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Schriftband geschmückte und von vier Trägerfi-
guren gehaltene glockenförmige Bronzetaufbe-
cken der Vorgängerkirche erhalten geblieben.
Seine frühe Entstehungszeit um 1350 hebt es
von den zumeist etwas jüngeren Taufbecken in
anderen Kirchen des Landkreises ab (s. Wolter-
dingen, Munster, Soltau). Später ist in das
Becken eine Taufschale von 1650 integriert wor-
den. Von den drei Glocken ist die größte, bereits
1564 in Wietzendorf selbst gegossene Glocke
erhalten geblieben, während die beiden aus
dem 18.Jh. stammenden kleineren Glocken
1970 und 72 umgegossen wurden.
Der sog. Alte Friedhof ist, sicherlich aus Platz-
gründen, schon früh weiter westlich auf der
rechteckigen Parzelle zwischen Bahnhofstraße
und Kampstraße errichtet worden. Die ältesten
der teilweise von schmiedeeisernen Zäunen um-
gebenen Grabstellen, welche zumeist in Grup-
pen zu beiden Seiten des teilweise geschwun-
genen Weges innerhalb der inzwischen von al-
ten Bäumen bestandenen parkähnlichen Anlage
stehen, stammen aus dem frühen 19.Jh. Auf-
wendige Gestaltungsmerkmale, wie Engelsfigu-
ren- und -köpfe und verzierte Steinkreuze kenn-
zeichnen die bedeutendsten Grabsteine. Hier im
Norden der Anlage ist 1995 zum Gedenken an
die Opfer des Wietzendorfer Gefangenenlagers
vom April 1945 ein großer Findling als Gedenk-
stein niedergelegt worden.
In einiger Entfernung nordöstlich vom Ortskern
auf dem historischen Übungsgelände „Osterhei-
de“ in Richtung Munster liegt der Friedhof eines
Kriegsgefangenenlagers (Bundeswehrgelände
Truppenübungsplatz Munster-Süd). Im Bereich
dieses Geländes stand während des Zweiten
Weltkrieges ab 1941 eines von vier im Heide-
raum befindlichen Lagern (Fallingbostel, Oerbke
und Bergen-Belsen). Von den ca. 50.000 über-

Bockel, Bockei 1, Speichertreppe, 1806


wiegend russischen, aber auch französischen,
belgischen und polnischen Gefangenen bzw.
Zwangsarbeitern, die hier innerhalb von zwei
Jahren unter grausamsten Umständen und oh-
ne feste Unterkünfte untergebracht waren, sind
ca. 16.000 ab 1941 umgekommen und teilwei-
se in Massengräbern hier auf dem Kriegsgefan-
genenfriedhof beerdigt worden.
Bei der Instandsetzung der bei Kriegsende ver-
wahrlosten Anlage sind die etwa 1.000 Einzel-
gräber und die Massengräber eingeebnet wor-
den. Ein kurz nach Kriegsende aufgestelltes rus-
sisches Mahnmal in deutscher und englischer
Sprache, einige russische Grabsteine ebenso wie
eine 1990 eingeweihte Gedenktafel stehen heu-
te auf der begrünten Lichtung, die hier inmitten
ausgedehnter Waldflächen angelegt worden ist.
Die sog. erste Siedlungsschicht der beidseitig
des Flusses gelegenen landesherrlichen oder
zumeist dem Adel angehörenden Hofanlagen
war schon im 15.Jh. durch Kötner ergänzt wor-
den. Diese hatten sich an den Rändern der gro-
ßen Höfe angesiedelt. Zusammen mit den seit
dem 18.Jh. hinzugekommenen An- und Abbau-
erstellen entstand südlich der Wietzebrücke eine
zusammenhängende langgestreckte Siedlung
von kleineren, annähernd regelmäßig bebauten
Hofanlagen, deren gleichmäßige Parzellen vor
allem zu beiden Seiten der parallel zur Wietze
geführten, nord-süd-gerichteten Engen Straße
und der Hauptstraße bis zu ihrer Zusammenfüh-
rung bei der Kirche aufgereiht sind. Dieser über-
wiegend mit traufständigen Gebäuden ehemali-
ger Handwerks- und sonstiger Nebenerwerbs-
betriebe verhältnismäßig eng bebaute mittlere
Abschnitt bildet heute den zentralen Einkaufsbe-
reich von Wietzendorf und prägt, trotz jüngerer
Aufsiedlungen der Zwischen- und Randberei-
che, das ländlich-verstädterte Ortbild aus. Ge-

schäfte, Dienstleistungsbetriebe, aber auch die
Verwaltungen (u.a. das Rathaus) befinden sich
insbesondere entlang der Hauptstraße in den
meist traufständig an der Straße stehenden frü-
heren Wohnhäusern bzw. Wohnwirtschaftsge-
bäuden. Vielfach hat dies zu Veränderungen der
Gebäude durch Aufstockungen, Modernisierun-
gen und Erneuerungen geführt.

WIETZENDORF BOCKEL

Die zumeist landesherrlichen sieben Vollhöfe
und ein ebenfalls zu Bockei gehörender Halbhof
waren aufgrund ihrer riesigen Länderein die
weitaus größten im Gemeindegebiet Wietzen-
dorf. In der Nähe der wohl nach einem Buchen-
hain „Boclo“ bezeichneten Siedlung, welche
schon 1197 in alten Urkunden Erwähnung findet,
wurden zahlreiche bronzezeitliche Hügelgräber
gefunden. Bockei gehörte als einzige Wietzen-
dorfer Bauernschaft ursprünglich zum Kirchspiel
Dorfmark im Amt und späteren Kreis Fallingbos-
tel. Die Höfe hingen seit dem späten Mittelalter
von dem Kloster Walsrode ab. Erst im Zuge der
Errichtung des Truppenübungsplatzes Bergen
wechselte die Gemeinde Bockei 1939 zum
Landkreis Soltau und erst von 1956 an gehörte
sie vollständig zum Kirchspiel Wietzendorf. 1974
wurde sie mit den fünf schon immer im Wietzen-
dorfer Kirchspiel gelegenen Bauernschaften zur
Einheitsgemeinde zusammengefasst.
Die entsprechend ihres Grundbesitzes großen
und mit zahlreichen Wohn- und Wirtschaftsge-
bäuden bestandenen Hofanlagen lagen als au-
tarke Einzelhöfe weit verstreut in ein bis drei Ki-
lometern Entfernung voneinander am westlichen
Rande des Großen Moores bzw. des Wietzen-
bruchs westlich von Wietzendorf. Heute bilden
sie den Siedlungsrand zu dem westlich an-

Bockel, Bockei 1, Treppenspeicher, 1733


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