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Böker, Doris [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 19): Landkreis Cuxhaven — Braunschweig, 1997

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https://doi.org/10.11588/diglit.44259#0308

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sog. Hämme, unterteilt. Dagegen gliedert sich
die Flur der Randmoore am Übergang zur Geest,
die erst im 18./19.Jh. mit Einzelhöfen besiedelt
wurden, in lange Moorhufen mit einem dichten
Entwässerungssystem.

Für die verkehrsmäßige Erschließung der Oster-
stader Dörfer, die heute die Landesstraße 121
untereinander verbindet, sorgte der Chaussee-
bau des 19.Jh. Der Straßenbau zwischen Sand-
stedt und Hagen fand 1874 seinen Abschluß,
während die ab 1865 geplante Chaussee in
Nord-Süd-Richtung zwischen Wersabe und Neu-
enlande erst 1883 fertiggestellt wurde.

Als eine der frühesten Gründungen Osterstades
(Santsteti 1105 urkundlich genannt) nahm Sand-
stedt, bedingt durch die Verbindung zur gegenü-
berliegenden Hafenstadt Brake, einst den Rang
eines für die Marsch bedeutenden Marktortes ein
(1791 80 Feuerstellen). Gleichzeitig mit dem
Rückgang der Landwirtschaft nach 1945 ging die
Entwicklung zu einem Ferienort einher, die ent-
sprechenden baulichen Niederschlag fand, so
daß der ursprünglich geschlossene Grundriß des

Sandstedt, Marktstr. 1

Sandstedt, Kirche St. Johannes, Friedhof

Dorfes in Form eines rechtwinklig zum Deich an-
gelegten Rechtecks im Nordwesten und Süden
gesprengt wurde. Von den beiden Hauptachsen,
der Osterstader Straße und dem nördlich davon
parallel zum Sielfleth verlaufenden Straßenzug
Deichstrenge/Mühlenstraße, zweigen Nebenstra-
Ben nach Süden ab. Mehrere Wurtenreihen par-
allel zum Deich bis zur Linie des Süderortswegs
gehören zur ältesten Anlage.

Ev. Kirche St. Johannes

Auf einer Wurt an der östlichen Einmündung der
Marktstraße zur Osterstader Straße erhebt sich
die ev. Kirche inmitten des Friedhofs mit zahlrei-
chen kunsthistorisch wertvollen Grabmalen des
17., 18. und 19.Jh. (Marktstr. 2). Bereits zwi-
schen 1043 und 1059 war ein Bethaus als Toch-
terkirche von Bramstedt gegründet worden. Als
1420 der Deich zurückverlegt werden. mußte,
gab man die damalige, weiter westlich als heute
gelegene Kirche sowie einen Teil des Dorfes auf
und errichtete eine neue an der heutigen Stelle.
Bei dieser Gelegenheit wurden Wersabe, Wurth-
fleth und Rechtebe ausgepfarrt.





Unter Einbeziehung des spätgotischen Vorgän-
gerbaus wurde der bestehende Rechtecksaal
zwischen 1609 u. 1613 in Backstein aufge-
führt. Der gleichfalls 1613 vollendete, gedrunge-
ne Westturm zeigt im unteren Bereich Feldstein-
mauerwerk. Sein aufgrund eines Konstruktions-
fehlers leicht gewundener Helm bestimmt weithin
sichtbar das Landschaftsbild. Die Strebepfeiler
an Schiff und Turm sind eine Zutat des 18./19.Jh.
Auch die Korbbogenform der jeweils drei Fenster
an den Längsseiten ist nicht original. Der Nord-
seite ist ein sog. Brauthaus vorgelegt, in dem
sich die Hochzeitsgesellschaft vor einer Trauung
versammelte. In dem von einer Voutendecke ge-
schlossenen Inneren haben sich stark ergänzte
Wandmalereien aus dem Ende des 15.Jh. erhal-
ten (1938/39 freigelegt). Sie bilden an der Ost-
wand die Madonna und die Hl. Familie ab, an der
Nordwand Petrus und die Steinigung des HI. Ste-
phanus. Ältestes Ausstattungsstück ist eine Holz-
kanzel (dat. 1600, bez. Brun Jacubes) mit Sze-
nen aus dem Leben Christi an der Brüstung. Aus
dem Ende des 17.Jh. stammen das zweige-
schossige, von gedrehten Säulen flankierte Altar-
retabel mit Gemälden und die Orgelempore, de-
ren Felder biblische Motive schmücken. Die 1671
von B. Huß möglicherweise unter Mitwirkung sei-
nes Gesellen Arp Schnitger gebaute und 1680
renovierte Orgel wurde 1963 (Hauptwerk), 1974
(Pedal) und 1986 (Brustwerk) instand gesetzt.

Eine stattliche Hofanlage nimmt die weitläufige
Parzelle Östlich der Kirche ein (Osterstader
Str. 29). Neben einer Ziegelscheune (erb. um
1860) mit älterem Innengerüst sowie einem
Backhaus (erb. um 1880) fällt das gegen 1830
umgestaltete Wohnwirtschaftsgebäude durch
seinen weißgestrichenen Verputz auf. Bauhisto-
risches Interesse verdient hier die wohl in die
2. Hälfte des 17.Jh. zu datierende Zweiständer-
konstruktion der Diele.

Von der bäuerlichen Architektur Sandstedts ha-
ben sich aus dem 18.Jh. kaum noch Fachwerk-
bauten erhalten. Eine Ausnahme stellt der Wirt-
schaftsteil des Hallenhauses Deichstrenge 11
dar, dessen Zweiständerkonstruktion von 1761
samt der lehmgestampften Diele vollständig
überkommen ist (Wohnteil in Backstein 1947 auf-



w

Sandstedt, Friedhof, Grabmal, 1818



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