trotz leichter Veränderungen im Dachbereich,
ein hohes Maß an Geschlossenheit und somit
städtebaulicher Wirksamkeit. Die Häuserreihe
entstand 1912 auf einem Grundstück der
Braunschweiger Terraingesellschaft und wurde
von W. Morgenstern entworfen.
Aus dem Jahre 1930 stammt der Bau Am
Wendenwehr 11. Er liegt auf dem Grundstück
zurück, schräg zur Straßenflucht und in die
Achse der Hamburger Straße und deren Verlän-
gerung, der Lampestraße gesetzt. Diese im
Straßenbild exponierte Position verleiht dem
Bau neben seiner stilistischen Ausformung be-
sonderes Gewicht. Der ehemalige Stadtbau-
meister von Braunschweig (1919-1924) und
späterer Professor für Stadtbaukunst (1924-
1955) an der TH Braunschweig, Herman
Flesche, entwarf das Gebäude in einer
gemäßigten Form des Neuen .Bauens, als
schmucklosen, klar proportionierten Kubus,
dessen hervorstechendstes Merkmal das in der
Vorderfront liegende ausgescherte Treppenhaus
ist, das weit in die Dachzone hineinragt und ei-
ne dichte Reihe schmaler, querliegender Fen-
ster aufweist. Konservatives Element dieser
modernen Architektur ist das Walmdach mit
verbreitertem, weitem Dachüberstand. Das Ge-
bäude ist bis auf die neue Balkoneinfassung auf
dem Wintergartenvorbau im Nordosten nahezu
unverändert.
Wie das in den achtziger Jahren des 19. Jh. er-
schlossene Wohngebiet östlich der Universität
mit der Bültenwegschule (s. Bültenweg 9), er-
hielt auch das ab der Jahrhundertwende im
Westen neu aufgesiedelte Areal in der Wenden-
masch ein Schulhaus (Pestalozzistraße 18). Es
ist die letzte der neugotischen Backsteinschu-
len der Stadt, 1901 von Max Osterloh fertigge-
stellt, der mit diesem Bau schon deutlich sicht-
bar die kastenförmigen, fast seriellen Entwürfe
der Schulbauten der achtziger und neunziger
Jahre verläßt und seine späteren, aufgelockert
arrangierten Großbauten vorbereitet. Markantes
Indiz hierfür ist das Aufbrechen der Symmetrie
im Aufriß durch einen einseitigen Eckrisalit im
Westen, der mit einem polygonen Turmbau zu-
sätzliches Gewicht erhält. Sparsam verwendete
Werksteindetails, wie Krag- und Keilsteine, Ab-
deckplatten und Fensterbänke sind erste Anzei-
chen für die von Osterloh bei der Gestaltung
seiner späteren Bauten bevorzugte Materialmi-
schung aus Ziegel-, Werkstein- und Putz-
flächen.
DAS GEBIET NÖRDLICH DES REBENRINGES
Das jenseits des Rebenringes zwischen der
Hamburger Straße und dem Bültenweg liegen-
de Stadtviertel hat sich seit der Zeit um 1900 zu
einem gemischt genutzten Areal entwickelt, auf
dem Industrie- und städtische Versorgungsbe-
triebe, mittelständische Unternehmen und
Wohnquartiere nebeneinander existieren. Die
heterogene Struktur dieses Stadtbereiches
spiegelt sich auch in der Art der hier anzutref-
fenden Baudenkmale: es gibt keine zusammen-
hängenden Gruppen denkmalwerter Bausub-
stanz sondern nur eine kleine Anzahl verstreut
liegender Einzelbauten unterschiedlichen Cha-
rakters. Repräsentativere Wohnbebauung gibt
es nur am Rebenring selbst und in der von dort
nach Norden führenden Geysostraße, die auf
den Nordbahnhof zuführt und bereits in den
achtziger Jahren des 19. Jh. angelegt wurde.
Am Wendenwehr 11, 1930, Arch. H. Flesche
Bültenweg 9, Schulgebäude, 1881, Arch. L. Winter
183
ein hohes Maß an Geschlossenheit und somit
städtebaulicher Wirksamkeit. Die Häuserreihe
entstand 1912 auf einem Grundstück der
Braunschweiger Terraingesellschaft und wurde
von W. Morgenstern entworfen.
Aus dem Jahre 1930 stammt der Bau Am
Wendenwehr 11. Er liegt auf dem Grundstück
zurück, schräg zur Straßenflucht und in die
Achse der Hamburger Straße und deren Verlän-
gerung, der Lampestraße gesetzt. Diese im
Straßenbild exponierte Position verleiht dem
Bau neben seiner stilistischen Ausformung be-
sonderes Gewicht. Der ehemalige Stadtbau-
meister von Braunschweig (1919-1924) und
späterer Professor für Stadtbaukunst (1924-
1955) an der TH Braunschweig, Herman
Flesche, entwarf das Gebäude in einer
gemäßigten Form des Neuen .Bauens, als
schmucklosen, klar proportionierten Kubus,
dessen hervorstechendstes Merkmal das in der
Vorderfront liegende ausgescherte Treppenhaus
ist, das weit in die Dachzone hineinragt und ei-
ne dichte Reihe schmaler, querliegender Fen-
ster aufweist. Konservatives Element dieser
modernen Architektur ist das Walmdach mit
verbreitertem, weitem Dachüberstand. Das Ge-
bäude ist bis auf die neue Balkoneinfassung auf
dem Wintergartenvorbau im Nordosten nahezu
unverändert.
Wie das in den achtziger Jahren des 19. Jh. er-
schlossene Wohngebiet östlich der Universität
mit der Bültenwegschule (s. Bültenweg 9), er-
hielt auch das ab der Jahrhundertwende im
Westen neu aufgesiedelte Areal in der Wenden-
masch ein Schulhaus (Pestalozzistraße 18). Es
ist die letzte der neugotischen Backsteinschu-
len der Stadt, 1901 von Max Osterloh fertigge-
stellt, der mit diesem Bau schon deutlich sicht-
bar die kastenförmigen, fast seriellen Entwürfe
der Schulbauten der achtziger und neunziger
Jahre verläßt und seine späteren, aufgelockert
arrangierten Großbauten vorbereitet. Markantes
Indiz hierfür ist das Aufbrechen der Symmetrie
im Aufriß durch einen einseitigen Eckrisalit im
Westen, der mit einem polygonen Turmbau zu-
sätzliches Gewicht erhält. Sparsam verwendete
Werksteindetails, wie Krag- und Keilsteine, Ab-
deckplatten und Fensterbänke sind erste Anzei-
chen für die von Osterloh bei der Gestaltung
seiner späteren Bauten bevorzugte Materialmi-
schung aus Ziegel-, Werkstein- und Putz-
flächen.
DAS GEBIET NÖRDLICH DES REBENRINGES
Das jenseits des Rebenringes zwischen der
Hamburger Straße und dem Bültenweg liegen-
de Stadtviertel hat sich seit der Zeit um 1900 zu
einem gemischt genutzten Areal entwickelt, auf
dem Industrie- und städtische Versorgungsbe-
triebe, mittelständische Unternehmen und
Wohnquartiere nebeneinander existieren. Die
heterogene Struktur dieses Stadtbereiches
spiegelt sich auch in der Art der hier anzutref-
fenden Baudenkmale: es gibt keine zusammen-
hängenden Gruppen denkmalwerter Bausub-
stanz sondern nur eine kleine Anzahl verstreut
liegender Einzelbauten unterschiedlichen Cha-
rakters. Repräsentativere Wohnbebauung gibt
es nur am Rebenring selbst und in der von dort
nach Norden führenden Geysostraße, die auf
den Nordbahnhof zuführt und bereits in den
achtziger Jahren des 19. Jh. angelegt wurde.
Am Wendenwehr 11, 1930, Arch. H. Flesche
Bültenweg 9, Schulgebäude, 1881, Arch. L. Winter
183



