Das nördliche Altstadtgebiet
Gegen Norden setzt sich die modern überpräg-
te Mittelstraße als ursprüngliche Hauptver-
kehrsachse und alte Marktstraße fort, an der
noch bis in die fünfziger Jahre hinein die im
Bautyp eines einfachen Ackerbürgerhauses
errichtete jüdische Synagoge stand. Die heute
in die Fußgängerzone einbezogene Gasse wird
in ihrem vorderen Abschnitt von zwei giebel-
ständigen Wohnbauten unter Krüppelwalm-
dach dominiert: Während das als Apotheke
errichtete Gebäude Mittelstraße 2 das in gleich-
mäßig quadratischen Gefachen bündig abge-
zimmerte Fachwerk des Jahres 1834 zeigt,
wurde dem benachbarten Gebäude Nr. 1 im
späten 19.Jh. eine zeittypische, historistische
Backsteinfassade vorgelegt. Vermutlich wurde
auch das stockig abgezimmerte zweigeschos-
sige Fachwerkhaus Mittelstraße 26/27 als klein-
städtisch inspiriertes Wohnhaus errichtet, wie
seine achtachsige Fassade nahe legt; das drei
Baukörper in sich vereinigende Wohnhaus ent-
stand nach seiner Fassadenausprägung wohl
um 1830/40, während mit dem benachbarten
Neustadt a. Rbge., Mittelstraße 20, ehern. Ackerbürgerhaus
eingeschossigen Fachwerkbau Nr. 28 ein
Beispiel eines traufständigen Querdielenhauses
mit axial ausgerichtetem, breit lagerndem
Zwerchhaus erhalten blieb (frühes 19.Jh.).
Dennoch belegt das ausgesprochen schmale
Fachwerkgebäude mit seitlicher Dielenabtren-
nung Mittelstraße 29 (um 1700), dass die im
vorderen Abschnitt von stattlichen Wohnhäu-
sern kleinstädtisch geprägte Mittelstraße auch
etliche einfache Ackerbürgerhäuser begleiteten,
von denen jedoch nur wenige erhalten blieben.
Neben dem 1982 sanierten und neu aufgerich-
teten Vierständerhaus Nr. 23 („1778”) zeugen
hiervon noch das wohl in das späte 18.Jh.
datierende Dreiständerkübbungshaus Nr. 20
und das 1983 vollständig entkernte Ackerbür-
gerhaus Nr. 17 (dat. „1716” und „1729”).
Moderne Bauprinzipien sind dementgegen dem
als Mehrfamilienwohnhaus errichteten Eckge-
bäude Nr. 15 zu Eigen, das aus der Feder des
Architekten Wickboldt (1932) stammt. Der
einen reizvollen Kontrast zu den konkav aus-
schwingenden Erkern markierende, mit glasier-
ten Ziegeln ausgelegte einschwingende Haus-
eingang nimmt dabei schon Stilelemente der
fünfziger Jahre vorweg.
Ein der Mittelstraße in etwa vergleichbares
Straßenbild zeichnen auch die durch den histo-
rischen Verlauf der Apothekengasse verbun-
denen Straßenzüge der Lein- und Windmühlen-
straße aus, die zur Mittelstraße parallel verlau-
fen. Beide schon im frühneuzeitlichen Straßen-
gefüge nachgewiesenen Achsen wurden im frü-
hen 20.Jh. über die Grenze des damals noch
einige Meter hohen Walles hinaus verlängert,
den die damals fast unbebaute Gasse Am Wall
begleitete; die letzten Wallaufschüttungen die-
ses nördlichen Abschnittes wurden erst 1951
eingeebnet. Seit 1911 führte allerdings die
(heute aufgegebene) Verlängerung der Wind-
mühlenstraße als regelrechter Walldurchbruch
zur damaligen Gartenstraße, der heutigen
Theodor-Heuss-Straße, hinaus, an der eine der
ersten Vorstädte Neustadts entstand, die auch
die nördliche Verlängerung und Bebauung der
Leinstraße mit einbezog.
Neustadt a. Rbge., Mittelstraße 17, ehern. Ackerbürgerhaus, „1716" u. „1729"
332
Gegen Norden setzt sich die modern überpräg-
te Mittelstraße als ursprüngliche Hauptver-
kehrsachse und alte Marktstraße fort, an der
noch bis in die fünfziger Jahre hinein die im
Bautyp eines einfachen Ackerbürgerhauses
errichtete jüdische Synagoge stand. Die heute
in die Fußgängerzone einbezogene Gasse wird
in ihrem vorderen Abschnitt von zwei giebel-
ständigen Wohnbauten unter Krüppelwalm-
dach dominiert: Während das als Apotheke
errichtete Gebäude Mittelstraße 2 das in gleich-
mäßig quadratischen Gefachen bündig abge-
zimmerte Fachwerk des Jahres 1834 zeigt,
wurde dem benachbarten Gebäude Nr. 1 im
späten 19.Jh. eine zeittypische, historistische
Backsteinfassade vorgelegt. Vermutlich wurde
auch das stockig abgezimmerte zweigeschos-
sige Fachwerkhaus Mittelstraße 26/27 als klein-
städtisch inspiriertes Wohnhaus errichtet, wie
seine achtachsige Fassade nahe legt; das drei
Baukörper in sich vereinigende Wohnhaus ent-
stand nach seiner Fassadenausprägung wohl
um 1830/40, während mit dem benachbarten
Neustadt a. Rbge., Mittelstraße 20, ehern. Ackerbürgerhaus
eingeschossigen Fachwerkbau Nr. 28 ein
Beispiel eines traufständigen Querdielenhauses
mit axial ausgerichtetem, breit lagerndem
Zwerchhaus erhalten blieb (frühes 19.Jh.).
Dennoch belegt das ausgesprochen schmale
Fachwerkgebäude mit seitlicher Dielenabtren-
nung Mittelstraße 29 (um 1700), dass die im
vorderen Abschnitt von stattlichen Wohnhäu-
sern kleinstädtisch geprägte Mittelstraße auch
etliche einfache Ackerbürgerhäuser begleiteten,
von denen jedoch nur wenige erhalten blieben.
Neben dem 1982 sanierten und neu aufgerich-
teten Vierständerhaus Nr. 23 („1778”) zeugen
hiervon noch das wohl in das späte 18.Jh.
datierende Dreiständerkübbungshaus Nr. 20
und das 1983 vollständig entkernte Ackerbür-
gerhaus Nr. 17 (dat. „1716” und „1729”).
Moderne Bauprinzipien sind dementgegen dem
als Mehrfamilienwohnhaus errichteten Eckge-
bäude Nr. 15 zu Eigen, das aus der Feder des
Architekten Wickboldt (1932) stammt. Der
einen reizvollen Kontrast zu den konkav aus-
schwingenden Erkern markierende, mit glasier-
ten Ziegeln ausgelegte einschwingende Haus-
eingang nimmt dabei schon Stilelemente der
fünfziger Jahre vorweg.
Ein der Mittelstraße in etwa vergleichbares
Straßenbild zeichnen auch die durch den histo-
rischen Verlauf der Apothekengasse verbun-
denen Straßenzüge der Lein- und Windmühlen-
straße aus, die zur Mittelstraße parallel verlau-
fen. Beide schon im frühneuzeitlichen Straßen-
gefüge nachgewiesenen Achsen wurden im frü-
hen 20.Jh. über die Grenze des damals noch
einige Meter hohen Walles hinaus verlängert,
den die damals fast unbebaute Gasse Am Wall
begleitete; die letzten Wallaufschüttungen die-
ses nördlichen Abschnittes wurden erst 1951
eingeebnet. Seit 1911 führte allerdings die
(heute aufgegebene) Verlängerung der Wind-
mühlenstraße als regelrechter Walldurchbruch
zur damaligen Gartenstraße, der heutigen
Theodor-Heuss-Straße, hinaus, an der eine der
ersten Vorstädte Neustadts entstand, die auch
die nördliche Verlängerung und Bebauung der
Leinstraße mit einbezog.
Neustadt a. Rbge., Mittelstraße 17, ehern. Ackerbürgerhaus, „1716" u. „1729"
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