Universitätsbibliothek HeidelbergUniversitätsbibliothek Heidelberg
Overview
Facsimile
0.5
1 cm
facsimile
Scroll
OCR fulltext

Am Sande 1, Terrakottatafel über dem Portal



Am Sande 1, Grundriss, 1898 (Umzeichnung)

Kloppenborch errichtet und bis 1898 als
Brauhaus genutzt. Nach einschneidenden
Grundrissveränderungen 1898 (Architekt W.
Matthies) für die bereits bestehende gastrono-
mische Nutzung und 1921 durch den Umbau
zum Bankhaus schließlich 1955 vollständig
neuer Innenausbau als Sitz der Industrie- und
Handelskammer. Die Eckposition an der Gra-
pengießerstraße einnehmend, bildet es zusam-
men mit dem Nebenhaus Am Sande 2 an der
Westseite des Platzes aufgrund seines Bau-
volumens, seiner Bauzier (in Lüneburg gefertig-
te Terrakotten) und nicht zuletzt aufgrund des
schwarzen Anstrichs mit dem weißen Fugen-
netz eine städtebauliche Dominante. Die auf
der wohl ursprünglichen Verblendung mit
schwarz glasierten Backsteinen beruhende
Farbgebung findet sich im Stadtbild nur noch
an wenigen Gebäuden des 16.Jh. Breitgela-
gerte Fassade mit siebenteiligem Staffelgiebel.
Die vermutlich 1857 abgetragenen Staffeln,

gefüllt mit kleeblattbogigen Zwillingsblenden,
1863 unter dem Neueigentümer Peter Heinrich
Meyer wieder aufgesetzt, dessen Bauherr-
schaft die Initialen und die Jahreszahl auf den
Sandsteinsockeln des giebelseitigen Portals
bezeugen. Betont horizontale Gliederung durch
tausteingerahmte Putzfriese zwischen den an
Höhe kontinuierlich nach oben abnehmenden
Geschossen. Im hohen Erdgeschoss das leicht
außermittig rechts angeordnete Spitzbogen-
portal von zwei gleich hohen Ausluchten flan-
kiert, die 1898 zweigeschossige Vorgänger
ersetzten. Entsprechend nennt die Inschrift auf
dem Fenstersturz der nördlichen Auslucht Carl
August und Hedwig Meyer als damalige
Bauherrschaft; die südliche Auslucht 1955 mit
vergrößerter Fensterfläche erneuert. Über dem
Portal eine Terrakottatafel mit der Jahreszahl
1548, eingefasst links von einer Frauen-, rechts
von einer Männergestalt und in den Mauer-
zwickeln von zwei Kreisblenden mit steigenden

Löwen begleitet. Erstes Obergeschoss durch
vier, zweites Obergeschoss durch fünf zweifach
gestufte, segmentbogige Fensternischen mit
Tausteinrahmung gegliedert. In den Bogenzwi-
ckeln tausteingerahmte Kreisblenden mit elf
polychrom glasierten Terrakotten, die als cha-
rakteristischer Fassadenschmuck der Renais-
sance den repräsentativen Habitus dieses
Gebäudes unterstreichen. Neben szenischen
Darstellungen aus der Geschichte Simsons
handelt es sich vorwiegend um Bildnisme-
daillons, wie sie auch in 16 Exemplaren die
nördliche Traufseite schmücken. Einzigartig in
Lüneburg als Terrakottamotiv ist der in dreifa-
cher Ausführung vorkommende, auf einem
Delfin reitende Putto. An der nördlichen Trauf-
seite die Gliederung der Giebelfassade in den
Grundzügen fortgeführt, abweichend davon die
dunkel glasierten vier- bzw. fünfstrahligen
Sterne als Füllung der Tausteinokuli über dem
zweiten Obergeschoss (wohl 19.Jh.). Im west-
lichen, nachträglich mit Gauben ausgebauten
Dachbereich bis 1928 über der dritten, schma-
len Achse von Westen ein Aufzugserker. Als
Rest der ursprünglichen Kelleranlage sind zwei
unterschiedlich breite, segmentbogig gewölbte
Räume überkommen, die sich firstparallel unter
dem nördlichen Hausteil im Bereich der ehema-
ligen Diele erstrecken. Der Grundriss 1955 völ-
lig neu disponiert. Dachwerk des 16.Jh. in ver-
änderter Neigung mit zwei angeblatteten Kehl-
balkenlagen umgeschlagen.
Am Sande 2. Unmittelbar an das Haupthaus
anschließendes Nebenhaus zu Am Sande 1;
erbaut wohl Mitte 16.Jh. und ebenfalls im
Eigentum des Härmen Kloppenborch, dessen
Schwiegersöhne das Gebäude 1586 verkauf-
ten. Schmales, dreigeschossiges Gebäude mit
Zwischengeschoss an der Ecke zur Heiligen-
geiststraße (Dachwerk ist erneuert). Binnen-
struktur von Erd- und Zwischengeschoss 1965
im Zuge einer gewerblichen Nutzung beseitigt,
die 1995 auf die Obergeschosse ausgedehnt
wurde. Über der mehrfach veränderten,
schlichten Erdgeschosszone die beiden Ober-
geschosse mit einfacher Tausteinrahmung der
Segmentbogennischen in die Gliederung von
Am Sande 1 einbezogen und mit drei Terra-
kotten im Putzfries geschmückt. Der fünfteilige
Staffelgiebel mit fünf Spitzbögen im ersten
Geschoss wohl vor der Mitte des 19.Jh. ent-
standen. An der südlichen Traufwand weisen
die beiden Holzstürze im Zwischengeschoss
und im ersten Obergeschoss auf frühere
Fensteröffnungen hin. Während der jüngsten
Sanierung 2004/05 im westlichen Abschnitt
des Obergeschosses ein im Material nachzu-
weisender Fachwerkerker rekonstruiert. Im
südöstlichen Bereich des Zwischengeschosses
zwei Malereifragmente wohl des 17,Jh. an der
Decke freigelegt: grüne, z.T. mit rot gefassten
Blattausläufern geschmückte Akanthusranken
mit dunklem Schattenstrich auf hellblauem
Grund; eine zweite Art von Rankenwerk ist wel-
lenförmig abwechselnd rot und grün gefasst.
Am Sande 3. Viergeschossiges, auf das 16.Jh.
zurückgehendes Eckhaus an der Heiligengeist-
straße; eine Nutzung als Backhaus seit 1426
belegt und bis 1936 fortgesetzt. Das schmale
Dielenhaus in der 2. Hälfte des 18.Jh. durch-

222
 
Annotationen