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Orte Groß- und Klein Eilstorf), welcher wohl von
Erlenbruch abgeleitet wurde. Groß Eilstorf ge-
hörte 1669 dem Gericht Boitzen im Amt
Rethem an und somit dem Kirchspiel Kirchboit-
zen mit der dortigen Pfarrkirche.
Die Lage an der wichtigen historischen Handels-
straße von Harburg/Lüneburg über Nienburg
nach Minden bewirkte wohl bereits im Mittelalter
eine gewisse Bedeutung des Ortes. Heute wird
die Ortschaft von der überregional bedeutenden
Bundesstraße B 209 in Ost-West-Richtung
durchschnitten. Diese wird gesäumt von den
meist um 1900 entstandenen repräsentativen
Ziegelbauten und ihrer straßenbegleitenden
Grundstücksmauern. Im Laufe der Zeit hat sich
das ehemals ausschließlich südlich der Dorf-
durchfahrt gelegene Haufendorf auf die gegen-
überliegende Straßenseite ausgedehnt (dort
sind u.a. Wohnwirtschaftgebäude mit hohem,
reetgedeckten Dach erhalten). Im Bereich der
leichten Straßenabknickung zwischen Schule
und Gasthof bildet sich mit einer Reihe von
Hofanlagen auf langgestreckten Parzellen eine
Art Dorf- oder Ortsmitte (Nrn. 11, 12, 13 und
15).
An der östlichen Straßenkreuzung steht das
kleine Feuerwehr- oder Spritzenhaus, ein Fach-
werkbau vom Ende des 19.Jh. (auf der nach
Norden hin ansteigenden Straßenseite). Im
Westen ist auf einer bewaldeten, früheren Hof-
stelle vermutlich um 1950 das aus Findlingen
gemauerte Kriegerdenkmal zur Ehrung der
Toten beider Weltkriege aufgestellt worden. Der
von Westen heranreichende Wald greift auf die
langgestreckten Grundstücke mit den Hofanla-
gen über. Im Mittelpunkt der Drei- bzw. Vierseit-
Hofanlagen stehen jeweils die nach Süden zur
Straße hin orientierten Hauptgebäude, die über-
wiegend im letzten Viertel des 19.Jh. erbaut
worden sind. Dies sind auf Hof Nr. 11 und 12
die Wohnwirtschaftsgebäude von 1902 und
1894, welche wie auch die benachbarten Ge-
bäude ihrer Zeit, entsprechend in der Art eines
Vierständer-Hallenhauses in Ziegelbauweise er-
richtet wurden. Insbesondere das traufständig
angeordnete Gebäude Nr. 11 prägt durch seine
Lage auf jenem Eckgrundstück das Ortsbild

entscheidend mit. Diese Wirkung wird verstärkt
durch den repräsentativen, vorgezogenen und
erhöhten Eingangsvorbau unter einem breit
gelagerten Zwerchhaus mit zahlreichen Zierele-
menten. Eine ausdrucksvolle Giebelansicht mit
mittigem, korbbogig gerahmten Einfahrtstor und
reichem Putz- und Ziegeldekor, kommt bei der
giebelständigen Bauweise des Nachbargebäu-
des Nr. 12 noch stärker zum Ausdruck.
Auf Hof Nr. 11 steht das älteste datierte Gebäu-
de dieses Bereichs. Es ist ein Speicher mit
Drempelgeschoss von 1768, dessen in Hoch-
rähmkonstruktion mit durchgesteckten Anker-
balken errichtetes Gefüge von eckständigen
Kopfbändern verstärkt wird. Neue Ziegelausfa-
chungen ermöglichen eine zeitgemäße Wohn-
nutzung. Ähnlich alt ist der gegen Ende des
18.Jh. erbaute Speicher auf der Hofparzelle
Nr. 7 im älteren Dorfkern südlich der Ortsdurch-
fahrt. Seine eingeschossige Oberrähmkonstruk-
tion weist neben Verbretterungen desolate Gefa-
che mit Lehmstakung sowie Kopfbänder an
allen Tragständern auf. Die nordseitige Hofein-
fahrt von Nr. 12 wird begleitet von dem um die
Mitte des 19.Jh. ebenfalls in Oberrähmkonstruk-
tion entstandenen Speicher/Scheune. Dieser ist
einschließlich der traufseitigen Erweiterungen
vollständig verbreitert. Einige der Nebengebäu-
de dieses Bereiches sind im 19.Jh. in Fach-
werk- oder Massivbauweise errichtet worden,
wie der Stall von 1902 und die Remise von
1825 auf Hof Nr. 11 bzw. das Häuslingshaus
von 1873 auf Hof Nr. 12. Auf den Hofanlagen
stehen darüber hinaus auch einige der Nachfol-
gebauten der insgesamt 52 im Zweiten Welt-
krieg zerstörten oder beschädigten Gebäude.
Auf dem Brink am südwestlichen Ortsausgang,
wo sich seit der Wende vom 19. zum 20.Jh.
und besonders in der Nachkriegszeit ein ver-
dichtetes Wohngebiet entwickelt hat, lag das
frühere Scheunenviertel. Hier auf der kleinen
Hofparzelle Nr. 53 mit historischem Scheunen-
rest steht, wie auch auf der alten Hofparzelle Nr.
23 in der Dorfmitte, ein traufständig hinter einem
Vorgarten errichtetes, repräsentatives Wohn-
haus. Beide erinnern durch ihre zahlreichen Zier-
elemente an die zuvor erwähnten Wohnwirt-


schaftsgebäude. Es sind kleinere eingeschossi-
ge Rohziegelbauten von 1910 bzw. 1905, deren
Schauseiten durch zwerchhausbekrönte Ein-
gangsvorbauten betont werden. Putzquaderung
an den Gebäudeecken, Fenstern und Gesimsen
sowie Zierziegelsetzungen und Ortgang-Sub-
struktionen unterschiedlicher Ausprägung (Nr. 23
mit säulengefasstem Eingang) tragen auch hier
zu einer repräsentativen Erscheinung bei.
WALSRODE-HAMWIEDE

Das kleine, 242 Einwohner zählende Haufendorf
am westlichen Rand des Stadtgebietes von
Walsrode liegt in der Reihe mit den Nachbaror-
ten aufgereiht auf der Ostseite parallel zur Auen-
landschaft des Flusses Lehrde. Dieser kommt
von Nordosten und bildet neben einer natür-
lichen und historischen Grenze heute die politi-
sche Grenze der Stadt bzw. des Landkreises
Soltau-Fallingbostel und Verden. Etwa drei Kilo-
meter südlich der Ortschaft verläuft die Auto-
bahn A 27 nach Bremen und schneidet die
schon zur alten Bauernschaft von Hamwiede
gehörende Doppelhofanlage Owe ab. Beide
Siedlungen gehörten innerhalb des Amtes
Rethem dem Gericht bzw. der Gografenschaft
Boitzen an und kamen nach der Amtsreform an
das Amt Fallingbostel. Wie die südlichen Dörfer
im Stadtgebiet war Hamwiede ebenfalls nach
Kirchboitzen eingepfarrt.
Die hochgelegene Geest mit ihren ausgedehn-
ten Heide und Waldflächen und dem vorgela-
gerten Marschland des Flusses bot hier bereits
in der Steinzeit ausgezeichnete Siedlungsbedin-
gungen. So hat man nahe Hamwiede auf einer
ehemaligen, etwa 66 m hohen Sanddüne u.a.
Feuerstellen und Hausgrundrisse einer großen
Siedlung aus der beginnenden Eisenzeit um die
Jahrtausendwende freilegen können. Ein altes
Adelsgeschlecht, welches hier eine Burg be-
wohnt haben soll, ist wohl bereits im 13.Jh. aus-
gestorben. 1267 wird Hemwide urkundlich er-
wähnt, später auch als Heymwide und Hamwi-
de. Die Parzellen aller acht ehemaligen Höfe (6
Halb- und 2 Kothöfe), die sich um die alte Stra-
ßenkreuzung in der Dorfmitte gruppieren, sind

Hamwiede, Hamwiede 6, Backhaus, 1739


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