Vorwort
Der zweite in diesem Jahr von der Landesfachbehörde vorgelegte Topographieband
beinhaltet die Baudenkmale der Innenstadt Braunschweigs. Er ist damit einer Stadt ge-
widmet, die sich dem eiligen Betrachter als moderne Großstadt präsentiert und deren oft
weit auseinander oder einzeln liegenden Zeugnisse gebauter Geschichte zunächst mehr
den Eindruck nicht zeitgemäßer Überreste hervorrufen. Offensichtlich einer großen Ver-
gangenheit angehörend, liegen diese „Traditionsinseln“, die großartigen mittelalterli-
chen Sakralbauten und zahlreiche historische Profanbauten inmitten der neuen Architek-
tur, mit denen sich die Stadt, nach ihrer großflächigen Zerstörung während des Zweiten
Weltkrieges, ein neues Gesicht gab.
Denkmaltopographie ist die Dokumentation des Denkmalbestandes und dient der Be-
gründung der Denkmalausweisung. Es ist Aufgabe und Ziel der Denkmaltopographie,
den historisch-topographischen Zusammenhang und den architekturgeschichtlichen
Wert dieser Zeugnisse vor dem Hintergrund der Entwicklungsgeschichte der Stadt darzu-
stellen. Besonderes Gewicht erhält dies im Falle der Stadt Braunschweig vor allem im
Hinblick auf ihre heute noch ablesbaren Merkmale mittelalterlicher Stadtbaukunst, die
Zeugnisse einer Zeit sind, in der die noch junge Stadt in der voranschreitenden Entwick-
lung städtischer Lebensformen eine führende Rolle spielte.
Braunschweig, Residenz und wichtigste Stadtgründung Heinrichs des Löwen, war in mit-
telalterlicher Zeit jahrhundertelang die bedeutendste und größte Stadt auf dem Gebiet
des heutigen Niedersachsen. Im Schutze der Burg, dem welfischen Machtzentrum, und
im Schnittpunkt mehrerer wichtiger Handelsstraßen gelegen, konnte sich das mit großzü-
gigen Privilegien ausgestattete Gemeinwesen rasch entwickeln und sich überregionalen
Einfluß verschaffen. Weiträumiger Handel und ein blühendes Handwerk ließen ein selbst-
bewußtes, wohlhabendes Bürgertum entstehen, das sich im Laufe derzeit immerstärker
dem Einfluß des Landesherrn entziehen und sich fast bis zur Reichsfreiheit verselbstän-
digen konnte. Braunschweig war Mitglied der Hanse, seine Bevölkerungszahl stieg in der
Blütezeit zwischen dem 14. und 16. Jh. stetig an und die Stadt entwickelte sich mit seinen
um den Burgbereich herumgelegten fünfTeilstädten noch in mittelalterlicher Zeit zur ein-
zigen Großstadt im niedersächsischen Raum.
Auch nach der Rückgewinnung und Unterwerfung ihres alten Stammsitzes durch die
Welfen in der zweiten Hälfte des 17. Jh. und der damit verbundenen Beendigung der
bürgerlichen Autonomie, blieb Braunschweig ein bedeutendes politisches und wirt-
schaftliches Zentrum im norddeutschen Raum. Hinzu kam in dieser Zeit die wiederge-
wonnene Funktion als Residenz- und Verwaltungsstadt, die an einigen Stellen mit reprä-
sentativen neuen Bauten in das von bürgerlicher Fachwerkarchitektur getragene Stadt-
bild eingriff. Auch die nachfolgende Industrialisierung des 19. Jh., an der Braunschweig
lebhaften Anteil hatte, veränderte das Bild des mittelalterlichen Stadtkernes in einigen
Teilbereichen. Dennoch blieb Braunschweig bis 1944 ein nach Anlage und Struktur mit-
telalterlicher, großflächiger Stadtorganismus, dessen besonderer Charakter vor allem
von der großen Zahl seiner Fachwerkbauten und von dem bereits im 12. Jh. nach regel-
mäßigen Ordnungsprinzipien entwickelten Straßennetz bestimmt war. Besondere Be-
deutung im Stadtbild hatten die zahlreichen, architektonisch individuell gefaßten Plätze
sowie die Reihe der Pfarrkirchen in den einzelnen Stadtteilen, deren hohen Turmwerken
die Stadt auch heute noch ihre unverwechselbare Silhouette verdankt.
Die vorliegende Darstellung unternimmt den Versuch, die Vielfalt eines über Jahrhun-
derte gewachsenen Stadtkomplexes am Beispiel seiner aus der Geschichte überkom-
menen Bauten und städtebaulichen Strukturen nachzuzeichnen und so die auf sie ange-
wandten Kriterien des Niedersächsischen Denkmalschutzgesetzes zu erläutern. Dies
geschieht in einer sich ergänzenden Darstellungsweise aus beschreibend analysieren-
dem Text, Abbildungen und einer kartographischen Darstellung, in der die Baudenkmale
in ihrer stadträumlichen Position gekennzeichnet sind.
Dem überwiegend hohen architekturhistorischen Rang der in der Braunschweiger Innen-
stadt noch erhaltenen Baudenkmale wird im vorliegenden Band durch eine ausführlichere
Darstellung in Text und Bild Rechnung getragen. Um den Umfang des Bandes nicht zu
sehr anschwellen zu lassen, wurde eine Teilung der Publikation vorgenommen: Teil 1
enthält den Stadtkern in den Grenzen seiner mittelalterlichen Ausdehnung sowie das die
Stadt als nahezu geschlossener Ring umschließende Wallgebiet. Der zweite Band wird
die Darstellung der Stadterweiterungsgebiete des 19. Jh. sowie die im Laufe der Zeit in
das Stadtgebiet eingemeindeten Dörfer enthalten.
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Der zweite in diesem Jahr von der Landesfachbehörde vorgelegte Topographieband
beinhaltet die Baudenkmale der Innenstadt Braunschweigs. Er ist damit einer Stadt ge-
widmet, die sich dem eiligen Betrachter als moderne Großstadt präsentiert und deren oft
weit auseinander oder einzeln liegenden Zeugnisse gebauter Geschichte zunächst mehr
den Eindruck nicht zeitgemäßer Überreste hervorrufen. Offensichtlich einer großen Ver-
gangenheit angehörend, liegen diese „Traditionsinseln“, die großartigen mittelalterli-
chen Sakralbauten und zahlreiche historische Profanbauten inmitten der neuen Architek-
tur, mit denen sich die Stadt, nach ihrer großflächigen Zerstörung während des Zweiten
Weltkrieges, ein neues Gesicht gab.
Denkmaltopographie ist die Dokumentation des Denkmalbestandes und dient der Be-
gründung der Denkmalausweisung. Es ist Aufgabe und Ziel der Denkmaltopographie,
den historisch-topographischen Zusammenhang und den architekturgeschichtlichen
Wert dieser Zeugnisse vor dem Hintergrund der Entwicklungsgeschichte der Stadt darzu-
stellen. Besonderes Gewicht erhält dies im Falle der Stadt Braunschweig vor allem im
Hinblick auf ihre heute noch ablesbaren Merkmale mittelalterlicher Stadtbaukunst, die
Zeugnisse einer Zeit sind, in der die noch junge Stadt in der voranschreitenden Entwick-
lung städtischer Lebensformen eine führende Rolle spielte.
Braunschweig, Residenz und wichtigste Stadtgründung Heinrichs des Löwen, war in mit-
telalterlicher Zeit jahrhundertelang die bedeutendste und größte Stadt auf dem Gebiet
des heutigen Niedersachsen. Im Schutze der Burg, dem welfischen Machtzentrum, und
im Schnittpunkt mehrerer wichtiger Handelsstraßen gelegen, konnte sich das mit großzü-
gigen Privilegien ausgestattete Gemeinwesen rasch entwickeln und sich überregionalen
Einfluß verschaffen. Weiträumiger Handel und ein blühendes Handwerk ließen ein selbst-
bewußtes, wohlhabendes Bürgertum entstehen, das sich im Laufe derzeit immerstärker
dem Einfluß des Landesherrn entziehen und sich fast bis zur Reichsfreiheit verselbstän-
digen konnte. Braunschweig war Mitglied der Hanse, seine Bevölkerungszahl stieg in der
Blütezeit zwischen dem 14. und 16. Jh. stetig an und die Stadt entwickelte sich mit seinen
um den Burgbereich herumgelegten fünfTeilstädten noch in mittelalterlicher Zeit zur ein-
zigen Großstadt im niedersächsischen Raum.
Auch nach der Rückgewinnung und Unterwerfung ihres alten Stammsitzes durch die
Welfen in der zweiten Hälfte des 17. Jh. und der damit verbundenen Beendigung der
bürgerlichen Autonomie, blieb Braunschweig ein bedeutendes politisches und wirt-
schaftliches Zentrum im norddeutschen Raum. Hinzu kam in dieser Zeit die wiederge-
wonnene Funktion als Residenz- und Verwaltungsstadt, die an einigen Stellen mit reprä-
sentativen neuen Bauten in das von bürgerlicher Fachwerkarchitektur getragene Stadt-
bild eingriff. Auch die nachfolgende Industrialisierung des 19. Jh., an der Braunschweig
lebhaften Anteil hatte, veränderte das Bild des mittelalterlichen Stadtkernes in einigen
Teilbereichen. Dennoch blieb Braunschweig bis 1944 ein nach Anlage und Struktur mit-
telalterlicher, großflächiger Stadtorganismus, dessen besonderer Charakter vor allem
von der großen Zahl seiner Fachwerkbauten und von dem bereits im 12. Jh. nach regel-
mäßigen Ordnungsprinzipien entwickelten Straßennetz bestimmt war. Besondere Be-
deutung im Stadtbild hatten die zahlreichen, architektonisch individuell gefaßten Plätze
sowie die Reihe der Pfarrkirchen in den einzelnen Stadtteilen, deren hohen Turmwerken
die Stadt auch heute noch ihre unverwechselbare Silhouette verdankt.
Die vorliegende Darstellung unternimmt den Versuch, die Vielfalt eines über Jahrhun-
derte gewachsenen Stadtkomplexes am Beispiel seiner aus der Geschichte überkom-
menen Bauten und städtebaulichen Strukturen nachzuzeichnen und so die auf sie ange-
wandten Kriterien des Niedersächsischen Denkmalschutzgesetzes zu erläutern. Dies
geschieht in einer sich ergänzenden Darstellungsweise aus beschreibend analysieren-
dem Text, Abbildungen und einer kartographischen Darstellung, in der die Baudenkmale
in ihrer stadträumlichen Position gekennzeichnet sind.
Dem überwiegend hohen architekturhistorischen Rang der in der Braunschweiger Innen-
stadt noch erhaltenen Baudenkmale wird im vorliegenden Band durch eine ausführlichere
Darstellung in Text und Bild Rechnung getragen. Um den Umfang des Bandes nicht zu
sehr anschwellen zu lassen, wurde eine Teilung der Publikation vorgenommen: Teil 1
enthält den Stadtkern in den Grenzen seiner mittelalterlichen Ausdehnung sowie das die
Stadt als nahezu geschlossener Ring umschließende Wallgebiet. Der zweite Band wird
die Darstellung der Stadterweiterungsgebiete des 19. Jh. sowie die im Laufe der Zeit in
das Stadtgebiet eingemeindeten Dörfer enthalten.
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