In unmittelbarer Umgebung des Landschlosses
wurden um 1800 der kleine Wandständerbau
des Feuerwehrgerätehauses (Leinechaussee
27) und eine Krugwirtschaft (Nr. 5/7) errichtet,
die auf der Fläche eines alten Obst- und
Grasgartens entstand. Das zwischen zwei
Straßenzügen vermittelnde Gebäude zeigt
einen quer gestellten zweigeschossigen Wohn-
trakt vor Kopf eines eingeschossigen Wirt-
schaftsteils, dessen in der oberen Hälfte holz-
verschalter Steilgiebel über karniesbogig profi-
lierten Knaggen und Füllhölzern deutlich vor-
kragt („1806“).
WUNSTORF/BOKELOH
Das etwa drei Kilometer südwestlich der
Wunstorfer Altstadt nahe des Tienbergs gele-
gene Straßendorf Bokeloh entstand aus einer
hochmittelalterlichen Dorfsiedlung, die sich um
eine als Wasserburg angelegte Veste zog, die
das sichere Terrain zwischen den Läufen der
Westaue im Norden und des Seegrabens im
Süden zum Vorteil nutzte.
Diese vom Bischof von Minden zum Schutz
gegen die Grafen von Wunstorf um 1300 ein-
gerichtete, 1317 als „Castro Boklo" urkundlich
belegte Burgstelle diente den Grafen von
Schaumburg als bischöfliche Lehensnehmer
als Wohnsitz und den nachfolgenden Welfen als
Amtshof, von dem aus das Amt Bokeloh mit-
samt den Ortschaften Mesmerode, Idensen
und zeitweilig auch Klein Heidorn verwaltet
wurde. Von 1444 bis 1884 hatte das Amt in die-
ser Form bestanden, obgleich es nur bis 1819
selbstständiger Amtssitz, danach mit dem Amt
Blumenau vereinigt war; nach 1884 wurde es
dem Landkreis Neustadt zugeschlagen.
Wirtschaftlich blieb das entlang der Alten
Dorfstraße sich entwickelnde Dorf immer unbe-
deutend; 1639 wurden acht Halbmeier, 15
Großkötner und elf Brinksitzer aufgeführt, 1782
immerhin 51 Feuerstellen kartiert und 1880 von
120 Haushaltungen ein Viertel als steuerfrei
erklärt, da sich diese am Existenzminimum
befanden; ein Großteil der Bewohnerschaft
suchte daher einen Nebenerwerb in der
Leineweberei in Heimarbeit. Erst mit dem Bau
des Kalibergwerks Sigmundshall (1898-1905)
am Fuße des Tienbergs und der Erschließung
Bokelohs durch die Steinhuder-Meer-Bahn
bzw. den Bau einer vollspurigen Werksabzwei-
gung (1905) ist ein gewisser Aufschwung und
damit eine deutliche Bevölkerungszunahme zu
registrieren, die sich in einem planmäßigen
Ausbau der Ortschaft niederschlug. Insbeson-
dere im Areal zwischen Mesmeroder-/Schaum-
burger Straße und dem nördlich gelegenen
Schienenkörper entstand ein breit angelegtes
Wohnareal, das durch den verstärkt vorange-
triebenen modernen Siedlungsausbau mittler-
weile die 1928 eingemeindete Ortschaft
Kronsbostel mit einbezieht. Noch heute lebt
Bokeloh vom Kalisalzabbau, dessen Transport
allerdings vorwiegend über den Mittellandkanal
erfolgt.
Auf der Fläche der bischöflichen, von Wasser-
gräben umhegten Niederungsburg wurde ver-
Bokeloh, Kurhannoversche Landesaufnahme, aufgen. 1782, Ausschnitt (Landesvermessung und Geobasisinfor-
mation Niedersachsen)
Bokeloh, Schloßstraße 22, ehern. Amtshaus
Bokeloh, Schloßstraße 23, ehern. Gefängnis
551
wurden um 1800 der kleine Wandständerbau
des Feuerwehrgerätehauses (Leinechaussee
27) und eine Krugwirtschaft (Nr. 5/7) errichtet,
die auf der Fläche eines alten Obst- und
Grasgartens entstand. Das zwischen zwei
Straßenzügen vermittelnde Gebäude zeigt
einen quer gestellten zweigeschossigen Wohn-
trakt vor Kopf eines eingeschossigen Wirt-
schaftsteils, dessen in der oberen Hälfte holz-
verschalter Steilgiebel über karniesbogig profi-
lierten Knaggen und Füllhölzern deutlich vor-
kragt („1806“).
WUNSTORF/BOKELOH
Das etwa drei Kilometer südwestlich der
Wunstorfer Altstadt nahe des Tienbergs gele-
gene Straßendorf Bokeloh entstand aus einer
hochmittelalterlichen Dorfsiedlung, die sich um
eine als Wasserburg angelegte Veste zog, die
das sichere Terrain zwischen den Läufen der
Westaue im Norden und des Seegrabens im
Süden zum Vorteil nutzte.
Diese vom Bischof von Minden zum Schutz
gegen die Grafen von Wunstorf um 1300 ein-
gerichtete, 1317 als „Castro Boklo" urkundlich
belegte Burgstelle diente den Grafen von
Schaumburg als bischöfliche Lehensnehmer
als Wohnsitz und den nachfolgenden Welfen als
Amtshof, von dem aus das Amt Bokeloh mit-
samt den Ortschaften Mesmerode, Idensen
und zeitweilig auch Klein Heidorn verwaltet
wurde. Von 1444 bis 1884 hatte das Amt in die-
ser Form bestanden, obgleich es nur bis 1819
selbstständiger Amtssitz, danach mit dem Amt
Blumenau vereinigt war; nach 1884 wurde es
dem Landkreis Neustadt zugeschlagen.
Wirtschaftlich blieb das entlang der Alten
Dorfstraße sich entwickelnde Dorf immer unbe-
deutend; 1639 wurden acht Halbmeier, 15
Großkötner und elf Brinksitzer aufgeführt, 1782
immerhin 51 Feuerstellen kartiert und 1880 von
120 Haushaltungen ein Viertel als steuerfrei
erklärt, da sich diese am Existenzminimum
befanden; ein Großteil der Bewohnerschaft
suchte daher einen Nebenerwerb in der
Leineweberei in Heimarbeit. Erst mit dem Bau
des Kalibergwerks Sigmundshall (1898-1905)
am Fuße des Tienbergs und der Erschließung
Bokelohs durch die Steinhuder-Meer-Bahn
bzw. den Bau einer vollspurigen Werksabzwei-
gung (1905) ist ein gewisser Aufschwung und
damit eine deutliche Bevölkerungszunahme zu
registrieren, die sich in einem planmäßigen
Ausbau der Ortschaft niederschlug. Insbeson-
dere im Areal zwischen Mesmeroder-/Schaum-
burger Straße und dem nördlich gelegenen
Schienenkörper entstand ein breit angelegtes
Wohnareal, das durch den verstärkt vorange-
triebenen modernen Siedlungsausbau mittler-
weile die 1928 eingemeindete Ortschaft
Kronsbostel mit einbezieht. Noch heute lebt
Bokeloh vom Kalisalzabbau, dessen Transport
allerdings vorwiegend über den Mittellandkanal
erfolgt.
Auf der Fläche der bischöflichen, von Wasser-
gräben umhegten Niederungsburg wurde ver-
Bokeloh, Kurhannoversche Landesaufnahme, aufgen. 1782, Ausschnitt (Landesvermessung und Geobasisinfor-
mation Niedersachsen)
Bokeloh, Schloßstraße 22, ehern. Amtshaus
Bokeloh, Schloßstraße 23, ehern. Gefängnis
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