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Stichbogenfenster beitrugen, kennzeichnet den
stilistischen Übergang zwischen Späthis-
torismus und Heimatstil. In dieses Gestaltungs-
konzept fügen sich der mittige, polygonale
Obergeschosserker mit helmbekröntem Dach-
ausbau ein, flankiert von zwei Schleppgauben,
sowie die farbliche Akzentsetzung mittels einer
grünen Glasur der Sohlbänke und der Ziegel-
bänder in Kämpferhöhe. Jenseits der Schläger-
twiete war 1865 an der Nordwestecke der Hei-
ligengeiststraße das zweigeschossige Wohn-
haus des Schmiedemeisters C. Brese entstan-
den, das seine vierachsige westliche Traufseite
dem Lambertiplatz, den fünfachsigen Südgie-
bel unter flachem Satteldach aber als Haupt-
schauseite der Heiligengeiststraße zuwendet
(Nr. 26). Charakteristisch für diesen frühen Ver-
treter des Historismus ist die vor allem auf dem
Farbkontrast der backsteinsichtigen Fassaden
beruhende Wirkung, an denen sich die gelben
Gliederungselemente (Ecklisenen, Gurt- und
Traufgesims) von den roten Wandflächen
absetzen.

In die Gruppe der um 1800 grundlegend über-
formten Häuser ist auf der Südseite der Heili-
gengeiststraße das erst 1980 mit einem Laden-
einbau ausgestattete Wohnhaus Nr. 32 einzu-
beziehen, das im Brandkassenregister von
1785 als eingeschossiger Bau beschrieben
wird. Wohl wenig später wurde es um ein Ge-
schoss in einer Fachwerkkonstruktion mit mas-
siver Fassade unter einem Mansarddach aufge-
stockt. Den älteren Ursprungsbau belegt unter
der südwestlichen Hauszone eine Quertonne
mit Stichbogengewölbe und einer tiefen Nische
in der nördlichen Längswand.
Verglichen mit der Grapengießerstraße, die sich
ab der 2. Hälfte des 19.Jh. zu einer bevorzug-
ten Geschäftsstraße entwickelte, behielt die
Heiligengeiststraße in höherem Maße ihren u.a.
von Brauhäusern und Herbergen dominierten
Charakter bei, auch wenn in die Erdgeschoss-
zonen Ladengeschäfte einzogen. Die Epoche
vor dem Zweiten Weltkrieg vertritt das 1933 von
R. Tödter projektierte dreigeschossige Sechsfa-
milienwohnhaus Nr. 7. Seine im Gegensatz zur

verputzten Rückansicht steinsichtige Back-
steinfassade prägt eine enge Reihung von sie-
ben Fensterachsen, sodass gegenüber der
breiteren Brüstungszone lediglich schmale ver-
tikale Mauerstreifen verbleiben. In dieser weit-
gehenden Auflösung der Wandfläche klingt hier
ein Element des Neuen Bauens an, das im
Innern mit der Gestaltung von Treppenhaus und
Wohnungstüren seine Entsprechung findet.
Ein Vordringen von Neubauten in den Jahr-
zehnten nach dem Zweiten Weltkrieg war auch
hier nicht völlig zu verhindern. Als Folge eines
Brandschadens riss man das in exponierter
Ecklage an der Rackerstraße stehende Dielen-
haus mit dem begradigten Renaissancegiebel
Nr. 35 1951 ab. Moderner Architektur mussten
beispielsweise 1955/56 die beiden Giebelhäu-
ser Nr. 12, 12a und Nr. 20 sowie auf der Süd-
seite das klassizistische, zweigeschossige
Traufenhaus zu sieben Achsen Nr. 31 weichen.
Ebenso begleiten den westlichen Ausgang der
Straße neue, backsteinverblendete Wohn-/
Geschäftshäuser, wobei das von vier kleinen
Giebeln überfangene der Südseite einen zwei-
geschossigen, sechsachsigen Backsteinbau
des 18.Jh. unter Walmdach ersetzte, der zum
Komplex des Heiligengeisthospitals gehörend
1968 abgebrochen worden war. Immerhin wer-
den die dem Lambertiplatz zugewandten und
daher mit städtebaulich größerer Präsenz
behafteten Eckgrundstücke von historischen
Wohnhäusern besetzt, deren Gestaltung dieser
besonderen Situation Rechnung trägt (Nr. 26,
27). Als hoch aufragende, sorgfältig detaillierte
Architektur mit gestalterischem Schwerpunkt
auf dem obersten Geschoss erfüllt vor allem das
Haus Nr. 27 seine platzgestaltende Funktion in
handwerklich anspruchsvoller Ausführung.
Heiligengeiststraße 5. Bereits 1469 ein Schmie-
dehaus auf der Hausstätte erwähnt, die bis
1872 im Besitz von Schmieden blieb. 1881 i von
H. Matthies für die Gebr. Leppert (Seifenfabrik)
auf dem rückwärtigen Grundstück Grapengie-
ßerstraße 47 ein Wohn- und Lagerhaus in spät-
klassizistischer Formensprache errichtet. Das
Erdgeschoss des zweigeschossigen Ziegelroh-
baus mit Drempel und Satteldach entgegen der
ursprünglichen Lagerfunktion 1933 unter dem
neuen Eigentümer, der Vereinsbank Lüneburg,
durch den Architekten R. Tödter zur Wohnung
ausgebaut. Dabei die drei Fenster rechts des
links gelegenen Eingangs eingesetzt. Der ge-
stalterische Akzent der vierachsigen, ausgewo-
gen proportionierten Südfassade liegt auf dem
Obergeschoss, der Beletage, die ein Anthe-
mionfries vom Erdgeschoss trennt. Die Wand-
fläche reliefieren aufgelegte Fensterrahmen mit
Pilastern und gerader Verdachung der Fenster,
während die vier höhengestaffelten Fenster im
Drempel mit Bogenbegleitprofil rundbogig
schließen. Kräftig vortretender Konsolfries ent-
lang dem Ortgang und Akrotere auf den abkni-
ckenden Giebelkanten. Eingetieft im Giebel-
dreieck ein Medaillon mit Hexagramm und der
Initiale „L“. Bauzeitliche Ausstattung mit Treppe,
Fenster und Türen im Obergeschoss. In den
zwei südlichen Räumen außerdem als Wand-
abschluss eine Stuckleiste sowie eine Mittel-
rosette, in denen sich die am Außenbau ver-
wendeten Formen von Anthemion- (südwest-
licher Raum) und Konsolfries wiederholen.

Heiligengeiststraße 8, Südfassade


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