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Die für Gutshöfe typische frühe Trennung von
Wohnhäusern und Wirtschaftsgebäuden wird
auch durch das dem Herrenhaus gegenüberlie-
gende Wohnwirtschaftsgebäude (1905) darge-
stellt, dessen Wohntrakt, der dem Verwalter zu-
gedacht war, sich im Gegensatz zu dem übli-
chen Hallenhaus aus zwei aneinander gebauten
aber unterschiedlich ausgerichteten Gebäude-
trakten zusammensetzt. Das zweigeschossige
Wohnhaus wendet seinen Schmuckgiebel mit
Treppenanlage und turmartigem Erkervorbau
dem Herrenhaus zu; der 1 1/2-geschossige
Wirtschaftstrakt erstreckt sich nach Süden. Bei-
de Gebäudeteile sind in einheitlichem Stil auf
hohem Quadersockel aufgebaut, mit einem Erd-
geschoss in teilweise (Wohnhaus) verputztem
Ziegelmauerwerk. Die durch zahlreiche Ladelu-
ken unterbrochene Drempelzone, bzw. das auf
Balkenköpfen auskragende Obergeschoss wird
geprägt durch aufwendiges historisierendes
Fachwerk, u.a. mit in die Fußbänderreihen ein-
gelassenen Fächerrosetten und unterschiedlich
hohen Wandstreben. Die Dachzone weist allsei-
tig flache Schleppgauben auf und trägt über
dem südlichen Halbwalmgiebel einen barock
anmutenden Dachreiter mit Glocke, Uhr und
Wetterfahne.
Stall und Remise entstanden ebenfalls 1905 in
gleichem Stil; die Gebäude liegen unter Halb-
walm- bzw. Satteldach, sind in Ziegel errichtet
und zeigen verputztes Zierfachwerk im hofseiti-
gen Drempel und Giebelfeld.
Die am östlichen Zuweg gegenüberliegende, zu
Anfang des 19.Jh. errichtete, langgezogene
Fachwerkscheune ist das älteste Gebäude
dieser sehr viel älteren Hofstelle. Ihr schlichtes
Gefüge mit den hohen Eckständern weist Ver-
änderungen im Bereich der Längsdurchfahrt
bzw. der zweiten giebelseitigen Einfahrt auf.


Frankenfeld, Preuß. Landesaufnahme, 1897 (Landesvermessung und Geobasisinformation Niedersachsen)


Frankenfeld, Frankenfeld 2, Gutshof, Toranlage, 1880

FRANKENFELD-BOSSE/NEU-BOSSE

Die landschaftlich unverwechselbare Lage der
fünf Höfe an der engsten, nur 250 Meter breiten
Stelle zwischen den Allerufern, am Anfang der
fast kreisrunden Allerschleife gegenüber dem
Böhmezufluss kennzeichnet den alten Dorfkern
von Bosse. Mit den weiter südlich entlang
schnurgerader Straßen planmäßig angelegten
Einzelhofstellen von Neu-Bosse stellt sich offen-
bar eine im frühen 19.Jh. begonnene Aussied-
lungspraxis aus dem zu klein gewordenen Dorf-
kern dar.
Die zwei Kilometer östlich von Frankenfeld gele-
gene Siedlung wird über die ost-west-gerichtete
LI 57 erschlossen und ist an diese durch die
schnurgerade nach Norden führende Eichenal-
lee der Kl 09 angebunden, die sich erst in Aller-
nähe deren gekrümmtem Verlauf anpasst. Das
heute überteerte Straßenpflaster aus behauenen
Feldsteinen ist noch an den Rändern der Er-
schließungsstraße zu erkennen.
Urkundlich wird Bosse 1261 als Bordeslo und
bis 1628 auch als Bortelse oder Bortelschlo
erwähnt. Der Name könnte auf eine Siedlung
am Ufer (bord) und Wald (loh), d.h. auf seine La-
ge auf den Talsanden der Niederung zwischen
Allerufer und ausgedehntem Waldgebiet der
Schotenheide hindeuten. Das ursprüngliche


Uli


Frankenfeld, Frankenfeld 1, Wohnwirtschaftsgebäude, 1905

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