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Mansarddach mit Aufzugserker abschließt. Ein
Ladeneinbau von 1908 wurde zuletzt 1971 er-
weitert und im Eingangsbereich neu gestaltet,
während man die Obergeschossfenster schon
1915 vergrößert hatte.
Die jenseits der Neuen Straße folgenden Wohn-
häuser Nr. 19-23 dürften wohl dem 16.Jh. ent-
stammen, wie beispielsweise die Balkenkeller
von Nr. 19, 22 und 23 andeuten bzw. die im
rückwärtigen Gebäudeteil gelegene Quertonne
von Nr. 20. Alle Fassaden spiegeln jedoch im
ausgehenden 18. bzw. der 1. Hälfte des 19.Jh.
vorgenommene Umbauten wider. Am deut-
lichsten als ehemaliges frühneuzeitliches Die-
lenhaus lässt sich der ziegelsichtige, dreige-
schossige Bau Nr. 19 erkennen. Sein dreieck-
bekrönter Steilgiebel mit Traufstaffeln und Halb-
kreisfenster sowie die Gliederung durch Band-
gesimse verleihen ihm eine klassizistische Prä-
gung, doch sind an der östlichen Traufseite mit
dem Holzsturz einer älteren Fensteröffnung
sowie am rückwärtigen Giebel über dem hohen
Erd- und dem Obergeschoss mit den beiden
gleichzeitig den früheren Aufriss markierenden,
tausteingerahmten Friesen wesentlich ältere
Gestaltungsmerkmale erhalten. Der westwärts
anschließende Flügelbau, der ab 1814 als
Brennereigebäude diente, besitzt über dem
massiven und erneuerten Erdgeschoss eine
über Karniesknaggen vorkragende Fachwerk-
konstruktion von acht Gebinden, die an der
Schwelle „1638“ datiert und mit paarig ange-
ordneten Fußbändern konstruiert ist. Auch am
giebelständigen und ebenfalls dreigeschossi-
gen Nachbarhaus Nr. 20 unter Satteldach, des-
sen Fassade 1874 verputzt wurde, belegt die
rückwärtige Fachwerkkonstruktion des zweiten
Obergeschosses mit ihren Fußbändern die älte-
re Herkunft des Gebäudes. Sein Keller in Form
einer Quertonne ist über eine zweitürige Boden-
klappe vom Hof aus erreichbar.
Vollständig massiv ist wiederum das folgende
Traufenhaus Nr. 21 erbaut, mit dem nach der
Schossliste von 1682 ein noch 1773 existieren-
der Holzhof verbunden war. Während das Erd-
geschoss anlässlich eines Ladeneinbaus 1930
mit Ziegeln neu verblendet wurde, dokumentie-
ren die darüber aufgehende Putzfassade mit
Obergeschoss zu vier Achsen und zweiachsi-
gem Zwerchhaus unter Giebeldreieck, des
Weiteren die links sitzende Eingangstür mit drei
unterschiedlich ornamentierten Füllungen einen
vermutlich um 1824 unter dem neuen Eigen-
tümer, Maurermeister C. Paulsen, vollzogenen
Umbau.
Nur zwei Achsen breit ist das traufständige
Haus Nr. 22, nachträglich um ein zweites Ober-
geschoss aufgestockt und im 18./19.Jh. von
Leinewebern bewohnt bzw. in der Mitte des
19.Jh. im Eigentum eines Zimmergesellen, das
nach Ausweis seines Balkenkellers in der frühen
Neuzeit entstanden sein könnte. Rückwärtig
aus Fachwerk bestehend, wie im Oberge-
schoss auch das Nachbarhaus Nr. 23, dürfte
es eine diesem ähnliche Kubatur besessen
haben. Das Erscheinungsbild dieses zweige-
schossigen Wohnhauses unter Satteldach mit
einer schlichten, durch ein Bandgesims geglie-
derten Fassade wurde mittels eines Rückbaus
jüngerer Modernisierungen 1991/92 zurückge-
wonnen. 1907i ließ sich der Kaufmann Wilhelm
Eggers von Maurermeister 0. Püschel ein


Auf der Altstadt 19-23

Wohn-/Geschäftshaus errichten (Nr. 26), das er
in späthistoristischer Manier an der ziegelver-
blendeten Fassade durch einen außermittig
rechts angebrachten, zweigeschossigen Erker
in den Obergeschossen asymmetrisch gestal-
tete. Gebogene Fußbänder und beschnitzte
Rosetten in den Brüstungsfeldern interpretieren
Motive der Renaissancearchitektur, in die sich
der Brüstungsschmuck der Obergeschoss-
fenster aus Weinlaub und Trauben einfügt.
Auch für den zweiten späthistoristischen Er-
satzbau der Nordseite, Auf der Altstadt 8,
zeichnete 1904i O. Püschel verantwortlich.
Dieses ebenfalls dreigeschossige, jedoch grö-
ßer dimensionierte Wohn-/Geschäftshaus kon-
zipierte er vermutlich auf Wunsch des Bau-
herrn, des Kolonial- und Spielwarenhändlers
August Mummert, deutlich repräsentativer und
verlieh ihm nach zeitgenössischen Vorstellun-
gen einen malerischen Akzent, indem er die
Fassade durch ein außermittiges Zwerchhaus
unter geschweiftem Giebel sowie ein begleiten-
des, polygonales Erkertürmchen akzentuierte.
Die der späten Renaissance entliehenen For-

men, die u.a. im Erdgeschoss ein Fugenschnitt,
im ziegelverblendeten und hell gefassten
Obergeschoss die Fensterfaschen reflektieren,
bereichern im Obergeschoss ein vegetabiler
Jugendstildekor in den Brüstungsfeldern sowie
ein Trauffries, der bezugnehmend auf die Pro-
fession des Bauherrn historische Segelschiffe
abbildet und damit in Lüneburg als singuläres
Motiv in den Blickpunkt rückt.
Als Teil der südlichen Rahmung des Johann-
Sebastian-Bach-Platzes tritt auf der Westseite
der Straße die Gruppe der Giebelhäuser Nr. 28,
29, 30 wirksam im Straßenbild hervor. Ihnen fol-
gen drei ebenfalls giebelständige ehemalige
Dielenhäuser mit massiven Fassaden unter
Steilgiebel und teilweise in Fachwerk errichteter
Rückseite (Nr. 31,32, 33), die zwar von eingrei-
fenderen Umbaumaßnahmen gekennzeichnet
sind, im Innern jedoch ebenfalls Bausubstanz
mindestens des 16.Jh. aufnehmen. So ist bei-
spielsweise der straßenseitige Balkenkeller des
Hauses Nr. 31 1557d datiert worden, wie auch
die segmentbogig gewölbten Kellerbereiche
der Häuser 32 und 33 auf eine frühneuzeitliche

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