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Krumm, Carolin [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 13,2): Region Hannover: nördlicher und östlicher Teil; mit den Städten Burgdorf, Garbsen, Langenhagen, Lehrte, Neustadt a. Rbge., Sehnde, Wunstorf und den Gemeinden Burgwedel, Isernhagen, Uetze und Wedemark — Hameln, 2005

DOI Page / Citation link:
https://doi.org/10.11588/diglit.44258#0162
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nem deutlich vorspringenden Kammerfach. Ein
flacher, neu ausgefachter Fachwerkstall (19. Jh.)
vermittelt zu einer Doppelquerdurchfahrts-
scheune, die zusammen mit der gegenüberlie-
genden Remise die eigentliche Hofeinfahrt aus-
bildet: Die Scheune weist mit den zierlichen K-
Streben und den holzausgelegten Felderungen
im Giebeltrapez Konstruktionsdetails auf (um
1790), die vornehmlich an Hallenhäusern der
Region Burgdorf-Lehrte-Sehnde anzutreffen
sind. In der flächigen Gestaltung des Giebels
unterscheidet sich der Scheunengiebel insofern
deutlich von den stark plastisch wirkenden
Scheingeschossen der westlich anschließen-
den Region. Die Hofstelle, die noch in erheb-
lichen Teilen historische, diagonale Pflasterun-
gen aufweist, ergänzt ein kombiniertes Back-/
Speicherhaus im Anschluss an die Querdurch-
fahrtsscheune.

BURGDORF/HÜLPTINGSEN

Das im Wesentlichen auf eine Straßengabelung
konzentrierte, im späten 13.Jh. als „Hille-
brechtshusen“ erwähnte Hülptingsen liegt nur
wenige hundert Meter von Burgdorfs östlichem
Stadtrand entfernt. Durch die Nähe zur Stadt
hat der Ort zwangsläufig wesentliche Verän-
derungen erfahren, die das einstige Bauerndorf
zur Einfamilien-Wohnhaussiedlung umprägten.


Hülptingsen, Vor den Höfen 30, Wohnhaus von „1908"

Denkmalqualitäten zeigt lediglich der zweige-
schossige Putzbau Vor den Höfen 30, ein
geradezu klassischer Vertreter des
Landhausstils („1908“). Unter den zahlreichen
Vertretern der traufständigen Wohnbauten mit
Mittelrisalit und Zwerchhausaufbau im
Burgdorfer Gebiet ist dieses Gebäude aufgrund
seines Erhaltungszu-standes hervorzuheben.

BURGDORF/OTZE

Hinter dem unscheinbaren Namen des nördlich
von Burgdorf gegründeten Dorfes verbirgt sich
ein idyllischer Ort, dessen Gestalt von der jahr-
hundertealten Straßengabelung und kleinteili-
gen Gehöftstruktur, alter Bausubstanz und
zahlreichen innerörtlichen Wiesenflächen lebt.
1321 wurde Otze erstmals in Verbindung mit
Ländereien erwähnt, die das Hildesheimer
Michaeliskloster hier besaß. Kirchlich war es
Burgdorf unterstellt, genoss aber über lange
Zeit die Vorrechte des Freiengerichts der alten
Grafschaft „Über dem Moor“, obwohl es nach
der Hildesheimer Kleinen Stiftsfehde 1433 end-
gültig an die Welfen bzw. an das welfische Amt
Burgdorf überging - das Freiengericht ist den-
noch bis in das 18.Jh. hinein belegt. Wie
Burgdorf, so hatte daher auch Otze den Wirren
zu trotzen, die im Zuge kriegerischer Ausein-
andersetzungen zur Zerstörung zahlreicher
Dörfer führten; auch Otze blieb von diesen
Schreckensereignissen nicht verschont.
Weniger verheerend fielen allerdings die
Zerstörungen während des Dreißigjährigen
Krieges aus, obgleich es Jahre dauerte, bis sich
das Dorf nachweislich erholt hatte - die seit
dem Spätmittelalter immer wieder bestätigte
Anzahl von 32 Höfen im Ort (28 Halbhöfe, vier


Otze, Kapellenweg, Kapelle, Außenbau


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