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schoss allseitig kräftig auskragende Stockwerks-
bauweise, die, ebenso im vorkragenden Gie-
beldreieck, von den kräftigen, fein geschwun-
genen und profilierten Fußstreben beherrscht
wird, ist selten in der Umgebung. Die beiden gut
erhaltenen ehemaligen Schafställe (Owe la, in
dem vorgelagerten Eichenhain im Bereich der
Straßenkreuzung von 1732 und Kronsnest 1
von 1729, ganz im Hintergrund des Hofes) sind
etwa gleichzeitig als vollständig verbohlte Ober-
rähmgefüge unter teilweise hohem Dreiviertel-
walmdach errichtet worden.

WALSRODE-HOLLIGE

Die Ortschaft Hollige fügt sich in die Reihe der
nordseitigen der Böhmedörfer gelegenen Dörfer,
die durch die parallel zum Fluss verlaufende
Kreisstraße 118 verbunden sind. Diese sind
außerdem über die nördlich verlaufende B 209
mit der Kernstadt Walsrode sowie mit dem
übergeordneten Straßennetz verknüpft. Die
1910 errichtete Kleinbahn von Verden nach
Walsrode hat nur für eine kurzfristige Anbindung

der Bewohner der Gegend an das Schienennetz
gesorgt, obwohl Hollige nach den Erdölfunden
in der Ahrensheide ab 1965 zum Umschlagplatz
geworden war. Nach der Stilllegung ist die Teil-
strecke Böhme-Walsrode für den Güter-/Öl-
transport erhalten geblieben.
Von der nördlichen, höher gelegenen Geest aus
liegt Hollige versteckt in einem bewaldeten Tal-
einschnitt am Rande der etwa 15 Meter abfal-
lenden Wiesen- und Auenlandschaft der Böh-
me, welche bis zu dem Stau bei Neumühlen
etwa seit 1910 von Regulierungsgräben durch-
zogen wird. Mehrere Wege und Brücken führen
in das Dünengebiet der Ahrensheide am ande-
ren Ufer. Dieses, ehemals zur Viehweidung die-
nenden Heidegebiet, ist seit seiner Kultivierung
ab 1925 fast ausschließlich von Kiefern bewach-
sen.
Eine Gruppe von Hügelgräbern und zahlreiche
Funde neben der Kreisstraße nach Benzen, die
beim Bau der Bahn gemacht wurden, weist die
Gegend als vielfachen Siedlungsplatz mindes-
tens seit der älteren Steinzeit aus. Auch der seit


Hollige, Hollige 5, Hofanlage


1224 urkundlich erwähnte Name „Honlege“
oder „Honlage“ deutet wohl auf seine günstige
„hohe Lage“ hin. Die 19 Höfe von Hollige (1669
drei freie und sechs pflichtige Vollhöfe und neun
Halbhöfe sowie ein Brinksitzer) waren verteilt auf
drei je nach Lage und Bewuchs bezeichnete
Dorfteile (z.B. „Eekenn“ wie Eichenende), die
sich auch heute noch ausmachen lassen und
die sich um eine Senke mit Bachlauf, Teich und
Wiesen in der Mitte gruppieren. Ein Teil soll von
den früheren Bewohnern eines aufgelassenen
Dorfes an der nahen Furt des alten Heer- und
Handelsweges von Bremen nach Braunschweig
besiedelt worden sein; denn dieser gehört heute
noch dem Kirchspiel Düshorn an, im Unter-
schied zu den beiden übrigen Dorfteilen, die von
jeher dem Kirchspiel Kirchboitzen angehörten.
Die 230 Einwohner zählende Dorflage wird
heute durch die bis in die bebauten Gebiete
hineinreichende, stark bewaldete südliche Um-
gebung entlang Straße und Bahn geprägt. Im
östlichen Dorfteil hat sich dahinter, um die abkni-
ckende etwa von Süden nach Norden verlaufen-
de Dorfstraße ein fast geschlossenes Ensemble
von aneinander gebauten Hofanlagen erhalten;
vielfach mit alter Hofpflasterung, steinernen
Einfriedungen und Eichenbestand. Es wird von
den meist zu unterschiedlichen Zeiten errichte-
ten Haupt- und/oder Nebengebäuden auf den
unterschiedlich großen Hofstellen Nrn. 1, 2, 3,
5, 6, 8 und 9 gebildet, deren ursprünglich unre-
gelmäßige Parzellenstruktur im Zuge der Ver-
kopplung etwas begradigt worden ist.
Die geschlossene Hofanlage Nr. 9 tritt nicht nur
aufgrund ihrer exponierten Lage in der Kurve
der engen Dorfstraße hervor, sondern durch das
ursprünglich 1653 errichtete Wohnwirtschafts-
gebäude, als eines der ältesten datierten des
Landkreises. Es liegt traufständig hinter den
Straßen begleitenden Wirtschaftsgebäuden (Fach-
werk-Remise wohl 2. Drittel des 19.Jh., Scheu-
ne bzw. Pferdestall in Ziegelbauweise mit Fach-
werkaufsatz wohl um 1900) und alter Hofpflas-
terung mit Baumbestand zurück. Es stellt sich
als breit gelagertes, im Inneren jedoch verbautes
Dreiständer-Gefüge dar mit schmalen Kübbun-
gen und ehemaligem Vorschauer, dessen Gie-
beltrapez auf gerundeten Balkenköpfen mit Füll-
hölzern dazwischen auskragt. Der Wohntrakt ist
1911 straßenseitig umgestaltet worden und
weist seitdem einen repräsentativen Eingangs-
bereich unter einem Zwerchhaus mit Zierfach-
werk auf. Bemerkenswert ist der zu jeder voll-
ständigen Hofanlage gehörende Speicher, hier
1 1/2-geschossig in Hochrähmkonstruktion von
1716 mit breiter Verbohlung. Trotz traufseitiger
Anbauten sind die durchgesteckten Ankerbal-
ken deutlich sichtbar erhalten.
Die schräg gegenüberliegende Gebäudegruppe
von Nr. 5, bestehend aus Wohnwirtschaftsge-
bäude, Querdurchfahrtsscheune bzw. ehern.
Pferdestall sowie Schweinestall, bildet dagegen
eine bauliche Einheit, da sie insgesamt um 1905
in Rohziegel bzw. Fachwerkbauweise mit einfa-
chen Zierformen errichtet worden sind. Lediglich
der wohl 1837 auf einem Granitquadersockel
errichtete, vollständig verbohlte Schafstall, der
die Hofanlage zur Straße hin abschließt, weist
auf eine Vorgängerbebauung des Hofes hin.
Die kleinen Hofstellen dazwischen sind ebenfalls
um 1905 in ähnlichem Stil neu bebaut worden.

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