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Kimpflinger, Wolfgang [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 1, Teil 2): Stadt Braunschweig — Braunschweig, 1996

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https://doi.org/10.11588/diglit.44169#0136

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Böcklerstr. 219, Werkshallen, 1915 bis 1917


Alte Salzdahlumer Str. 204B, ehern. Hochbunker, 1941, Arch. Ph. Holzmann


sung ebenso wie der in aufwendiger Holzkon-
struktion auf der Gartenseite im Süden vorkra-
gende Balkonrisalit mit ausladender Terrasse im
Erdgeschoß. Von dort stellten ursprünglich zwei
Freitreppen die Verbindung mit dem Garten her.
Die vor allem im Terrassenbereich schadhaft
gewordene Holzkonstruktion ist in den letzten
Jahren saniert und in Anlehnung an das ur-
sprüngliche Erscheinungsbild rekonstruiert wor-
den. Der Entwurf für das 1874 für den Hofzim-
mermeister Emil Munte errichtete Gebäude
stammt von Julius Gill.
Hinter einer noch weitgehend original erhalteten
schmiedeeisernen Einfriedung und einem
schmalen Vorgarten liegt, ebenfalls auf der Ost-
seite der Böcklerstraße, ein weiteres von Julius
Gill 1874 errichtetes Wohnhaus (Böcklerstraße
14). Es ist eine kleine, streng klassizistisch or-
ganisierte Architektur mit zweigeschossigem
Mittelteil, der auf beiden Seiten von identisch
gestalteten eineinhalbgeschossigen Seitenflü-
geln flankiert wird. Flachgeneigte, weit überste-
hende Dächer mit mehrfach profiliertem Dach-
gesims in Holz sowie die als Schmuckelement
sichtbar gelassenen Sparrenenden unterstrei-
chen ebenso wie die geometrischen Formen
der Friese und der Festonschmuck über den
Mezzaninfenstern die betonte Klassizität dieses
Entwurfes. Die den Originalzustand komplettie-
renden Akroterien an den Dachecken sind heu-
te nicht mehr vorhanden. Der von der Nordseite
erschlossene überstrichene Ziegelbau ist voll
unterkellert und ruht auf einem hohen Werk-
steinsockel. Auf der Eingangsseite ist 1973 ein
moderner, eingeschossiger Flachbau angefügt
worden.
Mit reichem späthistoristischen Putzschmuck
erhebt sich auf der gegenüberliegenden
Straßenseite die Fassade des ehern. „Konzert-
hauses“ (Böcklerstraße 232), das in den Jah-
ren 1990 bis 1992 nach jahrelangem Leerstand
zu einem Altenwohnheim umgebaut wurde. Von
diesem 1890 von O. Rasche für den Gastwirt
Ferdinand Bode zunächst als Wohnhaus mit
Gaststätte im Erdgeschoß errichteten dreige-
schossigen Gebäude ist unter denkmalpflegeri-
schem Aspekt heute nur noch die Fassade von
Interesse. Nachdem der einstige Saalbau, ein
Zentrum des gesellschaftlichen Lebens Braun-
schweigs, vor allem in den zwanziger und
dreißiger Jahren, bereits im Zweiten Weltkrieg
zerstört worden war, ist mit der neuen Nutzung
auch die innere Organisation des Hauptbaues
vollständig verändert worden. Dreizehn Fenster-
achsen lang, mit Mittel- und Eckbetonung, bie-
tet die mit reichem Renaissancedekor versehe-
ne und behutsam restaurierte Fassade heute
wieder einen markanten Blickfang in der unein-
heitlichen Bebauung des Nordabschnittes der
Böcklerstraße. Zudem sind mit dieser Fassade
lokalgeschichtliche Erinnerungen an eine kultu-
relle Einrichtung verknüpft, die für das gesell-
schaftliche Leben der Stadt bis zum Ausbruch
des Zweiten Weltkrieges von Bedeutung gewe-
sen ist.
An der Kreuzung mit dem Heinrich-Büssing-
Ring, einer im Zusammenhang mit dem Bahn-
hofsneubau erfolgten Verlängerung der östli-
chen Ringstraße bis zur Wolfenbütteler Straße,
ist die Funktion der Böcklerstraße als Wohn-
und Geschäftsstraße zu Ende. Jenseits des

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