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Kimpflinger, Wolfgang [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 1, Teil 2): Stadt Braunschweig — Braunschweig, 1996

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https://doi.org/10.11588/diglit.44169#0171

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deutsch geprägten Neobarock mit Jugendstil-
anklängen. Die zur Straße gerichtete Front der
Kirche wird von dem seitlich leicht zurückge-
setzten 60 Meter hohen Turm mit bauchigem,
kupfergedecktem Helm beherrscht. Die Fassa-
de des Kirchenbaues selbst zeigt einen sym-
metrischen Aufbau mit mittiger Vorhalle, zwei
großen seitlichen Fenstern und in der Über-
gangszone zum Dreieckgiebel ein großes
Rundfenster. Hell und dunkel geputzte Wand-
flächen alternieren am ganzen Bau und sind zur
Straßenseite hin mit rustikaverkleideten Wand-
zonen in unterschiedlichen Höhen in Kontrast
gesetzt. Im Süden wird die belebte Konstella-
tion der Bauglieder durch einen kleinen Trep-
penturm komplettiert. Die Gestaltung des In-
nenraumes ist dagegen puristisch klar: Hinter
einer querliegenden gewölbten Vorhalle liegt der
Kirchenraum unter einer zentralen Flachkuppel,
der drei kurze, tonnengewölbte und kassettierte
Kreuzarme angegliedert sind, in die eine auf
drei Seiten umlaufende Empore eingestellt ist.
Der eingezogene Chorarm mit amboartigem
Kanzelaltar und in die Stirnwand eingepaßtem
Orgelprospekt ist um einiges tiefer und wird nur
durch ein farbiges querovales Fenster mit der
Darstellung eines Christuskopfes erhellt. Der im
übrigen schmucklose Raum ist allseitig in hellen
Beigetönen gefaßt.
Im Norden schließt an den Kirchturm der einge-
schossige, unter einem hohen, ausgebauten
Mansarddach liegende Bau des Gemeindesaa-

les an und im Südwesten an den Chorbereich
der Kirche das stilgleich errichtete Pfarramt,
das von der Straße durch einen großen Garten
abgeschirmt ist. Kirche, Gemeindesaal und
Pfarramt bilden zusammen ein Architekturen-
semble, das sich durch stilistische Geschlos-
senheit, funktionale Prägnanz, guten Erhal-
tungszustand und städtebauliche Schwer-
punktbildung besonders auszeichnet.

ZWISCHEN HILDESHEIMER STRASSE
UND OKER
Das nordwestlich an den Petritorwall anschlie-
ßende Stadterweiterungsgebiet zwischen der
Hildesheimer Straße im Süden und der nach
Norden die Stadt verlassenden Oker weist nur
noch sehr vereinzelt historische und denkmal-
werte Bausubstanz auf. Das Gebiet wird von
der am ehemaligen Petritor beginnenden Celler
Straße diagonal durchzogen und heute im We-
sten und Norden von der Trasse des Autobahn-
ringes eingefaßt. Neben den älteren Industrie-
ansiedlungen im Südwesten der Stadt, in der
Umgebung der Frankfurter Straße, entstand
hier im Nordwesten seit den neunziger Jahren
des 19.Jh. mit Anschluß an die Ringbahn ein
zweiter Industrieschwerpunkt. Besonders
schwere Kriegsschäden haben aber hier die hi-
storische Bausubstanz auf wenige Reste redu-
ziert, so daß zusammenhängende Denkmalbe-

reiche in diesem Gebiet heute nicht mehr anzu-
treffen sind.
Am Beginn der Celler Straße, gleich jenseits der
Okerumflut, liegt die einzige Villa, die bereits in
der ersten Hälfte des 19.Jh. außerhalb des
Wallgebietes errichtet worden ist (Celler Str. 3).
Es ist ein repräsentativer Bau des Klassizisten
C. Th. Ottmer, der in der Nordhälfte eines
großzügig geschnitten Parkgeländes liegt, das
sowohl bis an die Celler Straße als auch an die
Okerumflut heranreicht. Bis zum Abbruch der
klassizistischen, von P. J. Krähe errichteten Tor-
anlagen, verband sich diese Villa zusammen mit
den Gebäuden des benachbarten Petritores zu
einer architektonisch bemerkenswerten Stadt-
eingangssituation. Auch heute geht von dem
1839 als Sommerhaus errichteten Gebäude
durch seine lapidare Klarheit im Aufriß und sei-
ne leicht erhöhte Position in dem durchsichtig
bepflanzten Parkgelände eine bildhafte Wirkung
aus, die allgemein an die römische Antike, spe-
ziell aber an Bauten von Ottmers Lehrer K. F.
Schinkel in Berlin denken läßt. Kastellartig ist
der für den Kammerpräsidenten der herzoglich
braunschweigischen Justizverwaltung von
Bülow errichtete Bau an den vier Ecken durch
turmartige Risalite überhöht, die aber im übri-
gen in die zweieinhalbgeschossige Wandgliede-
rung des Baues miteinbezogen sind. Das Erd-
geschoß ist durch Rundbogenfenster und einen
zarten Putzfugenschnitt als Sockelgeschoß ge-
kennzeichnet, während das Obergeschoß an

Goslarsche Str. 31A, Kirche St. Jacobi, Chorraum, 1911, Arch. J. Kraatz


Goslarsche Str. 31A, Kirche St. Jacobi, 1911, Arch. J. Kraatz


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