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Kimpflinger, Wolfgang [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 1, Teil 2): Stadt Braunschweig — Braunschweig, 1996

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https://doi.org/10.11588/diglit.44169#0232

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Ölper, Bundesallee 150, Wohnhaus, 1873


In Randlage des alten Dorfkerns, im Winkel zwi-
schen Celler Heerstraße und Dorfstraße, liegt
gegenüber dem Ölper Turm eine ehemals wich-
tige Hofanlage. Das heutige Haus Nr. 141a war
Zollstation der Stadt Braunschweig; ihm ge-
genüber standen Schlagbaum und Grenzstati-
on. Trotz Kunststoffverkleidung läßt sich die
auffallende Symmetrie des zweigeschossigen
Fachwerkbaues aus dem Anfang des 19.Jh. er-
kennen. Der rückseitig angebaute massive
Kuhstall aus gelbem Ziegel wurde 1879 errich-
tet und schloß die mit Feldsteinen gepflasterte
Hoffläche im Süden ab, so daß nur die Zufahrt
von der Straße in Richtung des 1816 erbauten
Wohnwirtschaftsgebäudes verblieb: ein statt-
liches, jedoch teilweise massiv ersetztes nieder-
deutsches Hallenhaus in Fachwerk mit einer
nach Nordwesten geöffneten Vorschauer (Cel-
ler Heerstraße 141). Der westlich angebaute
zweigeschossige Pferdestall mit Fachwerk im
Obergeschoß verbindet das Haupthaus mit ei-
nem weiteren Nebengebäude von 1885, wel-
ches das ehemalige Waschhaus mit Schweine-
stall ersetzte.

Ölper, Bundesallee 150, ehern. Waldgaststätte, 1890


Zu Beginn des 20.Jh. war Ölper durch seine
Stadtnähe das beliebteste Ausflugsziel der
Braunschweiger Bürger. Als Naherholungsge-
biet war die Waldfläche südwestlich von Ölper
schon Mitte des 19.Jh. gut besucht; aus einem
damaligen Forsthaus (1817) mit gelegentlichem
Ausschank entwickelte sich eine großangelegte
Waldgaststätte - eine heute selten gewordene
Form des Gaststättenbetriebs.
Auf der Nordostseite der Bundesallee, die
Lehndorf mit dem Kanzlerfeld verbindet und zu-
gleich das „v. Pavelsche Holz“ vom „Ölper Holz“
trennt, liegt von der Straße abgesetzt, die ehe-
malige Waldgaststätte (Bundesallee 150): ein
großzügig in U-Form angelegter Gebäudekom-
plex mit einem Herrenhaus von 1873, östlich
davon einem größerer Stall aus dem Jahre
1902, westlich einer Kegelbahn sowie der 1890
erbauten Waldgaststätte mit einer Erweiterung
von 1904.
Das Herrenhaus zeigt sich heute fast unverän-
dert. Es ist symmetrisch zusammengesetzt aus
zwei zweigeschossigen Fachwerkbauten, ver-
bunden durch ein eingeschossiges Mittelkom-
partiment mit gleicher Breite und Verdachung.
Der Höhenunterschied durch den in Kalkstein
verkleideten Kellersockel wird durch eine auffal-
lend breite Treppe überwunden, die zum mitti-
gen Hauseingang führt. Durch die weiß gestri-
chene Ziegelausfachung - im Kontrast zum Ge-
füge - wird die Struktur des Bauwerks betont.
Die ehemalige Waldgaststätte, ein Massivbau
aus hellbraunen Ziegeln auf einem Quader-
sockel in Elmkalkstein, steht im rechten Winkel
zum Herrenhaus. Ein zweigeschossiger Mittelri-
salit mit Satteldach dominiert die flachgedeck-
ten eingeschossigen Flügelbauten. Im Erdge-
schoß dieses symmetrisch organisierten
Baukörpers öffnen sich mittig als Eingangspor-
tal drei Bogenstellungen, die auf Steinsäulen
mit Kapitellen ruhen, in deren Stirnseiten „Er-
baut“ und „1890“ eingehauen sind.
Der ehemalige Kuhstall ist ein zweistöckiger
Zweckbau aus gelbem Ziegel, dessen gliedern-
de Lisenen durch rote Ziegel betont werden.

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