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Fenster der Südseite belichtet wird, ist vom
Chor durch einen halbkreisförmigen Triumphbo-
gen getrennt. Die bemalten Gewölberippen aus
Backstein ruhen hier auf Pfeilervorsprüngen.
Leider ist die reiche Malerei auf den Gewölbe-
wänden u.a. wohl durch die Feuchtigkeit viel-
fach zerstört.
Über Jahrhunderte wurden Teile der Innenaus-
stattung von der Hodenbergschen Familie ge-
stiftet, wie die hölzerne Altarwand mit Kan-
zelaltar im Rokoko-Stil von 1769. Wertvolle stei-
nerne Epitaphe mit Darstellungen der Verstorbe-
nen und Grabplatten des 16.Jh. sind an den
Wänden aufgestellt. Das hölzerne Kruzifix vom
Ende des 15.Jh. ist z.Zt. zur Restaurierung
entfernt.
Der kleine Friedhof auf der Südseite der Kirche
ist in der 2. Hälfte des 19.Jh. durch eine neue
Anlage im nördlichen Erweiterungsgebiet jen-
seits der Bahnhofstraße entlastet worden. Diese
rechteckige, von einer Ziegelmauer umgebene
Friedhofsanlage liegt am Ende einer schmalen
Ahornallee, dem Ahornweg, und wird durch ei-
ne von neogotischen Sandsteinpfeilern getrage-
ne fabrikeiserne Eingangspforte betreten. Frü-
heste Grabkreuze ab 1850, immergrüne Gehöl-
ze und Hecken sowie Steinfassungen kenn-
zeichnen diesen ältesten Teil der Anlage, die
unter Entfernung der östlichen Umfassungs-
mauer in jüngerer Zeit erweitert worden ist.
Interessant ist eine mit einem Figurenrelief
behauene Grabstele von 1930 außerhalb der
historischen Anlage.
Gut Wiedenhausen
Im Norden Hodenhagens, südwestlich der
Einmündung der L 159 in die L 190, und einge-
bettet in den als Wiedenhausener Wald bezeich-
neten Ausläufer der Ahrensheide, liegt eine
weitere ehemalige Gutsanlage, die zuvor jedoch
der Gemeinde Riethagen angehörte. Sie ist
1237 wohl erstmals urkundlich erwähnt worden.
Gemäß weiterer Urkunden gelangte sie 1492
ebenfalls in den Besitz der Familie von Hoden-
berg, die den adlig freien, landtagsfähigen Hof
etwa bis 1840 besaß.

Der ehemals über 300 Hektar große Besitz stellt
sich auch heute noch als eine weitläufige Anlage
mit ehemaligen Garten- und Parkflächen sowie
ausgedehnten Waldgebieten dar. Im Westen
und Süden wird sie vom Wiedenhausener Bach
begrenzt und etwa mittig vom Döhrbruchsbach
geteilt. Die Zufahrt von Osten ist durch die brei-
te, mit Durchfahrt und seitlichen Eingängen
symmetrisch gestaltete Toranlage geschlossen.
Sie ist um 1900 in historisierenden, reich geglie-
derten Formen in massivem Ziegelmauerwerk
u.a. mit glasierten Formsteinen errichtet worden.
Kernstück der Anlage ist das, auf gleicher Höhe
mit dem Tor hinter einer ehemaligen Vorfahrt
liegende, nord-süd-gerichtete Wohnwirtschafts-
gebäude aus der Zeit um 1750, das nach
Süden mehrfach verlängert wurde. Der
Ursprungsbau ist ein breit gelagertes Vierstän-
der-Hallenhaus unter Halbwalmdach, das
derzeit vollständig zum Wohnen genutzt wird
und jetzt kleine Dachgauben sowie gefachgroße
Fenster im ehemaligen Wirtschaftsgiebel hat.
Die fast gleich großen quadratischen Gefache
auf der westlichen Trauf- und Giebelseite
werden durch regelmäßige Fußstreben verstärkt.
Das Giebeltrapez kragt hier auf Dachbalken
über der mittigen, wohl veränderten Toreinfahrt
aus. Die Veränderung der östlichen Traufseite
mit den hohen Fenstern und der hell gestriche-
nen vertikalen Verbretterung ist möglicherweise
um 1900 gleichzeitig mit der südlichen zweige-
schossigen Verlängerung des Wohnwirtschafts-
gebäudes unter Satteldach entstanden. Dieser
Bauteil hat vielleicht die Lücke zu dem älteren
quergelagerten, ebenfalls zweigeschossigen
und holzverkleideten Kopfbau gefüllt. Dieser auf
Sandsteinquadern gegründete Baukörper mit
schmalem Grundriss aus dem frühen 19.Jh.
erinnert auch mit der ausladenden holzverschal-
ten Traufe des hohen Walmdaches an das
Wohnhaus auf Gut I in Hudemühlen und symbo-
lisiert wie dort das Wohnen in einem Herren-
haus. Die giebelseitig vorgelagerte hölzerne
Veranda wurde zu Beginn des 20.Jh. angebaut
bzw. erneuert - ebenso der polygonale Zelt-
dachpavillon, der wie die Veranda mit Kopf-
bandverstrebungen an den Stützen und Brüs-
tungskreuzen verziert ist. Dieser schiebt sich am
Ostgiebel in die von Baumbewuchs umgebene

Hodenhagen, Gut Wiedenhausen, Scheune und Stall


weitläufige Rasenfläche vor, die ehemals Teil der
ausgedehnten Parkflächen war.
Jenseits des nordseitig anschließenden Wirt-
schaftshofes steht - durch eine schöne Ziegel-
steinmauer mit Formsteinabdeckung mit dem
Haupthaus verbunden - die quergelagerte,
überwiegend wohl in der 2. Hälfte des 19.Jh.
errichtete Fachwerk-Scheune des Gutshofes,
mit drei Querdurchfahrten. Zwischen dem
jüngeren Ostgiebel mit Satteldach und einem
massiv ersetzten Erdgeschoss im Westen sind
Teile der älteren Oberrähmkonstruktion mit
eingehälsten Ankerbalken erkennbar. Der nord-
seitige Stall ist in gleicher Art wie sein Gegenü-
ber um 1900 in Ziegelbauweise mit Fachwerk-
drempel und großem Zwerchhaus aufgeführt
worden.
Er bildet mit dem vollständig renovierten ehern.
Verwalterhaus den Auftakt zu einer Eichenallee,
die geradlinig nach Norden zu der ehemaligen
Schäferei führt, in deren Achse eine schön
gewachsene alte Eiche als Point de Vue steht.
Kurz davor überquert der von weißen Feldstei-
nen markierte ungepflasterte Weg den Döhr-
bruchsbach auf einer 1831 erbauten, flachen
Bogenbrücke aus Sandsteinquadern, deren
Holzgeländer aber desolat ist.
Die ehemalige Schäferei selbst besteht aus
einem langgestreckten Fachwerkgebäude unter
Halbwalmdach, das wohl in der 1. Hälfte des
19.Jh. errichtet wurde. Angrenzend liegen
Rasenflächen, die auch hier im Westen von
Wald begrenzt wurden.

HODENHAGEN-ALT RIETHAGEN

Der Dorfkern der ursprünglich selbstständigen
Gemeinde liegt am Nordufer der mäandrieren-
den Aller und ist seit den sechziger Jahren voll-
ständig eingedeicht. Seine Lage auf den erhöh-
ten Talsanden im ständig sich wandelnden
Mündungsgebiet der Meiße in die Aller hat wohl
auch hier eine frühe Besiedlung möglich
gemacht. Weit bis ins 20.Jh. hinein haben

Hodenhagen, Gut Wiedenhausen, Toranlage, um 1900


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