Pfarrkirche St. Alexandri, MARKT-
PLATZ 2, wurde in ihrem Ursprung um 1180
als dreischiffige Säulenbasilika angelegt.
Teile dieses ersten Baues sind noch im
Chor, im Triumphbogen und in den im Jahre
1704 erbauten Priechen erkennbar. Auch
die kräftigen Sockelprofile des Westturmes
sind als spätromanische Elemente einzustu-
fen. Der Sakristeianbau erfolgte Mitte des
14. Jh. und 1479 der Anbau des gotischen

Chorpolygons. Nach dem Brand von 1626,
bei dem nur Chor und Sakristei verschont
blieben, wurde der gedrungene Turm 1663
bis 1673 auf quadratischem Grundriß wie-
der aufgebaut. Die eingezogene Glocken-
stube wird von einer ins Achteck geführten
Turmspitze abgeschlossen. Ab 1704 ent-
stand das Langhaus als Saalbau mit ver-
putztem Bruchsteinmauerwerk unter Sattel-
dach. Rundbogenfenster gliedern die Fas-
saden des Langhauses, und Spitzbogen-
fenster mit Maßwerk über Kaffgesims be-
lichten den Innenraum des Chores. Die dop-
pelgeschossige Emporenanlage gliedert
den an den Seiten flach und in der Mitte
durch eine elliptische Holztonne gedeckten
Innenraum. Zu der Innenausstattung gehö-
ren zahlreiche Gegenstände, wie ein Flügel-
altar aus der Zeit um 1480, ein reich verzier-
tes Sakramentshäuschen aus dem Jahre
1488 in Sandstein und eine Orgel aus dem
Jahre 1639 von dem Meister Heinrich Que-
denbaum.
Drei Gutshöfe bestimmten wesentlich die
Entwicklung der Ortschaft. Es waren das
Unter-, das Obergut und der Paterhof, der


Eldagsen, Marktplatz 2,
Kirche St. Alexandri, 1704

Boitzum, Am Thie 23
Hofanlage

Eldagsen, Marktplatz 1, Pfarrhaus, 1816

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