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Krumm, Carolin [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 13,2): Region Hannover: nördlicher und östlicher Teil; mit den Städten Burgdorf, Garbsen, Langenhagen, Lehrte, Neustadt a. Rbge., Sehnde, Wunstorf und den Gemeinden Burgwedel, Isernhagen, Uetze und Wedemark — Hameln, 2005

DOI Page / Citation link: 
https://doi.org/10.11588/diglit.44258#0227
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Farster Bauerschaft, Hauptstraße 28, Wohnwirtschaftsgebäude von „1775”



breitert. Seit 1708 (Bauinschrift am Sturzholz)
eröffnet die überkommene Scheune, ein Wand-
ständerbau mit Längsdurchfahrt in Unterrähm-
konstruktion (nach Aussage historischer Foto-
grafien besaß ursprünglich jeder Ständer paar-
weise angebrachte Kopfbänder, wenige blieben
bis heute erhalten) den vorgelagerten Wirt-
schaftshof, während das rückseitig aufgehen-
de, allseitig holzverkleidete Backhaus vielleicht
noch dem späten 17.Jh. zuzuweisen sein wird;
dafür plädiert insbesondere seine Anker-
balken- (durchgezapft)/Hochrähmkonstruktion
mit den altertümlich gerundeten Zapfenendun-
gen.
Gegen Ende des 18.Jh. zeigen sich die Hallen-
häuser ähnlich den Parallelen im Garbsener
Raum schlicht, auf den holzausgefachten, stark
gegliederten Scheingeschossgiebel wird ver-
zichtet. Als typisches Detail gilt, wie beim heuti-
gen Dreiständerbau mit einseitiger Kübbung Nr.
28 von „1775“, der durch Veränderung und
Erweiterung eines Zweiständerhauses von
1603 (d) entstanden ist oder dem Vierständer-
hallenhaus der fast in einem Zuge bebauten
Kötnerstelle Nr. 16/16A („1786") zu erkennen,
die flache holzausgefachte Zone unmittelbar
über dem Dielentor und unterhalb des nunmehr
gerasterten Giebels - ein Rudiment der her-
kömmlichen Scheingeschosse. Als auffallend
altertümliche Details sind allerdings die Abzim-
merung des Kammerfachs beim Hallenhaus Nr.
28 (Ständerbauweise mit aufgekämmten De-
ckenbalken) und die paarweise angeordneten
Kopfwinkelhölzer am Kötnerhaus Nr. 16/16A
einzuordnen, deren Laufzeit in der Regel in der
1. Hälfte des 18.Jh. endet; folgerichtig fehlen
sie auf älteren Fotografien des Hallenhauses
und geben sich somit als eine moderne „histo-
risierende" Zutat zu erkennen. Ungefähr zur
gleichen Zeit entstanden der vorgelagerte
Stalltrakt in Unterrähmkonstruktion („1787", laut
Bauinschrift „1851" umgebaut), der - 1989
abgebrannt - noch im gleichen Jahr unter Ver-
wendung alter Hölzer in allerdings variiertem
Gefüge wiederaufgebaut wurde, und das 1 1/2-
geschossige Backhaus am hinteren Rand der
Hofparzelle („1778"). Ähnlich dem vorgelager-
ten zweigeschossigen Speicherbau in Ständer-
bauweise hat es durch den Ausbau zum Wohn-
raum und die dichte Durchfensterung unüber-
sehbare optische Beeinträchtigungen hinneh-
men müssen.
Wie nach der oben aufgestellten Bauabfolge
ersichtlich, ist das Zweiständerhallenhaus Nr.
27 keiner der dargelegten Entwicklungsstufen
zuzuordnen. Vielmehr gibt sich der Wirtschafts-
giebel als eine Konstruktion zu erkennen, die im
nördlichen Bereich des Landkreises bzw. in der
Wedemark in der 1. Hälfte des 19.Jh. zur An-
wendung kam. Tatsächlich stammt das im Kern
vielleicht noch in die Zeit um 1800 zurückdatie-
rende Hallenhaus (vgl. Abzimmerung des
Kammerfaches; Jahreszahl „1834" angebl.
überliefert) aus Großburgwedel und wurde um
1983 auf der zu historischen Zeiten unbebauten
Seite der Hauptstraße wieder aufgerichtet.
Dabei verlor es seine alte Raseneisensteinaus-
fachung, behielt aber trotz des Umbaus seinen
baulich schlichten Gesamteindruck überzeu-
gend bei.

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