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nung als Warmluftabzug für den oberen Raum.
Die frühere Küche, anhand des Balkenwech-
sels und des ablesbaren Rauchfangverlaufs zu
lokalisieren, war von den beiden Stuben durch
Fachwerkwände in Zierausfachung getrennt.
Vor der hinteren Stube ist die Dielenwand im
unteren Bereich gemustert ausgefacht, im obe-
ren Bereich mit hochkant gestellten Kloster-
formatsteinen. Die hofseitig einst von einer gro-
ßen Fensteranlage belichtete Hinterstube zeigt
in der Ostwand eine flache, raumbreite Nische,
deren Segmentbogen aus dunkel glasierten
Tausteinen besteht. Ihre Decke schmückt eine
von schwarzen Schattenlinien begleitete, blau-
graue Akanthusmalerei des 18.Jh. mit orange-
farbenen Blüten auf weißem Grund und ocker-
farbenen Begrenzungsbändern. Darunter liegt
eine manieristische Malerei in Brauntönen. Das
Obergeschoss ist über eine vor der Westwand
verlaufende Treppe mit barockem Brettdocken-
geländer erreichbar. Die Nischenkonstruktionen
der Seitenwände im Obergeschoss mit Vier-
telkreissteinen aufgeführt. Im südwestlichen
Raum Stuckleiste mit Blattornament. Dachwerk
als zweifaches Sparrendach mit angeblatteten
Kehlbalken, gezapftem First und abgespreizten
Aufschieblingen auf der östlichen Traufseite auf-
geschlagen und mit langen Windrispen ausge-
steift. Im ersten Dachgeschoss einfach stehen-
der Stuhl, dessen Stützen abgefaste Sattel-
hölzer besitzen.

Lüner Straße 12. Hausstätte, auf der bereits im
16.Jh. ein Brauereibetrieb bestand, der wohl
bis um die Mitte des 18.Jh. weitergeführt
wurde. Die Bebauung in der Folge verändert.
Langgestreckter, traufständiger Trakt an der
Lüner Straße, der unter Einbeziehung einer öst-
lichen Durchfahrtüberbauung entstanden ist.
Dahinter erhebt sich auf der Westseite ein gie-
belständiges, ausweislich der Dachkonstruktion
wohl ins 15.Jh. datierendes, früheres Dielen-
haus. Die Überformung des 18.Jh. könnte mit
einer Baumaßnahme übereinstimmen, für die
der neue Besitzer, der Kramer J. F. Sander,
1775 acht Jahre Schossbefreiung erlangte.
Umfangreiche Instandsetzungs- und Umbau-
maßnahmen einschließlich des Neubaus eines
Hofgebäudes 1988/89 waren mit dem Abbruch
von Hofgebäuden verbunden.
Schlichte, verputzte Südfassade mit sechs brei-
ten Obergeschossachsen, die im Osten mit
einem massiven Steilgiebel, im Westen mit
einem Walm abschließt. Das mit einer Putz-
quaderimitation überzogene Erdgeschoss be-
stimmen seit dem Ende des 19.Jh. mehrfach
veränderte Schaufenstereinbauten, u.a. wurde
1912 zugunsten eines zweiten Ladeneinbaus
im Ostabschnitt die Hofdurchfahrt verschmä-
lert; das Ladengeschäft im Westabschnitt erst
1955 eingefügt. Rechts daneben der rundbogi-
ge Haupteingang in einer pilastergerahmten,
rechteckigen Portalrahmung. Den giebelständi-
gen, backsteinsichtigen Trakt unter steilem
Satteldach mit Giebeldreieck in Fachwerk

kennzeichnet an der östlichen Traufseite der
Aufriss des Dielenhauses mit hohem Erd- und
niedrigem Speichergeschoss.
Unter dem traufständigen Trakt zweischiffiger,
firstparalleler Keller aus zwei, durch eine z.T.
zugesetzte Viererarkatur miteinander verbunde-
nen Segmentbogentonnen. Einen nach Norden
folgenden, nordsüdlich orientierten Raum über-
decken ebenso wie den rechtwinkelig nach
Westen anschließenden je zwei Kreuzgratge-
wölbe. Das Innere, im Rahmen der Hotel-
nutzung verändert, wird über eine barocke
Treppe mit ornamental ausgesägten Wangen
erschlossen und bewahrt einzelne Ausstat-
tungselemente wie z.B. Stuckdecken. Im
Haupthaus dreifaches Kehlbalkendach mit
angeblatteten Kehlbalken und geblattetem
First, das lange Windrispen mit handgeschmie-
deten Nägeln aussteifen. Ausgebautes erstes
Dachgeschoss mit einfach stehendem Stuhl auf
abgefasten Stützen und Sattel hölzern.
- Wirtschaftsgebäude mit Bausubstanz wohl
des 18.Jh. Über massivem Erdgeschoss ein
Fachwerkobergeschoss, das an der sechs Ge-
fach langen Traufseite mit Schwelle-Ständer-
Streben in den Eckgefachen abgezimmert ist.
Lüner Straße 14. Zweigeschossiges Wohn-
haus, erbaut 1866 auf dem Areal des Schar-
nebecker Hofs; eine 1993 auf dem Grundstück
durchgeführte Grabung legte einen in Fisch-
grätmuster gestalteten, jedoch nicht zu datie-
renden Backsteinfußboden frei. Hingegen

Lüner Straße 15, Pfarrhaus mit Konfirmandensaal


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