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unter dem Spediteur Ludwig Becker, veranlass-
te der Bankier M. Jacobsohn 1880 eine Über-
arbeitung der viergeschossigen Putzfassade
durch Gesimse sowie Fensterfaschen und hori-
zontale -Verdachungen. Ein zugehöriger Flügel-
bau wurde 1984 abgebrochen. Hingegen do-
kumentiert die Hausstätte Nr. 24 die Art und
Anordnung einer die gesamte Blocktiefe durch-
messenden Bebauung: Dem wohl auf das
15.Jh. zurückgehenden Vorderhaus, das sich
bis ins 16.Jh. hinein nacheinander im Eigentum
der Patrizierfamilien Witzendorff, Töbing und
Elver befand, bereits im 18.Jh. stark überformt
wurde und heute eine schlichte zweigeschossi-
ge, vierachsige Fassade unter Walmdach dar-
bietet, folgen der anschließende Hofflügel, des-
sen Fachwerkobergeschoss „1591“ inschriftlich
datiert ist, und schließlich die am Wüstenort
gelegenen Rückgebäude des 17.Jh. (Auf dem
Wüstenort 2, 3; s. dort).
Dem nördlichsten Baublock kommt die stadt-
räumlich wirksamste Funktion zu, indem seine
Hauptgebäude einen Teil der östlichen Platz-
wand des Marktes bilden. Bezogen auf die
Nutzung wird er heute von einem Kaufhaus-
komplex beherrscht. Das bereits seit 1926 mit
dem Erwerb des Hauses Nr. 31 etablierte Kauf-
haus konnte seinen Besitz sukzessive durch
den Ankauf historischer Gebäude ausdehnen,
für deren Umnutzung zuletzt in den 1980er
Jahren eine bis in die 1990er ausgeführte Um-
bauplanung entwickelt worden war, die insbe-
sondere auf die Integration der Erdgeschosse in
die Verkaufsfläche zielte. Das Kernstück bildet
dabei der Kaufhausneubau Nr. 31/32 von 1957,
der ein aus Haupt- und Nebenhaus bestehen-
des patrizisches Anwesen ersetzte. Überragt
wird es von dem nördlich anschließenden, um
1880 anstelle eines ehemaligen Dielenhauses
errichteten Wohn-/Geschäftshaus (Nr. 33), das
gleichzeitig den Endpunkt der Großen Bäcker-
straße an der Ecke zur Straße An den Brodbän-
ken markiert. Im Stil der niederländischen Re-
naissance gehalten, wird das im Erdgeschoss
veränderte Gebäude durch den Wechsel zwi-
schen roten Backsteinflächen und sandstein-
imitierenden Putzgliederungen charakterisiert.
Als Abschluss der vier Geschosse setzt sein
fünfteiliger Giebel, dessen Stufen Voluten füllen,
gegenüber der Rathausfassade einen durch rei-
chen Dekor ausgezeichneten städtebaulichen
Akzent. Als einziges Relikt der vormaligen patri-
zischen Architektur in diesem Straßenabschnitt
gewinnt das hohe Giebelhaus Nr. 30 mit der
weiß geputzten Fassade eine hervorragende
städtebauliche Bedeutung.
Die Westseite der Großen Bäckerstraße ver-
mittelt gegenüber der Ostseite ein heterogene-
res Bild, zum einen durch moderne Ersatz-
bauten (Nr. 6/7), zum anderen, indem die opti-
sche Abfolge der Giebelfassaden mehrfach
durch langgestreckte, traufständig ausgerichte-
te Häuser unterbrochen wird (z.B. Nr. 2-4).
Einen Vertreter dieser Variante stellt im süd-
lichen Baublock die Nr. 11 dar, die im Kern ver-
mutlich auf ein giebelständiges Dielenhaus des
15.Jh. zurückgeht. Die Gestaltung des zweige-
schossigen Gebäudes basiert auf einem
Umbau von 1867, der den links gelegenen Tor-
weg in den Wohnbereich einbezog und eine
einheitliche spätklassizistische Putzfassade mit
risalitartiger Hervorhebung der beiden Außen-


Große Bäckerstraße 1-5


Große Bäckerstraße 4, Hofgebäude, Zwischengeschoss

achsen schuf. Den einprägsamsten Akzent die-
ser Straßenseite setzen drei Staffelgiebel, wobei
sich der älteste (Nr. 5, 14.Jh.) durch seine im
Stadtbild seltene Gliederung auszeichnet und
diejenigen von Nr. 9 und 10 als Paar unmittel-
bar südlich der Apothekenstraße den mittleren
Straßenabschnitt dominieren. Neben dem be-
gradigten Staffelgiebel des Hauses Nr. 12 er-
hebt sich unter einem Mansarddach ein groß-
volumiges Wohn-/Geschäftshaus, das seine
Traufständigkeit durch einen großen Schweif-
giebel über der rechten Haushälfte kaschiert
(Nr. 13). 1907i nach einem Entwurf von Wilhelm
Matthies anstelle eines Gebäudekomplexes aus
zwei giebelständigen Gebäuden und einer
Durchfahrtbebauung für den Konditor August
Rauno erbaut, knüpft es mit der Verblend-
ziegelarchitektur, dem mittigen, zweigeschossi-
gen Obergeschosserker und der rechtsseitig
ins Obergeschoss hinabgeführten rundbogigen
Staffelblende des Zwerchhauses an lokale Bau-

traditionen an, ohne die zeittypische Vorliebe
einer asymmetrischen Gestaltung des Baukör-
pers zugunsten einer malerischen Wirkung zu
vernachlässigen.
Große Bäckerstraße 2-4. Zweigeschossiger,
langgestreckter Putzbau, der die straßenseitige
Bebauung dreier Parzellen traufständig zusam-
menfasst und mit einem Krüppelwalm im
Süden abschließt. Abgesehen von der jüngeren
ein- bzw. zweigeschossigen Hofbebauung be-
sitzt das Haus Nr. 4 einen Hofflügel und ein
Hintergebäude. Die Gestalt des straßenseitigen
Trakts hat sich über Eingriffe des 18.Jh. sowie
der Jahre 1898 und 1904 bis zur Zusammen-
legung der Erdgeschossfläche 1928 der
Gebäude Nr. 2, 3 und 4 entwickelt. Der damals
angelegte, mittige Ladeneingang in der Form
eines von Quaderlisenen gerahmten Korbbo-
gens wurde anlässlich der Sanierung im Jahr
2000 wieder hergestellt. Die lediglich durch ein

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