Universitätsbibliothek HeidelbergUniversitätsbibliothek Heidelberg
Metadaten

Kimpflinger, Wolfgang [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 1, Teil 2): Stadt Braunschweig — Braunschweig, 1996

DOI Page / Citation link:
https://doi.org/10.11588/diglit.44169#0163

DWork-Logo
Overview
Facsimile
0.5
1 cm
facsimile
Scroll
OCR fulltext
sen worden war, ist sie als Bauland parzelliert
und in den folgenden zwei Jahren mit vierge-
schossigen Mehrfamilienwohnhäusern besetzt
worden. Die meisten der dreizehn Häuser ge-
hen auf nur wenig voneinander abweichende
Entwürfe des Architekten C.Rambow zurück,
so daß die gelben, bzw. roten Ziegelbauten mit
ihren zeittypischen Putzgliederungen und Zie-
gelziersetzungen ein sehr geschlossen wirken-
des Straßenbild abgeben, das, da kaum
Kriegszerstörungen zu verzeichnen waren, bis
heute relativ unversehrt ist (Wilmerdingstraße
1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10, 11, 12, 13, 14, So-
phienstraße 31 und 32). Akzente wurden am
Straßenbeginn gesetzt, wo jeweils die Eckbau-
ten Nr. 1 und Nr. 14 mit Sophienstraße 31
und 32 zu großen Doppelhäusern zusammen-
gefaßt sind. Ebenfalls herausgehoben erscheint
das am Ende der Straße im Scheitel des Kreis-
platzes gelegene Haus Nr. 8, das sich durch
üppigeren Zierrat, aufwendigere Gliederung und
durch eine Nischenfigur im mittigen Zwerch-
hausgiebel als Blickfang anbietet. Die Ge-
schlossenheit des Straßenbildes hat an der
Ostseite des Kreisplatzes bereits von der Auf-
siedlung an eine größere Lücke: während eines
der beiden dort liegenden Grundstücke bis
heute nicht bebaut wurde, ist 1962 das Grund-
stück Nr. 9 mit einem stilistisch völlig abwei-
chenden Sechsfamilienhaus bebaut worden,
das deswegen innerhalb der in sich geschlos-
senen Denkmalgruppe Wilmerdingstraße/So-
phienstraße nur als Bestandteil geführt wird.
Der größte Teil der östlich dieser Wohnstraße
bis an die Okerumflut heranreichenden Fläche
ist bereits ab 1877 von der sich ständig ver-
größernden Maschinenbaufabrik Selwig & Lan-
ge bebaut worden (Sophienstraße 40). Der
Betrieb, der vorwiegend Maschinen für die
Zuckerindustrie herstellte und bis 1989 in die-
sem Werk produzierte, gehörte mit zu den
frühen Industrieanlagen, die sich dicht an der
Innenstadt und in räumlicher Nähe zum Bahn-
hof ansiedelten. Die sich seit 1880 ständig er-
weiternden Werksgebäude, die durchweg in
Ziegelmauerwerk errichtet sind, bilden auch
nach der Stillegung und teilweisen Umnutzung
ein bemerkenswertes Konglomerat von Indu-
striearchitekturen an städtebaulich exponierter
Stelle, das nicht nur für die Industriegeschichte
der Stadt von beispielhafter Bedeutung, son-
dern auch in Teilbereichen von architekturhisto-
rischem Interesse ist. Neben dem vor allem für
das Straßenbild am Beginn der Sophienstraße
wichtigen Drehereigebäude aus den Jahren
1922-24 (Architekten Fröhlich & Baumkauff) ist
es vor allem das von denselben Architekten
1927/28 entworfene Verwaltungsgebäude so-
wie die Architektur des Fabriktores mit Pförtner-
haus, die mit ihren Elementen expressionisti-
scher Ziegelarchitektur einen überdurchschnittli-
chen gestalterischen Anspruch erheben. Der
auf dem Fabrikhof zurückliegende dreigeschos-
sige Verwaltungsbau ist mit seiner gleichmäßi-
gen Lisenengliederung, den kleinfeldrig geteil-
ten, relativ großen Fensteröffnungen und der
Betonung der Gebäudemitte durch eine
schmale Attika auf dem Flachdach in der
Grunddisposition klassizistisch klar. Abgemildert
wird der strenge Entwurf jedoch durch die ab-
geschrägten Gebäudekanten sowie durch die
ornamental verarbeiteten Ziegelverbände am
Eingangsbereich, die als grätig gemauerte, ver-

Wilmerdingstr. 8, 1895/97, Arch. C. Rambow



161
 
Annotationen