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15. Jh. ist an die Südseite des Chores noch
die Annen- und Livinuskapelle angebaut wor-
den, die heute als Sakristei dient. Die Zwerch-
giebel über den einzelnen Jochen der Seiten-
schiffe sind wie der ganze Außenbau
schmucklos, lediglich am Gewändefuß des
mittleren Chorfensters befinden sich zwei
Kopfplastiken, die Petrus und Paulus darstel-
len. Im Innern ist der Bau mit einfachen
Kreuzrippengewölben geschlossen, die im
Mittelschiff zusammen mit Gurt- und Scheid-
bögen auf etwas plumpen, wohl in spätgoti-
scher Zeit ummantelten Achteckpfeilern ru-
hen. Den Kapitellen der Dienste an denTurm-
pfeilern im Westen und denen am Chorbogen
sind große Blätter aufgelegt. Eine Besonder-
heit bildet die Kapitellgestaltung des alten und
der beiden jungen Dienste am nördlichen
Chorbogenansatz: sie sind als übergreifende
Kapitellzone aufgefaßt und aus einer liegen-
den Frauengestalt und einem Löwen gebildet.
Die farbigen Fassungen der drei- bzw. im
Chor auch zweibahnigen Maßwerkfenster
sind neu. Von der alten Ausstattung haben
sich einige Epitaphien erhalten, vor allem be-
merkenswert das erst 1990 wieder im nördli-
chen Seitenschiff angebrachte, in Holz gear-
beitete, „Hartwig-Epitaph“. Es stammt aus
der Werkstatt Hans Röttgers und wurde 1626
aus den bereits vorhandenen Einzelfiguren
der Allegorien von Glaube, Liebe und Hoff-
nung zusammengestellt. Lediglich die Figur
des Stifters sowie Wappen, Kartuschen und
rahmendes Beiwerk wurden neu angefertigt.
Vor den Kriegszerstörungen war die Wohn-
bebauung sowohl im Osten als auch im We-
sten bis dicht an die Petrikirche herangeführt.
Heute liegt vor der Westfront der Kirche eine
große unbebaute Fläche, die nach Westen in
den Bäckerklint überleitet, einer jener
„Klinte“, die als leicht erhöht gelegene Plätze
bereits im Mittelalter den Verkehr sammelten,
bzw. in die von ihnen ausgehenden Straßen
verteilten. Heute ist der Platz von Neubauten
umstanden, da keines der prächtigen Fach-
werkhäuser, von denen der Platz ehemals
eingefaßt war, den Zweiten Weltkrieg über-
dauert hat. Unbeschädigt blieb lediglich der
Eulenspiegelbrunnen an der Südseite des
Platzes, eine Arbeit des Bildhauers Arnold
Kramer von 1905/06. Das sechseckige Brun-
nenbecken istaus Werksteinquadern überei-
ner zweistufigen Sockelplatte aufgemauert
und hat an seiner Südseite ein hohes Podest
auf dem, mit übergeschlagenen Beinen, die
Bronzefigur des Till Eulenspiegel sitzt. Die Fi-
gur blickt belustigt auf drei Meerkatzen und
zwei Eulen, die, ebenfalls in Bronze gegos-
sen, auf dem Beckenrand sitzen. Der Bild-
hauer nahm mit dieser Darstellung Bezug auf
einen der überlieferten Streiche Till Eulen-
spiegels, der in einer am Bäckerklint gelege-
nen Bäckerei einst Eulen und Meerkatzen ge-
backen haben soll. Die Plastiken sind reali-
stisch in der Auffassung und Durchbildung,
die Architektur des von Otto Beyrich errichte-
ten Brunnenbeckens bereits vom Seces-
sionsstil beeinflußt.
Auf dem Bäckerklint laufen die von der Son-
nenstraße bzw. vom Altstadtmarkt in spitzem
Winkel auf das ehern. Petritor zuführende
Scharrnstraße und Breite Straße zusammen.
Einst mit architekturhistorisch und küntlerisch
sehr bedeutenden Bauten besetzt, ist in der

Ev. Pfarrkirche St. Petri, Südseite von Südost


Eulenspiegelbrunnen, 1905/06 von Arnold Kramer


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