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Bothmer gehörte dem Kirchspiel Schwarmstedt
innerhalb des Archidiakonats Ahlden an bzw.
seit der Gründung im 17./18.Jh. der Amtsvogtei
Essel und ging wie diese 1814 an Bissendorf
und seit der Amtsreform 1852 zum Amt Ahlden,
bis 1885 die Landkreise gegründet wurden.
Tatsächlich konnte sich die historische Parzel-
lenstruktur aufgrund der o.g., abseits der alten
Dorflage erfolgten Siedlungsentwicklung weitge-
hend behaupten. Mit Hilfe von historischen
Planunterlagen lässt sich daher auch heute
noch die klare Ordnung einer herrschaftlichen
Kernsiedlung erkennen, die zunächst auf zwei
und durch Teilung (um 1300) auf vier mittelalterli-
che „Sedelhöfe“ - Güter l-IV, allesamt ehemalige
Lehen des Landesfürsten - zurückgeht. Mit den
zugehörigen Kothöfen und Sonderhofanlagen
und eine übliche geistliche Hofanlage, welche in
bischöflich mindischem Besitz war und später
dem Kloster Mariensee gehörte, war die Sied-
lung vollständig. Weitere Teilungen bzw. Zu-
sammenschlüsse haben zu den heutigen Struk-
turen geführt. 1858 werden außer vier adlig
freien landtagsfähigen Höfen noch 28 pflichtige

Hausstellen und eine Schule beschrieben. Seit
der Zeit der Verkopplung und Gemeinheitstei-
lung im Jahre 1813 haben im Dorfkern kaum
Grundstücksveränderungen stattgefunden; bis
auf wenige Erschließungen für Neubauten der
jüngsten Zeit am nördlichen und östlichen Dorf-
rand. Am Bahnhofsweg, am Ende der Dorfstra-
ße Vor dem Felde ist bereits nach dem Ersten
Weltkrieg die Gedenkstätte für die Kriegsopfer in
Form eines aus Findlingen aufgeschichteten
Obelisken errichtet worden.
Der alte Dorfkern liegt am Rande einer erhöhten,
bewaldeten ehemaligen Dünenlandschaft, die
sich hier im Dreieck südlich vom Zusammen-
fluss der Leine und Aller (bei Hademstorf) gebil-
det hat. Sie wird durchschnitten von der 1905
eröffneten Bahnlinie Schwarmstedt-Verden, die
einen großen Aufschwung für die Region ge-
bracht hat, seit 1988 jedoch stillgelegt ist. Süd-
lich der im Zweiten Weltkrieg hart umkämpften
stählernen Eisenbahnbrücke, die im Norden des
Dorfkerns bei der Bothmer Mühle die Leine
überquert, ist die kleine Zwillingsbogenbrücke
erhalten, die im Bereich des Überschwem-

mungsgebietes einen Durchlas bietet. Sie ist
kurz vor 1905 aus Rotziegeln und Sandstein-
quadern erbaut worden. Ein gusseisernes Stan-
gengeländer ist zwischen den Sandsteinpfeilern
an den Brückenenden angebracht.
Von der Leinebrücke aus, die mit der prächtigen
Lindenallee die Verbindung zur sog. Bothmer
Mühle des Dorfes Bothmer (aufgrund histori-
scher Besitzverhältnisse auf Giltener Gemeinde-
gebiet, siehe dort) herstellt, erscheint hinter den
flachen ostseitigen Leinewiesen die weitgehend
unveränderte Dorfansicht auf etwas ansteigen-
dem Gelände. Mit dem stattlichen Herrenhaus
des ältesten Gutes nebst Kapelle und altem
Baumbestand als prägende Elemente.
Zu dem großen, sich östlich der Leinewiesen
erstreckenden Areal von Gut I (Steindamm 15)
gehören außer dem zurückliegenden Haupthaus
in parkähnlichem Garten, der östlich einer Zu-
fahrtsallee anschließende Wirtschaftshof mit
dem großen straßenseitigen Wohnwirtschafts-
gebäude und teilweise aneinander gebauten
Wirtschaftsgebäuden noch die ehemalige
Gutskapelle, die östlich der Zufahrt nah am
heutigen Straßenrand steht. Ursprünglich soll
der Hof mit den nördlich anschließenden drei
Gütern eine gemeinsame Hoffläche gehabt ha-
ben. Die alte Eichenallee führt direkt auf das au-
ßermittige Eingangsportal des laut Datierung
1595 in Fachwerkbauweise errichteten Herren-
hauses zu, dem eine 7-stufige gerundete Frei-
treppe vorgelagert ist. Der zweigeschossige,
aus acht Achsen bestehende Baukörper ist hier
auf einem erhöhten Platz auf einem (zu dreivier-
tel unterkellerten) kräftigen Raseneisensteinso-
ckel errichtet worden. Sein eher schlichtes aber
kräftiges, von unregelmäßig angeordneten Fuß-
streben gegliedertes Fachwerk ist insbesondere
im Bereich der deutlichen Vorkragungen von
Renaissanceformen geprägt, wie die geschnitz-
ten Eierstabmotive auf umlaufendem Rähm oder
die Zahnschnittprofilierungen der Füllungen. Eine
Ausnahme bildet der Westgiebel, der möglicher-
weise an Stelle eines Westflügels wenig später
in massivem Ziegelmauen/verk gleichzeitig mit
dem Treppenturm an der Südwestecke entstan-
den ist. Beide zeigen mehrfache Gesimsgliede-


Bothmer, Alte Dorfstr. 17, ehern. Hofanlage


Bothmer, Steindamm 15, Herrenhaus, 1595


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