ten gerichteten Fackeln. Die vier Felder zeigen
den preussischen Adler, den Weifenlöwen, ei-
nen Kreis von vierzehn Sternen und die Initialen
Ferdinand von Schills. Auf der Deckplatte ragt
das auf einen Schinkelentwurf zurückgehende,
mit einem Lorbeerkranz umwundene eiserne
Kreuz auf.
Die Schillkapelle ist eine mehrteilige Architektur,
bestehend aus einem Mittelbau mit drei rund-
bogigen Öffnungen jeweils auf der Vorder- und
Rückseite und einem niedrigen, durch ein Kon-
solengesims abgetrenntes Drempelgeschoß mit
Fensteröffnungen in den Giebeln. Flachgeneigte
Satteldächer decken sowohl den Mittelbau als
auch die beiden niedrigeren seitlichen Anbau-
ten. In die zurückspringende Südostecke ist ein
nur wenig über die Firsthöhe des Hauptbaues
aufragender Glockenturm gestellt. Er trägt ein
ebenfalls flaches, weit überstehendes Pyrami-
dendach und hat im Obergeschoß drei große,
hochrechteckige Schallöffnungen. Alle von kla-
ren Proportionen und einfachen Formen be-
stimmten Teile des Baues werden auf Kämpfer-
höhe der Rundbogen durch ein umlaufendes
Gesims zusammengebunden. Unterhalb dieses
Gesimses ist der in verschiedenen Grautönen
gehaltene Putz in einem Quaderfugenschnitt
ausgeführt.
Pfeilermonument und Gedächtnisbau bilden als
Ensemble in dieser Ausformung ein wohl selte-
nes und ungewöhnliches Beispiel innerhalb der
Geschichte der Denkmalarchitektur.
GEORG-WOLTERS-STRASSE,
AUTORSTRASSE, CHARLOTTENSTRASSE
In dem Dreieck zwischen Kurt-Schumacher-
Straße, Böcklerstraße und Heinrich-Büssing-
Ring liegt das Bahnhofsviertel, ein Stadtquartier,
das mit seiner überwiegend kleinbürgerlichen
Wohnarchitektur, Handwerks- und Gewerbebe-
trieben in den Jahrzehnten nach dem Zweiten
Weltkrieg zunehmend ins Abseits der städte-
baulichen Entwicklung geriet. Sowohl die Anla-
ge der Kurt-Schumacher-Straße mit ihren Neu-
bauten im Westen, als auch die breite Zäsur
des Heinrich-Büssing-Ringes im Süden haben
die einst über die Vieweg-Straße auf den alten
Ostbahnhof ausgerichteten Straßenzüge östlich
der Böcklerstraße ihr stadtgeographisches Ziel
verloren. Auch die Böcklerstraße selbst, als
westliche Begrenzung des Gebietes, ist heute
eine stillgelegte Verkehrsader: der früher als
Salzdahlumer Straße nach Süden aus der Stadt
hinausführende Fernweg endet heute an den
Bahngleisen im Industriegebiet südlich des
Heinrich-Büssing-Ringes als Sackgasse.
Seit Ende der achtziger Jahre sind im Bahn-
hofsviertel großflächige Sanierungsmaßnahmen
im Gange, die die Wohn- und Lebensqualität in
diesem Gebiet durch viele individuelle Einzel-
maßnahmen verbessern sollen.
Saniert wurde zwischen 1989 und 1991 auch
die Gruppe der drei Fachwerkhäuser an der
Georg-Wolters-Straße (Nrn. 7, 8 und 9), die
Reste der ältesten Bebauung in diesem Gebiet,
deren Schrägstellung zueinander noch den ge-
bogenen Verlauf der Vieweg- und späteren
Spohrstraße nachzeichnet, an der die Wohn-
häuser mit zwei bzw. nur einem Geschoß er-
richtet wurden. Die zweigeschossigen, mit der
Traufe zur Straße stehenden Häuser Nrn. 7 und
8 stammen aus dem Jahre 1865 und sind von
Zimmermeister E. Munte errichtet. Nr. 9, nur
eingeschossig mit Zwerchhaus und Drempel,
dürfte annähernd gleichzeitig entstanden sein.
Die ehemals zu dem Grundstück Nr. 8
gehörenden massiven Rückgebäude einer Es-
sig- und Likörfabrikation von 1901 und Erweite-
rungen aus den zwanziger Jahren des 20.Jh.
wurden in der Sanierungsphase weitgehend re-
konstruiert und geben daher nur noch eine un-
gefähre Vorstellung der ursprünglichen Gebäu-
deanordnung und deren Funktion.
Die noch ungeregelte, an alten Straßenzügen
und Wegen in den fünfziger und sechziger Jah-
ren des 19.Jh. begonnene Besiedlung des
Bahnhofsviertels ist in den späten siebziger und
frühen achtziger Jahren auf der Grundlage der
Pläne von C. Tappe (1870) und L. Winter (erster
Ortsbauplan von 1882) entlang neu angelegter
Straßenzüge systematisch weitergeführt wor-
den. Das neu zu erschließende Bauland lag vor
allem zwischen der Salzdahlumer Straße (heute
Böcklerstraße) und der Viewegstraße, die in je-
nen Jahren Limbeckerstraße hieß. Für die
Nord-Süderschließung des dreieckigen Bau-
geländes wurde zu Beginn der achtziger Jahre
die Charlottenstraße angelegt. Die bereits als
östliche Seitenstraße der Salzdahlumer Straße
um 1870 existente Autorstraße wurde nach
Osten über die neue Trasse der Charlotten-
Georg-Wolters-Str. 8, 1865, Arch. E. Munte
Autorstr. 16, 1877, Arch Wittekop
130
den preussischen Adler, den Weifenlöwen, ei-
nen Kreis von vierzehn Sternen und die Initialen
Ferdinand von Schills. Auf der Deckplatte ragt
das auf einen Schinkelentwurf zurückgehende,
mit einem Lorbeerkranz umwundene eiserne
Kreuz auf.
Die Schillkapelle ist eine mehrteilige Architektur,
bestehend aus einem Mittelbau mit drei rund-
bogigen Öffnungen jeweils auf der Vorder- und
Rückseite und einem niedrigen, durch ein Kon-
solengesims abgetrenntes Drempelgeschoß mit
Fensteröffnungen in den Giebeln. Flachgeneigte
Satteldächer decken sowohl den Mittelbau als
auch die beiden niedrigeren seitlichen Anbau-
ten. In die zurückspringende Südostecke ist ein
nur wenig über die Firsthöhe des Hauptbaues
aufragender Glockenturm gestellt. Er trägt ein
ebenfalls flaches, weit überstehendes Pyrami-
dendach und hat im Obergeschoß drei große,
hochrechteckige Schallöffnungen. Alle von kla-
ren Proportionen und einfachen Formen be-
stimmten Teile des Baues werden auf Kämpfer-
höhe der Rundbogen durch ein umlaufendes
Gesims zusammengebunden. Unterhalb dieses
Gesimses ist der in verschiedenen Grautönen
gehaltene Putz in einem Quaderfugenschnitt
ausgeführt.
Pfeilermonument und Gedächtnisbau bilden als
Ensemble in dieser Ausformung ein wohl selte-
nes und ungewöhnliches Beispiel innerhalb der
Geschichte der Denkmalarchitektur.
GEORG-WOLTERS-STRASSE,
AUTORSTRASSE, CHARLOTTENSTRASSE
In dem Dreieck zwischen Kurt-Schumacher-
Straße, Böcklerstraße und Heinrich-Büssing-
Ring liegt das Bahnhofsviertel, ein Stadtquartier,
das mit seiner überwiegend kleinbürgerlichen
Wohnarchitektur, Handwerks- und Gewerbebe-
trieben in den Jahrzehnten nach dem Zweiten
Weltkrieg zunehmend ins Abseits der städte-
baulichen Entwicklung geriet. Sowohl die Anla-
ge der Kurt-Schumacher-Straße mit ihren Neu-
bauten im Westen, als auch die breite Zäsur
des Heinrich-Büssing-Ringes im Süden haben
die einst über die Vieweg-Straße auf den alten
Ostbahnhof ausgerichteten Straßenzüge östlich
der Böcklerstraße ihr stadtgeographisches Ziel
verloren. Auch die Böcklerstraße selbst, als
westliche Begrenzung des Gebietes, ist heute
eine stillgelegte Verkehrsader: der früher als
Salzdahlumer Straße nach Süden aus der Stadt
hinausführende Fernweg endet heute an den
Bahngleisen im Industriegebiet südlich des
Heinrich-Büssing-Ringes als Sackgasse.
Seit Ende der achtziger Jahre sind im Bahn-
hofsviertel großflächige Sanierungsmaßnahmen
im Gange, die die Wohn- und Lebensqualität in
diesem Gebiet durch viele individuelle Einzel-
maßnahmen verbessern sollen.
Saniert wurde zwischen 1989 und 1991 auch
die Gruppe der drei Fachwerkhäuser an der
Georg-Wolters-Straße (Nrn. 7, 8 und 9), die
Reste der ältesten Bebauung in diesem Gebiet,
deren Schrägstellung zueinander noch den ge-
bogenen Verlauf der Vieweg- und späteren
Spohrstraße nachzeichnet, an der die Wohn-
häuser mit zwei bzw. nur einem Geschoß er-
richtet wurden. Die zweigeschossigen, mit der
Traufe zur Straße stehenden Häuser Nrn. 7 und
8 stammen aus dem Jahre 1865 und sind von
Zimmermeister E. Munte errichtet. Nr. 9, nur
eingeschossig mit Zwerchhaus und Drempel,
dürfte annähernd gleichzeitig entstanden sein.
Die ehemals zu dem Grundstück Nr. 8
gehörenden massiven Rückgebäude einer Es-
sig- und Likörfabrikation von 1901 und Erweite-
rungen aus den zwanziger Jahren des 20.Jh.
wurden in der Sanierungsphase weitgehend re-
konstruiert und geben daher nur noch eine un-
gefähre Vorstellung der ursprünglichen Gebäu-
deanordnung und deren Funktion.
Die noch ungeregelte, an alten Straßenzügen
und Wegen in den fünfziger und sechziger Jah-
ren des 19.Jh. begonnene Besiedlung des
Bahnhofsviertels ist in den späten siebziger und
frühen achtziger Jahren auf der Grundlage der
Pläne von C. Tappe (1870) und L. Winter (erster
Ortsbauplan von 1882) entlang neu angelegter
Straßenzüge systematisch weitergeführt wor-
den. Das neu zu erschließende Bauland lag vor
allem zwischen der Salzdahlumer Straße (heute
Böcklerstraße) und der Viewegstraße, die in je-
nen Jahren Limbeckerstraße hieß. Für die
Nord-Süderschließung des dreieckigen Bau-
geländes wurde zu Beginn der achtziger Jahre
die Charlottenstraße angelegt. Die bereits als
östliche Seitenstraße der Salzdahlumer Straße
um 1870 existente Autorstraße wurde nach
Osten über die neue Trasse der Charlotten-
Georg-Wolters-Str. 8, 1865, Arch. E. Munte
Autorstr. 16, 1877, Arch Wittekop
130



