Hildesheim, Hohnsen 8 Hildesheim, Hohnsen 36
Planer aus, diesmal allerdings unter Mitwirkung
des Direktors der Schule, Hein. Die Errichtung
der Königlichen Baugewerkschule wurde per
Staatsvertrag im Jahre 1899 beschlossen und
die Fertigstellung des dreigeschossigen Gebäu-
des für 1901 in Aussicht gestellt. Mit dem Bau
der Fachschule folgte man einer seit 1831 mit
der Gründung der ersten Baugewerkschule in
Holzminden einsetzenden traditionellen Ent-
wicklung. Bis zum Ersten Weltkrieg betrug die
Zahl bereits 67 Schulen. Diese dienten der
spezielleren Ausbildung der unterschiedlichen
Handwerksberufe, vor allem in bautechnischer
und künstlerischer Hinsicht. Im Äußeren reprä-
sentativ angelegt, waren die Gebäude meist
auch im Inneren mit großzügigen Hauptfluren
und Treppenanlagen versehen.
Der repräsentative Hauptflügel, Hohnsen 2, ist
mit seinem aufwändig gestalteten und den
Eingang betonenden Mittelrisalit zur Straßen-
seite Hohnsen ausgerichtet. Vorgezogene
Seitenrisalite schließen den Hauptflügel nach
Norden und Süden ab. Östlich ergänzt ein
rechtwinkliger Mittelflügel mit anschließendem
kurzem Hinterflügel das Gebäude. Funktionale
Gründe machten im Laufe der Zeit weitere An-
bauten nötig. Vom südlicher gelegenen Bür-
gerschulgebäude setzt sich im Material die
Baugewerkschule deutlich ab, bei der statt des
roten Backsteines ein gelber Ziegel Verwen-
dung fand. Aufgelockert wird die massiv wir-
kende Kubatur des Gebäudes horizontal durch
umlaufende Zierbänder und die sich nach oben
dynamisch steigernden Fensterreihen mit
entsprechenden Säulen an den Seitenrisaliten.
Die Hauptfassade zur Straße wird weitestge-
hend durch das rustikal wirkende Sandstein-
quadermauerwerk im Erdgeschoss und die der
Romanik entlehnten Fensterformen geprägt,
gleiches gilt auch für die Nordfassade des
Hofflügels. Über dem ornamental umlaufenden,
verzierten Gesimsband springt das zweite
Obergeschoss an den repräsentativen Fassa-
denfluchten leicht zurück.
Charakteristisch und ausdrucksstark sind im
Inneren die kreuzrippengewölbten Flure mit
starken seitlichen Bündelpfeilern. Ihre hier
aufgestellten Schaukästen unterstreichen den
Bildungsauftrag der Schule und assoziieren ihr
neues Selbstverständnis. Zeittypisch ist auch
die Ausstattung der Aula. Der hohe, lichtdurch-
flutete Raum ist von einertonnengewölbten, mit
Ornamenten bemalten Holzdecke überspannt.
Interessantes Detail sind die strebepfeilerähn-
lichen Wandvorlagen mit ihren Löwenmasken,
aus deren Mäulern die der statischen Sicherheit
dienenden Zugseile entspringen. Bei der Aus-
stattung legte man ebenso Wert auf Details wie
beim Bauschmuck, insgesamt achtete man
also auf ein stimmiges Gesamtkonzept. Dies
betrifft beispielsweise das verwandte Holz-
dekor, ebenso das Ziermauerwerk oder die
gesamte farbliche Gestaltung. Schaut man sich
den Längsschnitt durch das Gebäude in Rich-
tung der Hauptachse an, so entdeckt man eine
dynamische Steigerung der Architektur, die mit
der Aula ihren Höhepunkt findet. Der gesamte
Gebäudekomplex kann in Architektur und
Formenkanon als Ausdruck eines Bildungsideal
des ausgehenden 19. Jh. verstanden werden.
Das südlich der Stadt im 19. Jh. entstandene
Wohnviertel wird im Osten durch die Bahn, im
Norden durch den Kehrwiederwall und im
Westen durch den Dyes-Park und die Innerste
begrenzt. Heterogen in der Bebauung reflek-
tieren die dort entstandenen Villen die vielfälti-
gen Stilrichtungen der Architektur zum Ende
des 19. Jh. und Beginn des 20. Jh. Gleichzeitig
symbolisieren sie in einer Phase des wirtschaft-
lichen Aufschwunges Wohlstand und Ansehen
eines sich gleichzeitig entwickelnden Großbür-
gertums und werden somit zum Spiegelbild
ihrer Erbauer.
Dem zeitgenössischen Lebensgefühl des auf-
strebenden Bildungsbürgertums trägt die 1901
gegründete Aktiengesellschaft „Villenkolonie
Hildesheim“ mit ihren Einfamilienhäusern Rech-
nung, die vor allem bei der Bebauung am Fuße
des Galgenberges im Osten der Stadt als
Bauherrin in Erscheinung tritt. Für den sicherlich
als Mietshaus geplanten und errichteten
dreigeschossigen Wohnbau Hohnsen 8/Ecke
Struckmannstraße ist diese neu gegründete
Aktiengesellschaft ebenfalls als Bauherrin tätig.
Die Kubatur des verputzten Massivbaus ist an
den Straßenfassaden durch Balkone und Erker
aufgelockert, unter denen ein turmartiger Erker
hervorsticht. Stuckornamentik in Form männ-
licher Bildnisse und floralen Schmuckes modi-
fizieren den Baukörper des weiteren.
202
Planer aus, diesmal allerdings unter Mitwirkung
des Direktors der Schule, Hein. Die Errichtung
der Königlichen Baugewerkschule wurde per
Staatsvertrag im Jahre 1899 beschlossen und
die Fertigstellung des dreigeschossigen Gebäu-
des für 1901 in Aussicht gestellt. Mit dem Bau
der Fachschule folgte man einer seit 1831 mit
der Gründung der ersten Baugewerkschule in
Holzminden einsetzenden traditionellen Ent-
wicklung. Bis zum Ersten Weltkrieg betrug die
Zahl bereits 67 Schulen. Diese dienten der
spezielleren Ausbildung der unterschiedlichen
Handwerksberufe, vor allem in bautechnischer
und künstlerischer Hinsicht. Im Äußeren reprä-
sentativ angelegt, waren die Gebäude meist
auch im Inneren mit großzügigen Hauptfluren
und Treppenanlagen versehen.
Der repräsentative Hauptflügel, Hohnsen 2, ist
mit seinem aufwändig gestalteten und den
Eingang betonenden Mittelrisalit zur Straßen-
seite Hohnsen ausgerichtet. Vorgezogene
Seitenrisalite schließen den Hauptflügel nach
Norden und Süden ab. Östlich ergänzt ein
rechtwinkliger Mittelflügel mit anschließendem
kurzem Hinterflügel das Gebäude. Funktionale
Gründe machten im Laufe der Zeit weitere An-
bauten nötig. Vom südlicher gelegenen Bür-
gerschulgebäude setzt sich im Material die
Baugewerkschule deutlich ab, bei der statt des
roten Backsteines ein gelber Ziegel Verwen-
dung fand. Aufgelockert wird die massiv wir-
kende Kubatur des Gebäudes horizontal durch
umlaufende Zierbänder und die sich nach oben
dynamisch steigernden Fensterreihen mit
entsprechenden Säulen an den Seitenrisaliten.
Die Hauptfassade zur Straße wird weitestge-
hend durch das rustikal wirkende Sandstein-
quadermauerwerk im Erdgeschoss und die der
Romanik entlehnten Fensterformen geprägt,
gleiches gilt auch für die Nordfassade des
Hofflügels. Über dem ornamental umlaufenden,
verzierten Gesimsband springt das zweite
Obergeschoss an den repräsentativen Fassa-
denfluchten leicht zurück.
Charakteristisch und ausdrucksstark sind im
Inneren die kreuzrippengewölbten Flure mit
starken seitlichen Bündelpfeilern. Ihre hier
aufgestellten Schaukästen unterstreichen den
Bildungsauftrag der Schule und assoziieren ihr
neues Selbstverständnis. Zeittypisch ist auch
die Ausstattung der Aula. Der hohe, lichtdurch-
flutete Raum ist von einertonnengewölbten, mit
Ornamenten bemalten Holzdecke überspannt.
Interessantes Detail sind die strebepfeilerähn-
lichen Wandvorlagen mit ihren Löwenmasken,
aus deren Mäulern die der statischen Sicherheit
dienenden Zugseile entspringen. Bei der Aus-
stattung legte man ebenso Wert auf Details wie
beim Bauschmuck, insgesamt achtete man
also auf ein stimmiges Gesamtkonzept. Dies
betrifft beispielsweise das verwandte Holz-
dekor, ebenso das Ziermauerwerk oder die
gesamte farbliche Gestaltung. Schaut man sich
den Längsschnitt durch das Gebäude in Rich-
tung der Hauptachse an, so entdeckt man eine
dynamische Steigerung der Architektur, die mit
der Aula ihren Höhepunkt findet. Der gesamte
Gebäudekomplex kann in Architektur und
Formenkanon als Ausdruck eines Bildungsideal
des ausgehenden 19. Jh. verstanden werden.
Das südlich der Stadt im 19. Jh. entstandene
Wohnviertel wird im Osten durch die Bahn, im
Norden durch den Kehrwiederwall und im
Westen durch den Dyes-Park und die Innerste
begrenzt. Heterogen in der Bebauung reflek-
tieren die dort entstandenen Villen die vielfälti-
gen Stilrichtungen der Architektur zum Ende
des 19. Jh. und Beginn des 20. Jh. Gleichzeitig
symbolisieren sie in einer Phase des wirtschaft-
lichen Aufschwunges Wohlstand und Ansehen
eines sich gleichzeitig entwickelnden Großbür-
gertums und werden somit zum Spiegelbild
ihrer Erbauer.
Dem zeitgenössischen Lebensgefühl des auf-
strebenden Bildungsbürgertums trägt die 1901
gegründete Aktiengesellschaft „Villenkolonie
Hildesheim“ mit ihren Einfamilienhäusern Rech-
nung, die vor allem bei der Bebauung am Fuße
des Galgenberges im Osten der Stadt als
Bauherrin in Erscheinung tritt. Für den sicherlich
als Mietshaus geplanten und errichteten
dreigeschossigen Wohnbau Hohnsen 8/Ecke
Struckmannstraße ist diese neu gegründete
Aktiengesellschaft ebenfalls als Bauherrin tätig.
Die Kubatur des verputzten Massivbaus ist an
den Straßenfassaden durch Balkone und Erker
aufgelockert, unter denen ein turmartiger Erker
hervorsticht. Stuckornamentik in Form männ-
licher Bildnisse und floralen Schmuckes modi-
fizieren den Baukörper des weiteren.
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