in Lehrte bereits in das Jahr 1874 zurück - erst
Jahre später führte man die technischen
Hilfsbauten, von denen aus die Einstellung der
Weichen über Seilzüge erfolgte, in Hannover
ein. Nach elf, von der Öffentlichkeit überaus kri-
tisch verfolgten Abrissen in jüngster Vergan-
genheit blieb von ehemals 16 Stellwerken nur
noch das Stellwerk Lpf (Abkürzung für „Lehrte
Personenbahnhof Fahrdienstleiter”) als Schau-
werk erhalten, das sich unmittelbar im Blickfeld
des Inselbahnhofes erhebt. Das lang gestreck-
te, frontseitig durch eine Bogenstellung aufge-
wertete Ziegelgebäude der Zeit um 1896 mit
verkleidetem Fachwerkoberstock birgt in sei-
nem Obergeschoss noch die komplette me-
chanische Ausstattung. Verschwunden ist auch
die Bahntrasse nach Hildesheim, die fast 140
Jahre lang Lehrter Stadtgebiet durchquerte;
heute wird sie von einer modernen Umfahrung
ersetzt. Den historischen Bahnhof ergänzen
das massive Gebäude Nr. 48 und der heute
dicht übergrünte Bunker Nr. 50.
Mit der Geschichte des Bahnhofes eng verbun-
den ist die Entwicklung Richtersdorfs, wie
man den Standort im nördlichen Gleisdreieck
nannte. Hier befanden sich einst die Wartungs-
gebäude, Putzhallen, die Lokhallen als auch die
Bekohlungs-, Entschlackungs- und Wasserver-
sorgungsanlagen für die heute nostalgisch
anmutenden Dampflokomotiven. An diesen be-
triebsamen Ort wurde nach 1918 zwischen
zwei rechteckigen Teichanlagen das Ehrenmal
für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges plat-
ziert, ein beschrifteter Felsen auf einem aus
Wacken und Felsbrocken geschichteten Unter-
bau. Aus der Zeit der viel beschäftigten Um-
ladebühne (für Stückgutverkehr) berichtet hin-
gegen ein unauffälliges Baudenkmal wenige
Meter weiter östlich; hierbei handelt es sich um
einen sog. Spitzbunker, Anfang November
1940 fertig gestellt. Tatsächlich wurde der
Lehrter Bahnhof 1944/45 mehrfach Ziel von
Luftangriffen, denen der Spitzbunker unbe-
schadet standhielt; später lagerte man in dem
funktionslos gewordenen Schutzbau Kohlen
ein.
Die Industrieanlagen an der Bahntrasse nach
Braunschweig
Die zweite vom Lehrter Bahnhof abzweigende
Bahntrasse der Strecke Hannover-Braun-
schweig lockte schon bald einige Großfabriken
in ihre Nähe, die vom Gleisanschluss unmittel-
bar profitierten. Da hier noch großflächig Bau-
land zur Verfügung stand, traten in jüngerer
Vergangenheit zahlreiche Kommunalbauten
hinzu (Amtsgericht, Schulen, Hallenbad, Kran-
kenhaus etc.), die letztlich auch die Entwicklung
dieses Stadtviertels zum modernen Einkaufs-
zentrum Lehrtes entscheidend mittrugen. Die
1883 gegründete, unmittelbar an der Bahn-
trasse gelegene Aktien-Zuckerfabrik (seit 1986
„Hannover Zucker AG Lehrte”) gehört zu den
ältesten Industrien der Stadt und produzierte
Zucker aus der so genannten Beta-Rübe. Von
den historischen Betriebsanlagen hat heute
jedoch nur noch der einstige Wasserturm der
Fabrik Denkmalqualität (Germaniastr. 22), der
aufgrund seiner enormen Höhe den Ausblick
Lehrte, Empfangsgebäude, erb. 1844, Architekt F. Schwarz
Lehrte, Bahnhof, Bahnsteigüberdachung
289
Jahre später führte man die technischen
Hilfsbauten, von denen aus die Einstellung der
Weichen über Seilzüge erfolgte, in Hannover
ein. Nach elf, von der Öffentlichkeit überaus kri-
tisch verfolgten Abrissen in jüngster Vergan-
genheit blieb von ehemals 16 Stellwerken nur
noch das Stellwerk Lpf (Abkürzung für „Lehrte
Personenbahnhof Fahrdienstleiter”) als Schau-
werk erhalten, das sich unmittelbar im Blickfeld
des Inselbahnhofes erhebt. Das lang gestreck-
te, frontseitig durch eine Bogenstellung aufge-
wertete Ziegelgebäude der Zeit um 1896 mit
verkleidetem Fachwerkoberstock birgt in sei-
nem Obergeschoss noch die komplette me-
chanische Ausstattung. Verschwunden ist auch
die Bahntrasse nach Hildesheim, die fast 140
Jahre lang Lehrter Stadtgebiet durchquerte;
heute wird sie von einer modernen Umfahrung
ersetzt. Den historischen Bahnhof ergänzen
das massive Gebäude Nr. 48 und der heute
dicht übergrünte Bunker Nr. 50.
Mit der Geschichte des Bahnhofes eng verbun-
den ist die Entwicklung Richtersdorfs, wie
man den Standort im nördlichen Gleisdreieck
nannte. Hier befanden sich einst die Wartungs-
gebäude, Putzhallen, die Lokhallen als auch die
Bekohlungs-, Entschlackungs- und Wasserver-
sorgungsanlagen für die heute nostalgisch
anmutenden Dampflokomotiven. An diesen be-
triebsamen Ort wurde nach 1918 zwischen
zwei rechteckigen Teichanlagen das Ehrenmal
für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges plat-
ziert, ein beschrifteter Felsen auf einem aus
Wacken und Felsbrocken geschichteten Unter-
bau. Aus der Zeit der viel beschäftigten Um-
ladebühne (für Stückgutverkehr) berichtet hin-
gegen ein unauffälliges Baudenkmal wenige
Meter weiter östlich; hierbei handelt es sich um
einen sog. Spitzbunker, Anfang November
1940 fertig gestellt. Tatsächlich wurde der
Lehrter Bahnhof 1944/45 mehrfach Ziel von
Luftangriffen, denen der Spitzbunker unbe-
schadet standhielt; später lagerte man in dem
funktionslos gewordenen Schutzbau Kohlen
ein.
Die Industrieanlagen an der Bahntrasse nach
Braunschweig
Die zweite vom Lehrter Bahnhof abzweigende
Bahntrasse der Strecke Hannover-Braun-
schweig lockte schon bald einige Großfabriken
in ihre Nähe, die vom Gleisanschluss unmittel-
bar profitierten. Da hier noch großflächig Bau-
land zur Verfügung stand, traten in jüngerer
Vergangenheit zahlreiche Kommunalbauten
hinzu (Amtsgericht, Schulen, Hallenbad, Kran-
kenhaus etc.), die letztlich auch die Entwicklung
dieses Stadtviertels zum modernen Einkaufs-
zentrum Lehrtes entscheidend mittrugen. Die
1883 gegründete, unmittelbar an der Bahn-
trasse gelegene Aktien-Zuckerfabrik (seit 1986
„Hannover Zucker AG Lehrte”) gehört zu den
ältesten Industrien der Stadt und produzierte
Zucker aus der so genannten Beta-Rübe. Von
den historischen Betriebsanlagen hat heute
jedoch nur noch der einstige Wasserturm der
Fabrik Denkmalqualität (Germaniastr. 22), der
aufgrund seiner enormen Höhe den Ausblick
Lehrte, Empfangsgebäude, erb. 1844, Architekt F. Schwarz
Lehrte, Bahnhof, Bahnsteigüberdachung
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