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Twachtmann-Schlichter, Anke [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 14,1): Stadt Hildesheim: mit den Stadtteilen Achtum, Bavenstedt, Drispenstedt, Einum, Himmelsthür, Itzum, Marienburg, Marienrode, Neuhof, Ochtersum, Sorsum, Steuerwald und Uppen — Hameln, 2007

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https://doi.org/10.11588/diglit.44417#0242
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Hildesheim, Galgenbergstraße 2



Hildesheim, Galgenbergstraße 1, Wasserbehälter

betriebene Aufforstung Mitte des 19. Jh. beab-
sichtigte die Stadt ein Naherholungsgebiet in
Stadtnähe zu schaffen. Für dieses Gebiet wur-
de ein eigener Forstaufseher eingestellt. Konse-
quenterweise folgte in den Jahren 1864/65 der
Bau eines Forsthauses mit angegliedertem
Gastzimmer. Zudem wurde dem Forstaufseher,
als eine weitere Einnahmequelle der Ausschank
von Getränken gestattet. 1885 schloss das
Forsthaus; die Gaststätte, heute Galgenberg 2,
allerdings verblieb. In den nächsten Jahren er-
folgten bereits erste Erweiterungsbauten. Das
ehemalige Forsthaus entwickelte sich zu einem
beliebten Ausflugsziel. Auch technische Errun-
genschaften, wie beispielsweise der im Jahre
1906 erbaute Wasserturm und damit der An-
schluss an die städtische Wasserversorgung,
förderten diese Entwicklung ebenso wie der be-
reits 1878 gegründete „Verschönerungsverein“.
1894/95 entstanden die beiden historistisch
anmutenden, mit Zinnenkranz geschmückten
Wasserbehälter, Galgenberg 1. Es handelt sich
bei diesen um Erdhochbehälter mit zwei
nebeneinander liegenden, mit Erde überdeck-
ten Wasserreservoiren mit jeweils sechs über-
wölbten, massiv gemauerten Kammern. Die
Betriebsgebäude aus Naturstein sind in neogo-
tischer Formensprache gehalten.
Ende des 19. Jh. herrschte eine patriotische
Hochstimmung, die an ruhmreiche Epochen
der deutschen Geschichte erinnern wollte. Zu
ihr gehörte auch die Verehrung des ersten
Reichskanzlers, Otto von Bismarck. Es ent-
standen eine Vielzahl öffentlicher Denkmale. So
auch in Hildesheim der Bismarckturm auf dem
Galgenberg. Ein eigens zu diesem Zweck ge-
gründetes Komitee beschloss am 15. Januar
1902 einen Entwurf des bekannten Architekten
Wilhelm Kreis aus Blasewitz/Dresden anzu-
nehmen. Dieser zeichnete sich nicht nur als
Erbauer weiterer 50 Bismarcktürme aus, son-
dern wurde vor allem als Vertreter eines aufge-
klärten Historismus bekannt und als Architekt
des Völkerschlacht-Denkmals in Leipzig. Um
den Turm als Aussichtsturm nutzen zu können,
wurde ergänzend eine Aussichtsplattform dem
Entwurf hinzugefügt. 1902 konnte mit dem Bau
auf dem Galgenberg begonnen werden, 1905
erfolgte die Einweihung des 20 m hohen
Turmes.
Mit der Planung eines Naherholungsgebietes
am Galgenberg ist auch die Errichtung des
„Gelben Turmes“ Im Spitzhut zu sehen, auf
dem nordöstlich gelegenen Höhenzug des
Spitzhutes. Durch das verwendete Material,
den gelben Ziegel, erhielt er seinen Namen.
Neugotische, nach oben zahlenmäßig zuneh-
mende Fensteröffnungen geben dem Turm
seinen eigenen Charakter. Der Aussichtsturm
spiegelt die Naturverbundenheit um die Jahr-
hundertwende wider. Als die kostspielige Sa-
nierung des Turmes anstand und ein Abriss im
Jahre 1995 diskutiert wurde, entschloss man
sich zu einer Umnutzung als Sternwarte, indem
man 1999 den Turm aufstockte und mit einer
entsprechenden Kuppel versah.
Durch Verhandlungen zwischen der Stadt und
der im Jahre 1901 gegründeten „Villenkolonie

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