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hatte im Erdgeschoß großzügig geschnit-
tene Wohnräume und einen Salon mit Altan
und Veranda auf der Ostseite zur Oker hin;
im Obergeschoß waren die privaten Räume
und Schlafzimmer untergebracht. Küche und
Wirtschaftsräume lagen im Keller, das Dienst-
personal wohnte im Dachbereich, das ur-
sprünglich als steiles Mansarddach ausgebil-
det war und seine heutige Form erst bei Be-
seitigung der Kriegsbeschädigungen nach
1945 erhielt. Das - die einzelnen Stockwerke
separierend - mit Rauhputz, feinem Putzfu-
genschnitt und Sichtziegelmauerwerk gestal-
tete Haus zeigt an Tür und Fensterrahmun-
gen einen scharf geschnittenen, kantigen
Putzschmuck, bei dem barocke Grundele-
mente in klassizistischer Vereinfachung er-
scheinen. Der in der westlichen Fensterachse
liegende Eingang hat sich in seiner origina-
len Form erhalten: Aufwendiges Ornament
rahmt eine geschnitzte, zweiflügelige Türe
mit Oberlicht, deren verglaste Lichtöffnungen
mit schmiedeeisernen Ziergittern gefüllt sind.
Stärkere Veränderungen hat das schräg ge-
genüberliegende Etagenwohnhaus Am Fal-
lersleber Tore 8 erfahren, das 1883 für den
Bauunternehmer Backhaus von Erdmann
und Hartig errichtet wurde. Sein Erschei-
nungsbild war ursprünglich durch ein breites,
umlaufendes Friesband unter dem Dachge-
sims, die Straßenfassade aber besonders
durch einen gedrückten Dreieckgiebel über
dem flachen Seitenrisalit akzentuiert. Der Zie-
gelbau mit barock/klassizistischem Putzde-
kor erhielt bereits 1936 einen Wintergarten-
anbau auf der Rückseite und 1950 mit Besei-
tigung der letzten Kriegsschäden ein neues,
für Wohnzwecke ausgebautes Dach mit brei-
ter Schleppgaube.
Straßenbildbeherrschend, vor allem von der
Stadtseite aus gesehen, ist heute an diesem
kurzen Straßenzug der umfangreiche Bau-
komplex der Allgemeinen Ortskrankenkasse
(Am Fallersleber Tore 3-4), der auf zwei zu-
sammengelegten Grundstücken sechsge-
schossig die übrige Bebauung dominiert. Die
aus kubischen, in dunkelroten Klinkern ge-
mauerte und aus unterschiedlich hohen
Baukörpern zusammengefügte vierflügelige
Anlage mit zentralem Lichthof wurde ab
1929 von Karl Mühlenpfordt als moderne, am
Funktionalismus orientierte, in der Material-
wahl aber niederdeutsch traditionell ausge-
richtete Architektur entworfen. In seiner
zweckbestimmten, auf Bauschmuck verzich-
tenden Formgebung realisiert dieser Bau Ar-
chitekturvorstellungen, die an Hamburger
Bauten Fritz Schumachers erinnern.

THEATERWALL

EHEM. HERZOGLICHER PARK
Wegen der Einrichtung des Herzoglichen
Parkes im neugestalteten Wallbereich zwi-
schen dem Fallersleber- und dem Steintor,
der die ganze Breite des Areales zwischen
Oker und mittelalterlicher Stadtgrenze ein-
nahm, konnte Krähe in diesem Gebiet die
Promenadenachse nicht mitten durch das
neuerschlossene Gebiet führen, sondern

Museumspark, Blick auf Herzog Anton Ulrich-Museum von Nordwesten


Theater- und Museumspark, Luftbild


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