von seinen zahlreichen kleineren Industrienie-
derlassungen und produzierenden Betrieben
und der nach wie vor florierenden Sektkellerei.
Entwicklung des Stadtgrundrisses
Die hochmittelalterliche Stadt erstreckte sich in
nordsüdlicher Richtung auf einem Gelände-
rücken unmittelbar entlang der Leine und bilde-
te die Form eines nach Westen ausbauchenden
Rechtecks aus, dessen südlichsten Rand die
Liebfrauenkirche bezeichnete. Ein exzentrisch
gelagertes Straßenkreuz erschloss die Stadt
und führte zu dem Lauentor (M. Merian 1652:
„Lawen Thor”, wohl Löwentor) und Leintor im
Westen bzw. Osten als auch zum Steintor und
St. Nicolai-Tor im Süden bzw. Norden. Als
Hauptmarkt- und Hauptdurchgangsstraße fun-
gierte damals die Mittelstraße als nördlicher Ast
des Kreuzes, die im Süden in den fast quadra-
tischen Markt- und Kirchplatz einmündete, der
wiederum nahe der alten Veste lag. Erst als
man im 16.Jh. zum Ausbau der Stadt zur
Festung schritt und die Tore im Norden und
Süden schloss, übernahm die ostwestverlau-
fende Marktstraße die Funktion der Mittelstra-
Neustadt a. Rbge., Königl.-Preuss.-Landes-Aufnahme 1897, Ausschnitt (Landesvermessung und Geobasisinfor-
mation Niedersachsen)
ße. Nachdem vier Brände die Stadt in der
Folgezeit immer wieder in Schutt und Asche
legten, schritt man im Jahr 1727 zur Neu-
strukturierung des über Jahrhunderte unverän-
derten Straßensystems und verbreiterte vor
allem die Straßenfluchten. Aus dieser Zeit des
planstädtischen Wiederaufbaus stammt das
noch heute erhaltene Orthogonalsystem aus
drei längsverlaufenden Parallelstraßen und
kreuzenden, kürzeren Querachsen. Gleichzeitig
wurde mit fünf Einzelgebäuden vor dem Lauen-
oder Löwentor der Anfang zu einer kleinen
Vorstadt gemacht, die sich allerdings bis 1800
nur unwesentlich vergrößerte. Ein deutlicher
Flächenzuwachs ist erst für das fortgeschrittene
19.Jh. zu registrieren, als man den Stadtausbau
in Richtung der nordsüdverlaufenden Eisen-
bahntrasse verlagerte; sie markierte bis in die
Nachkriegszeit hinein die Westgrenze der auch
nach Norden deutlich angewachsenen Stadt.
Erst in den 1950er Jahren entstanden schließ-
lich die streng geordneten Ein- und Mehrfami-
liensiedlungen westlich der Bahn, die heute ein
klares orthogonales Straßensystem beidseitig
der Landwehr ausbilden und fast an den Rand
des Bürgermoores angrenzen, während sich
die jüngsten Einfamilienhaussiedlungen auf den
westlichen Rand des historischen Amtsgartens,
die sog. Leutnantswiese, und die moderne
Nordweststadt konzentrieren.
Landwehr, Renaissancefestung und Festung
Landestrost
Die Lage Neustadts unmittelbar parallel und
leicht erhöht zur Leineniederung ermöglichte
es, die Stadt nur an der flussabgelegenen Seite
mit Befestigungssystemen zu sichern, deren
Verlauf durch die leichte Senke eines vertorften
Leinebettes vorgezeichnet schien. Vermutlich
wurde hier ab 1392 eine sog. Landwehr ange-
legt, die aus einem äußeren Graben und einem
inneren palisadenverstärkten Wall bestand; den
Neustadt a. Rbge., Schloss Landestrost, Blick von Nordwesten auf den Treppenturm
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