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des 18.Jh. in Walsrode, als schlichtes, stattlich
wirkendes, zweigeschossige Fachwerkgebäude
unter Walmdach auf einem hohen Ziegelsockel
errichtet. Der mittige Hauseingang auf der
östlichen Traufseite wird über eine erneuerte
Treppenanlage erreicht. Besonders auf der
Südseite sind Wandteile massiv ersetzt und mit
modernem Behang verkleidet worden. Hinter
der noch feldsteingepflasterten Straßenkurve
und Resten einer ehemaligen Umfassungsmau-
er gelegen, lässt das alte Amtshaus zusammen
mit dem nahen Kirchenbaukörper einen kleinen
Teil der historischen Situation erkennen. Der
südseitig anschließende frühere Amts-Vorplatz
wird von einem ehemaligen Pförtner- und Depu-
tatshaus des Klosters abgeschlossen, das sich
auf einem Gartengrundstück giebelständig an
die Klostermauer lehnt. Der heute als Wohnhaus
genutzte, eingeschossige, langgestreckte Fach-
werkbau unter Halbwalmdach, Am Kloster 2, ist
vermutlich bereits im späten 18.Jh. entstanden.
Um 1890 ist er u.a. wohl vertikal verbrettert und
durch zwei, die Eingänge betonende Zwerch-
häuser mit dekorativem Giebelgesprenge erwei-
tert worden. Aus dieser Zeit sind Fenstereinbau-
ten und Türen sowie eine vollständige Ausma-
lung der Eingangsdiele mit Landschafts- und
Tiergemälden des ortsansässigen Malers H.
Eggers erhalten.
Jahrhundertelang war die Klostermühle östlich
des Platzes als wohl älteste der Walsroder
Mühlen in ihrer Funktion nicht nur für das Stift
selbst sondern auch für die städtischen Bewoh-
ner von großer Bedeutung. Die aus Wohnhaus
und Kontor bestehenden zweigeschossigen
Mühlengebäude einschließlich eingeschossigem
Turbinenhaus und Wehr, Am Kloster 3/5, sind
1932 als einheitliche Anlage auf der alten Parzel-
le des Mühlenhofes aufgebaut worden, nach-
dem die Vorgängerbauten infolge zahlreicher
Brände zerstört worden waren, zuletzt 1922 der
mit zwei mächtigen Wasserrädern ausgestatte-
te, 1743 neu erbaute Fachwerkbau (siehe an
der Fassade angebrachte Steintafel).
Die straßenseitig neu verputzten und mit
einscheibigen Fenstern ausgestatteten Gebäude
werden u.a. von risalitartigen Vorbauten, einer

Walsrode, Am Kloster 3/5, Mühlenwehr, 1932


vierachsigen Pfeilergliederung, einem von Säu-
len getragenen Balkon bzw. einer hölzernen
Veranda reich gegliedert. Das Walmdach weist
zahlreiche Dachausbauten auf. Die gleichzeitig
im Stil der dreißiger Jahre eingebaute Haustür
weist auf eine ebensolche Ausstattung innerhalb
des Hauses hin. Das schlichte, lisenengeglieder-
te Turbinenhaus mit nordseitigem Wehr über-
windet auf zwei Segmentbögen den Fluss und
flankiert den Brückenweg auf die von Mühlen-
graben und Böhme umflossene, immer noch
unbebaute Insel, die sog. „Bleiche“. Weiter
oberhalb bei dem Abzweig des Mühlengrabens,
zu Beginn der dortigen Quintusstraße, wird die
Böhme durch ein altes, 1925 auf Fundamenten
von 1739/92 wieder aufgebautes Schützenwehr
in den sog. Schleusen -„Kolk“ aufgestaut. Diese
früher sog. „Sternsche-Frey“-Schleuse (vgl.
„Sterns Freyer Hof“, Lange Straße 29) wird
durch drei hölzerne, durch Eisenträger verstärk-
te Zahnstangen bewegt. Das vom Kolk umflos-
sene, ehemalige kleine Brauhaus (18.Jh.) am
Wehr ist 1907 und 1910 durch ein zweiteiliges
und zweigeschossiges Wohn- und Geschäfts-
haus, Quintusstraße 2, ersetzt worden. Dessen
verputzter Ziegelbaukörper wird straßenseitig
durch helle profilierte Putzrahmungen und
Stockwerkgesimse sowie durch Eckverquade-
rungen gegliedert, während zum Wasser hin
niedrigere Gebäudeteile in Fachwerkkonstruk-
tion auf hohem Bruchsteinsockel und verputz-
tem Untergeschoss das Bild prägen.
Der große, in unterschiedliche Zonen eingeteilte,
gepflasterte Kirchenvorplatz nordöstlich der
Kirche, der bis zu seiner Auslagerung 1815 als
städtischer Friedhof gedient hat, ist heute u.a.
Standort des sog. Weifendenkmals. Dieses ist
1865 in neugotischem Stil zu Ehren des Besu-
ches der Königlichen Preußischen Familie in
Walsrode aufgestellt worden. Ein Denkmal wur-
de 1915 in Form eines Findlings für den bedeu-
tenden Walsroder Pastor Ludwig Harms aufge-
stellt. Weitere, für die Stadtgeschichte bedeu-
tende Gedenksteine stehen in dem Stadtwald
Eckernworth, wie der kleine Obelisk zum Ge-
denken an F. L. Jahn von 1878, Hermann-
Löns-Straße sowie das auf einer Anhöhe 1911
errichtete Bismarck-Denkmal südöstlich der

Verdener Straße, welches aus Granitsteinen
aufgemauert und ringartig von Granitpfeilern und
Bäumen umgeben ist.
Noch immer fasst eine durchgehend zweige-
schossigen Wohn- und Geschäftsbebauung die
Kirchplatzfläche ein, die, wie früher zum Stra-
ßenraum, von einem Fußweg mit Doppelallee
gesäumt wird.
Die südliche Platzwand bildet das auf stumpf-
winkligem Grundriss errichtete Schulgebäude
Kirchplatz 4. Es ist 1897 eingeweiht worden
und setzte eine lange Tradition Walsroder Schu-
len an dieser Stelle fort, die mit einer 1490 er-
wähnten, vorreformatorischen Schule am Fried-
hof begann und über die 1611 am heutigen
Standort errichtete Lateinschule sowie deren
1718 und 1818 erfolgten Neubauten reicht. Der
heute von der Volkshochschule benutzte Bau ist
ein zweigeschossiger massiver Ziegelbau mit
neugotischen Stilelementen, dessen symme-
trisch gegliederte Gebäudeflügel unter spitzem
Satteldach zu beiden Seiten des mittigen
Haupteingangs am Ende von quergestellten
Trakten abgeschlossen werden.
Auf der nördlichen Platzseite stehen das 1920
an Stelle des alten Pfarrhauses erbaute, einge-
schossige, verputzte und klar gegliederte Ge-
meindehaus Kirchplatz 6 sowie das benachbar-
te Eckgebäude zur Brückstraße, Kirchplatz 8.
Dieser durch die Ecklage und das ungewöhnlich
gesetzte Zierfachwerk im Obergeschoss stra-
ßenbildprägende Fachwerkbau hat wahrschein-
lich im Erdgeschoss einen älteren Kern, der
wohl um 1900, gleichzeitig mit dem allseitig auf
Balkenköpfen auskragenden Obergeschoss, mit
einer hölzernen quaderimitierenden Holzver-
schalung bekleidet worden ist.
Die Häuserzeile auf der Westseite jenseits der
Straße, Kirchplatz 1-17, bildet den Übergang
zur Bebauung der Innenstadt. Nach deren
Brand sind die Gebäude um 1760 entlang der
leicht gekrümmten Straßenfront etwa parzellen-
gleich wieder aufgebaut worden. Diese Grund-
struktur ist zwar erhalten geblieben, sie wird
aber von den parzellenübergreifend dimensio-


Walsrode, Am Kloster 3/5, Mühlenanlage, 1932

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