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Am Fallersleber Tore 6, Wohnhaus 1884, Architekt
Schormann


Am Fallersleber Tore 5, Wohnhaus, 1893, Architekt
H. Bernfeld


Am Fallersleber Tore 3-4, Verwaltungsgebäude, 1929, Architekt Karl Mühlenpfordt


aus der Stadt hinausführenden Fallersleber-
Straße gekreuzt wird. Die im Wallbereich ge-
legene Verlängerung der Fallersleber-Straße
bis zur Brücke über den Umflutgraben heißt
Am Fallersleber Tore und bezeichnet die
Stelle, an der sich diesseits und jenseits der
Brücke über den Graben die von Krähe er-
richteten Toranlagen befanden, von denen
die beiden Wachhäuschen auf der anderen
Seite des Okergrabens erhalten sind (s. Bd. 2,
Humboldtstraße 2 und 34). Die im Zuge der
Kraheschen Wall- und Toranlagen neu ge-
baute, noch relativ schmale Brücke am Fal-
lersleberTorewurde 1904 durch einen breite-
ren Neubau ersetzt, der in der Nachkriegszeit
zwar eine Fahrbahnerweiterung erfuhr, in de-
ren Verlauf auch die beiden Geländer erneu-
ert wurden, deren Unterbau und seitlichen
Auflager aber noch in der Form von 1904 vor-
handen sind. Die Landpfeiler der Brücke sind
aus Werkstein bogenförmig aufgemauert, so
daß die beiden Brückenköpfe jeweils abge-
rundete Ausbuchtungen zeigen. Das ur-
sprünglich steinerne Brückengeländer war
an den Enden mit Freifiguren geschmückt.
Von der originalen Gestaltung des Brücken-
oberbaues haben sich nurvier reich verzierte,
auf Werksteinsockeln verankerte Laternen-
pfähle erhalten. Das Tragwerk der Brücke ist
eine von dem Braunschweiger Professor für
Wasserbau, Möller, entwickelte Vollwandträ-
gerkonstruktion aus Eisenbeton in der Form
hängender Parabelbögen, die in der Bogen-
mitte mit „1904“ datiert ist.
Der Verlauf des Straßenzuges Am Fallersle-
ber Tore wurde ebenfalls nach dem Entwurf
Krahes um 1804/05 als dreibahnige Allee an-
gelegt und war auf der Nordseite um 1850
bereits mit einzeln stehenden Häusern auf
großzügig geschnittenen Grundstücken be-
baut. Die Aufsiedlung der Südseite erfolgte
etwas später und war erst um 1860 abge-
schlossen. Diese klassizistische Erstbebau-
ung ist in den achtziger und neunziger Jah-
ren des 19. Jh. stark umgebaut bzw. abgeris-
sen und durch historistische Neubauten er-
setzt worden. Drei dieser Bauten haben die
auch hier zum Teil beträchtlichen Kriegszer-
störungen überdauert und sind, besonders
von Osten und von der Brücke her gesehen,
für das Straßenbild von Bedeutung. Auf der
Nordseite sind dies die beiden Häuser Am
Fallersleber Tore 5 und 6, Nr. 5 als Etagen-
mietshaus errichtet und Nr. 6 als Villa. 1947
wurde der asymmetrisch gegliederte Putz-
und Ziegelbau Nr. 5 nach leichten Kriegs-
schäden instandgesetzt und erhielt, im Ge-
gensatz zu seiner ursprünglich Flach-
dachausführung mit Attikaaufsatz, das jet-
zige Walmdach. Bauherr und Architekt des
für zwei große Wohnungen jeweils im Erd-
und ersten Obergeschoß und mehrere Klein-
wohnungen im niedrigeren zweiten Oberge-
schoß konzipierten Wohnhauses war Mau-
rermeister H. Bernfeld, der das Gebäude
1893 errichten ließ.
Für „Frau Lieutenant Schmidt“ baute der aus
Hannover stammende Architekt Schormann
die östlich davon liegende zweigeschossige
Villa mit Souterrain (Nr. 6), deren Grundstück
bis an die Brücke heranreicht und in seiner
ganzen Tiefenerstreckung von der Oker be-
gleitet wird. Das 1884 errichtete Gebäude

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